Sportsfreunde
Ein Zweibrücker Rettungsschwimmer aus Leidenschaft gewinnt zwei WM-Titel
Am Freitagnachmittag war Leo Baumann, Schwimmer der Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken und der SSG Saar Max Ritter, gerade auf einer Bootstour. Die war Teil des European Youth Camps, eines Trainingslagers mit zehn Nationen in Potsdam. Fast 80 der besten Nachwuchstalente des Kontinents kamen für acht Tage in der Hauptstadt Brandenburgs zusammen, trainierten unter anderem über die Mittelstrecke auch mit englischen Coaches.
Für Leo Baumann, der mit seiner Familie im saarländischen Altheim wohnt, war da die Anreise wohl einfacher als im Sommer. Da flog der Schüler der elften Klasse im Sportzweig des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums (eine Eliteschule des Sports, auf die er seit der fünften Klasse geht) in die australische Stadt Gold Coast – zu den Weltmeisterschaften im Rettungsschwimmen (Livesaving World Championships). „Da hat schon fast die Anreise eine Woche gedauert“, erzählt Baumann lachend über die vier Flüge dauernde Mammut-Tour von Luxemburg nach Berlin und dann via Doha und Melbourne in den Südosten Australiens.
Beim Debüt gleich zwei WM-Titel
Der 16-Jährige war dabei alleine unterwegs, ohne Eltern, allerdings zusammen mit dem 44-köpfigen deutschen Rettungsschwimmer-Team. „Ich war zwar das erste Mal so richtig weit weg“, gibt er zu, aber das machte ihm nichts aus. „Ich war ja auch mit dem Deutschen Schwimm-Verband in vielen Trainingslagern und bin schon mal alleine von Spanien nach Hause geflogen“, verdeutlicht er.
Dass seine Leistungskurse Sport und Englisch, in denen er im Jahr 2027 sein Abitur ablegen will, durchaus was fürs Leben sind, hat er jetzt in Australien deutlich gemerkt. „Ich konnte mich in Australien wirklich gut unterhalten mit den Leuten, auch in Interviewsituationen“, stellt Baumann erfreut fest. Und er war dort nicht umsonst ein gefragter Interviewpartner vor Mikrofonen und Kameras. Über 50 Meter Puppe retten wurde er im Einzel Weltmeister, schlug auch mit der deutschen Puppen-Staffel über 4x50 Meter als Erster an. Dazu kamen noch eine Silbermedaille mit der gemischten 4x50-Meter-Rettungsstaffel und Bronze über 100 Meter kombiniertes Retten.
Erst vor einem Dreivierteljahr DLRG-Wettkämpfe
„Ich wollte schon eine Medaille mitnehmen“, sagt Baumann, der im Juni in Riesa bereits Junioren-Europameister geworden war. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich die Chance habe, die 50 Meter zu gewinnen“, sagt er und war mit dem Abschneiden in Australien letztlich mehr als zufrieden. Wie im Übrigen auch seine Trainer, darunter DLRG-Teammanager Holger Friedrich. „Auch Jan Wolfgarten, mein Heim- und Saar-Landestrainer, der ja die Basis fürs Hochgeschwindigkeitsschwimmen legt, hat sich sehr gefreut“, berichtet Baumann.
Dabei hatte sich der 2,04 Meter große und etwa 100 Kilogramm schwere junge Mann gerade erst vor einem Dreivierteljahr dazu entschieden, mal an einem DLRG-Meisterschaftsrennen teilzunehmen. Im Rettungsschwimmen tritt er für die DLRG-Ortsgruppe Völklingen an. „Mir macht alles Riesenspaß, was im Wasser stattfindet“, betont er. Neben zweimaligem Morgentraining bei Wolfgarten trainiert er im Rettungsschwimmen auch zweimal wöchentlich mit 17- und 18-Jährigen an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule unter Sebastian Walle. „Der war früher selbst ein sehr erfolgreicher Rettungsschwimmer“, weiß Baumann. Im Schwimmen gehört er zum deutschen Nachwuchskader 1, zum höheren Perspektivkader der Über-18-Jährigen fehlen ihm über 200 Meter Kraul noch ein, zwei Sekunden. Bei der DLRG ist er nun Teil des World-Games-Kaders.
Große Ziele voraus
An der Sportschule, im „Haus der Athleten“, hat er seit kurzem auch ein Zimmer. Praktisch, da kann er sich nach der Schule und vor dem Training mal ausruhen. Die Entspannungszeit braucht er auch, denn es steht viel an in nächster Zeit. Er möchte bald mit dem Führerschein beginnen. Und mit den deutschen DLRG-Mehrkampfmeisterschaften, der Kurzbahn-DM, dem internationalen DLRG-Deutschland-Pokal und dem deutschen Mannschaftswettbewerb der Schwimmer stehen in diesem Jahr noch vier große Wettkämpfe an.
Baumann, der Schwimmen und Rettungsschwimmen auf jeden Fall weiter nebeneinander betreiben will, blickt zudem schon weiter voraus. 2025 kommen die Junioren-EM in Slowenien, bei der er gerne starten möchte, und die World Games (Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten) in China; 2026 die nächste Rettungsschwimmer-WM in Marokko. Nach dem Abitur 2027 will er sich erst mal ganz aufs Schwimmen konzentrieren, schließlich sind 2028 Olympische Spiele in Los Angeles. Und falls Rettungsschwimmen 2032 im australischen Brisbane olympisch wird, wäre er auch dort gerne dabei. Da wäre er gerade 24 Jahre alt.