Zweibrücken Ein Lob auf deutsche Wurst und Kohlenhydrate

Vier Wochen haben Akari Tagami und Mackenzie Knapp aus Kanada bei ihren Austauschschülern vom Helmholtz-Gymnasium in Zweibrücken verbracht. Neben ein paar deutschen Floskeln haben sie auch die Lebensart hierzulande kennengelernt. Am Wochenende kehren sie nach Barrie, Zweibrückens kanadischer Partnerstadt, zurück.
„German sausages are so good“, schwärmt Akari Tagami – deutsche Wurst findet sie köstlich. Auch Pfälzer Saumagen hat sie probiert und für gut befunden. Im Grunde sei die Küche ähnlich wie daheim, aber anders gewürzt: „Es sind oft dieselben Sachen, aber sie schmecken einfach anders.“ In Kanada werde oft Ahornsirup verwendet, für eine Vielzahl von Speisen. Die Deutschen verbrauchen für Tagamis Empfinden dafür unheimlich viel Butter. „Und man isst hier mehr Kohlenhydrate, viel Brot, Nudeln und Kartoffeln“, hat die 17-Jährige beobachtet. Die deutschen Schülerinnen Hannah Klein und Denise Marx haben im vergangenen Oktober vier Wochen bei ihren kanadischen Austauschfamilien verbracht. Auch sie haben die Spezialitäten des Landes probiert. Hannah Klein hat dabei „Poutine“ schätzen gelernt − Pommes mit dunkler Soße und Käse überbacken. „Für mich war das nichts“, sagt Denise Marx und lacht. Für die Schülerinnen des Helmholtz-Gymnasiums ist der Austausch eine wichtige Erfahrung. Es sei etwas ganz anderes, ein Land selbst kennenzulernen als nur in der Schule etwas darüber zu lernen. Auch ihr englisches Sprachvermögen habe sich deutlich verbessert. Zweibrücken empfinden Akari Tagami und ihre Freundin Mackenzie Knapp als sehr gemütlich. Der Unterschied zu ihrem Heimatland sei aber erheblich. In Kanada seien die Städte oft riesengroß und sehr belebt, dafür gebe es auf dem Land weite Flächen, wo kaum jemand wohnt. Hier sei alles näher beieinander. Für die Mädchen ist es ungewohnt, eine Strecke zu Fuß zurückzulegen und nicht überallhin mit dem Auto fahren zu müssen. Kanada hat rund 35 Millionen Einwohner, was also nicht einmal der Hälfte der Deutschen entspricht. Mit knapp zehn Millionen Quadratkilometern ist das Land aber fast so groß wie Europa. Die Strecken sind oft viel länger als in Deutschland. „Wir sind manchmal drei Stunden gefahren und haben nichts als Bäume gesehen“, erzählt Denise Marx. Die beiden Kanadierinnen hingegen zeigen sich beeindruckt vom fußballerischen Geschick der Deutschen. „Wir hatten keine Chance. In Deutschland kann einfach jeder Fußball spielen“, lacht Mackenzie Knapp. Kanadas Nationalsportarten seien Lacrosse (eine Ballsportart, bei der Schläger mit Netzen zum Einsatz kommen) und Eishockey. Die Mädchen besuchen die elfte Klasse der Highschool. Französisch ist die einzige Fremdsprache. Ein paar deutsche Worte haben sie während ihres Aufenthalts aber gelernt. „Danke, bitte“, sagt Tagami auf. Bei „Alles Gute zum Geburtstag“ verhaspelt sie sich ein bisschen. Mackenzie weigert sich, ihren Wortschatz zu enthüllen. „Das sind lauter Schimpfwörter“, sagt sie und grinst. Während ihres vierwöchigen Aufenthalts besuchten die Kanadier unter anderem Trier und Heidelberg und wanderten im Pfälzer Wald. Am stärksten ist der fünftägige Trip nach Paris im Gedächtnis geblieben. „Wir haben den Eiffelturm bei Nacht gesehen. Ich weiß, es ist ein Klischee, aber es war so toll. Und wir durften die Stadt alleine erkunden, ohne Lehrer“, erzählt Tagami. Für sie war es die erste Reise nach Europa. Knapp war mit ihrer Mutter bereits in London und Paris. Das Verhältnis zu ihren deutschen Austauschpartnern „ist in Deutschland enger geworden. Die Deutschen wussten sich in Kanada besser zu helfen, sie sprechen ja Englisch“, erklärt Knapp. Alleine einkaufen zu gehen oder etwas anderes zu unternehmen, sei für die deutschen Schüler im fremden Land daher gar kein Problem gewesen. Als das Gespräch auf Stereotypen kommt, müssen die Kanadierinnen lachen. Ja, so wie die Deutschen angeblich überpünktlich sind, gibt es auch Eigenschaften, die man den Kanadiern zuschreibt. „Wir sind sehr freundlich“, sagt Tagami. „Und wir entschuldigen uns für alles – selbst, wenn jemand anderes uns umgerannt oder wehgetan hat.“