Sportsfreunde
Ein Vierteljahrhundert Turnleidenschaft: Birgit Geib-Becker und Sonja Rayer feiern Jubiläum
Seit wann sie gemeinsam Turnerinnen bei der VT Zweibrücken trainieren? Sonja Rayer und Birgit Geib-Becker schauen sich an. „Das muss auf jeden Fall vor den Sommerferien 1998 gewesen sein. Da haben wir nämlich neue Sitten eingeführt – und während der Ferien durchtrainiert“, erinnert sich die 51-jährige Rayer. Die 60-jährige Becker war da schon ein Jahr bei der VTZ engagiert, war durch ihre kleine Tochter Johanna damals dazu gekommen. Im Jahr 2023 feierten die beiden also ihr 25-jähriges Dienstjubiläum, quasi ihre „Silberhochzeit“ als Trainerinnen.
Unzählige Stunden standen sie schon an den Geräten in der Turnhalle unter der Festhalle, leiteten viele, viele Turnerinnen an und heimsten auch zahlreiche Erfolge ein. Zählen könne man das nicht, sagen die Sozialversicherungs-Fachangestellte in Homburg (Rayer) und die Arzthelferin im Nardini-Klinikum in der Kardiologie (Geib-Becker) unisono. Zum Dienstjubiläum kam damals die Idee auf: „Da könnten wir doch zusammen was machen.“ Der erste Vorschlag eines Wellness-Wochenendes wurde verworfen, für das Jahr 2024 war dann schon eine Donau-Kreuzfahrt fest geplant. Wegen eines Krankenhausaufenthaltes Rayers fiel auch die dann flach. „Nach Donau war uns danach nicht mehr zumute“, sagt Geib-Becker dazu.
Eine Reise als abenteuerliches Bootcamp
Neues Jahr, neuer Anlauf also: „Wir waren dann im Reisebüro und haben gefragt: Wo ist Anfang April gutes Wetter?“, berichtet Rayer. Gran Canaria oder Sizilien, hieß es – die beiden VTZ-Coaches entschieden sich fürs südliche Italien. „Da gibt’s auch kulturell ein bisschen mehr zu sehen“, sagt die in Contwig wohnende Rayer. „Wenn du alles planst, fahre ich mit“, unterstrich Geib-Becker mit Augenzwinkern, die in Zweibrücken wohnt. Denn da unterscheiden sich die beiden: Während es Geib-Becker auch ruhiger angehen lassen kann, muss für Rayer im Urlaub mehr Action her.
„Es war ein Bootcamp mit Abenteuern“, beschreibt Geib-Becker die Reise im Rückblick daher lachend. In den schönen Hotelzimmern war das Wasser entweder ganz heiß oder ganz kalt. Und es war anstrengend, die Wanderschuhe waren gut in Gebrauch. „Zehn bis 14 Kilometer sind wir an jedem der neun Tage gelaufen“, konnte Rayer, die seit vielen Jahren auch Fachwartin für Gerätturnen der Mädchen im Westpfalz-Turngau ist, an ihrer App ablesen. „Aber wir hatten viel Spaß“, sagt Geib-Becker. Dazu kamen 1200 Kilometer mit ihrem kleinen gemieteten Fiat Panda über schmale Sträßchen, mit teils großen Schlaglöchern. Auch hier war die Aufgabenverteilung ganz klar: Rayer fährt lieber, Geib-Becker gibt den Navigator auf dem Beifahrersitz.
Ätna-Tour als Höhepunkt auf Sizilien
„Alles war schon grün und überall Blumen“, berichten die beiden von schönen Touren über die Insel. Immer dabei war der voll ausgerüstete Rayersche Rucksack: mit Gebäck, Sitzkissen, Taschenmesser und Blasenpflastern. Der konnte aber auch nicht helfen, wenn die bequeme Route zwar mit fünf Kilometern ausgewiesen war – sich aber immer weiter zog und zog. Und am Ende fehlte dann doch tatsächlich eine Brücke, so dass sich beide ins durchaus hüfttiefe Wasser trauen und eine Strecke lang waten mussten. Höhlengräber besuchen und sich das griechische Theater in Taormina anschauen standen für Geib-Becker (Mutter zweier erwachsener Kinder, zwei Enkel) und Rayer (Mutter eines erwachsenen Sohnes) ebenfalls auf dem Programm. Zum Abschluss des Tages landeten sie dann immer in der gleichen einheimischen Pizzeria.
