Zweibrücken Eine Stimme, die berührt

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Ausdrucksvolles und variantenreiches Gitarrenspiel, eine vielseitig modulierende Stimme, die viele Gefühlsschattierungen lebendig werden lässt: So bezauberte Vanessa Novak am Donnerstagabend bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen die über 100 Besucher im Eiscafé Scheerer in Wattweiler.

Die deutschamerikanische Sängerin und Songwriterin, die in Detroit geboren wurde, aber in Zweibrücken und Contwig aufwuchs und heute in Darmstadt lebt, spielte neben Klassikern der US-Folk- und Countrymusik vor allem eigene Songs. In ihren Balladen erzählte sie Geschichten, die in ihrer Authentizität ungemein berührten, unter die Haut gingen. „One Big Lie“ ist eine Story über Menschen, die lieber eine Lüge leben als einen guten Rat anzunehmen: Nach einem ruhigen Vortrag, der wie eine Bilanz anmutete, nachdem man mit sich selbst ins Reine gekommen ist, brachen sich dann doch Gefühle Bahn. Novaks Stimme blühte ausdrucksstark auf, mit einer bluesigen Note. Dass Beziehungen oft ganz anders verlaufen könnten, wenn man sich statt der im Alltag sehr schnell zur Routine werdenden Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens dem anderen liebevoll zuwenden würde, beschrieb sie in ihrem Titel „Sweet Words“. Eine sanft perlende Melodie, stimmungsvoll auf der Gitarre gespielt, schuf eine nostalgisch angehauchte Atmosphäre. Die kühle, klare und doch sehr persönliche, berührende Stimme Novaks war wehmütig überhaucht in diesem Song voller Erinnerungen und Patina. Doch auch härtere, rockige Töne beherrschte die jugendlich wirkende 47-Jährige überzeugend. Kraftvoll rauschten die Gitarrenakkorde, als sie in ihrer Komposition „Home Is Where My Heart Is“ mit kühl timbrierter, doch immer wieder voll aufblühender Stimme über Veränderungen und Heimat sang. Das gleiche Thema beschäftigte die Songwriterin in „Bound to Change“: Leben bedeutet Veränderung, alles ist dem Wandel unterworfen. Auch in der alten Heimat kann man sich fremd fühlen, wenn man nach langer Abwesenheit zurückkehrt. Mit dieser Erkenntnis setzte sich Vanessa Novak mit subtil verhaltenem Fingerpicking und dunkel getönter Stimme auseinander. Gerade der Kontrast zwischen dem hochemotionalen Thema und der Zurückhaltung von Novaks Interpretation ließ ihre Geschichten so echt wirken. Jemanden vermissen und auf Wiedersehen sagen gehört auch zu den Gefühlen, die Vanessa Novak sehr direkt und unmittelbar in ihrer Musik nachempfindet. Etwas derber fallen die Episoden aus, die sich mit weniger geliebten Verwandten beschäftigen, doch immer wieder brechen zart-verhaltene, sehr intime Töne durch, wenn sie über die räumliche Distanz zu nahe stehenden Menschen singt. Einen anderen Abschied thematisierte sie in Jean Ritchies Song „The L&N Don’t Stop Here Any More“, einer Ballade aus der Sicht eines Kindes über die Ereignisse nach der Schließung eines Kohlebergwerks, als die Menschen plötzlich keine Jobs mehr hatten und auch der Güterzug nicht mehr fuhr. Kunstvoll intonierte gebrochene Akkorde steigerten sich zu rauschenden Klängen, in die sich die klare, warme und doch nie exaltiert wirkende Stimme von Vanessa Novak atmosphärisch stimmig integrierte, die leisen Töne hinterließen hier den tiefsten Eindruck. Mit ihrer 13-jährigen Tochter Selma am Cello ließ Vanessa Novak den Abend stimmungsvoll mit „Good Riddance“ von Green Day in eigenem Arrangement zu dem hingerissenen Applaus des Publikums ausklingen.

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