Der Höhepunkt auf Sizilien war dann die Ätna-Tour. „Ich hab’s mir nicht so schwer vorgestellt, und wir hatten im Vorfeld leider kein Höhentraining gemacht“, gibt Rayer lachend zu. Mit dem Auto ging’s rauf auf 2000 Meter, mit der Seilbahn auf 2500 Meter. Für die letzten 500 Höhenmeter brauchte das Duo zu Fuß dann zwei Stunden. „Das waren 105 Stockwerke, hat die App gesagt“, berichtet Rayer. „Sehr windig, sehr kalt und sehr stolz“, umschrieben sie ihre Gefühlslage, als sie ganz oben angekommen waren – auf einem nichtaktiven Kraterteil. Warum das nicht umsonst so geregelt ist, bewies der Vulkan noch am gleichen Abend mit einem Ausbruch.
Viele Anekdoten aus 25 Jahren als Trainerinnen
Montags standen sie dann schon wieder in der VTZ-Turnhalle. Als Trainerinnen bei „ihrer“ VTZ gehen sie nun in ihr 27. gemeinsames Jahr. Einige Anekdoten aus der langen Zeit sind beiden im Gedächtnis geblieben. „Kurios war zum Beispiel, als wir mit einem alten privaten Bus, einem 25-Sitzer, aufs Turnfest nach Koblenz gefahren sind. Zwar mit einem Riesenplakat hinten in der Scheibe, aber unterwegs dachten wir auch mal, wir müssen den Bus schieben“, sagt Rayer. Trainerkollegin Geib-Becker erinnert sich noch an ein Turnfest in Leipzig, als die ganze VTZ-Mannschaft hüpfend und singend für mächtig Stimmung in der örtlichen Straßenbahn sorgte.
Und sie haben sich auch schon mehrfach gegenseitig aus der Trainingshalle ins Krankenhaus gefahren. Rayer brachte Geib-Becker mal wegen einem Cut am Auge hin. Geib-Becker, die von Berufs wegen die medizinische Versorgung der Schützlinge im Auge hat, pilotierte Rayer schon mit einem ausgekugelten Finger hin und sogar zur Geburt – weil ihr geschultes Auge sah, dass es höchste Zeit ist.
Kids kommen heute mit anderen Grundlagen
Was haben die beiden in dem Vierteljahrhundert im Bezug auf ihre Sportart Turnen festgestellt? „Es ist schon so, dass Kinder im Gegensatz zu früher mit geringeren motorischen Fertigkeiten zu uns ins Training kommen“, hat Rayer festgestellt. „Da fehlen einfach Grundlagen, die muss man dann aufarbeiten“, weiß Geib-Becker.
Zu den beiden gehört im VTZ-Trainerteam auch noch Tanja Meister, die die kleineren Mädchen anleitet. „Wir besprechen zu dritt ganz viel zusammen, telefonieren häufig und überlegen: Was müssen wir anders machen oder im Training umstellen?“, unterstreicht Geib-Becker. Dazu gehöre auch eine ständige Weiterbildung. Die Turnerinnen sollten ja gesund aus dem Training rausgehen, Turnen verlange dem Körper enorm viel ab. „Wir sind streng, aber die Kinder mögen uns“, skizzieren Rayer und Geib-Becker ihren Stil.
Wie lange wollen die beiden noch weitermachen? „Also, ich wollte ja schon mit 55 Jahren aufhören“, gibt Geib-Becker lachend zu. Hat nicht geklappt. „Und immer wenn einer von uns dreien mal eine Flaute hat, ziehen ihn die anderen wieder mit“, erzählt sie, was ihr ein gutes Gefühl gibt. Da können die nächsten Termine ruhig kommen. So wie die Einzel-Pfalzmeisterschaften im Spitzensport am Wochenende, wo in Bad Bergzabern Casey Gaiger die VTZ vertritt. Für die VT Contwig sind dort Johanna Maurer, Estelle Conrad, Lilly Wind und Pia Strassel gemeldet.