Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Bayer in der Pfalz: Stephan Jahn von der SG Zweibrücken

Aktivposten der SG Zweibrücken: Stephan Jahn (links), hier mit dem Saulheimer Markus Sieben.
Aktivposten der SG Zweibrücken: Stephan Jahn (links), hier mit dem Saulheimer Markus Sieben.

Ein Großteil des Familienlebens der Jahns aus dem bayerischen Günzburg fand und findet in Sporthallen statt. Als Handballer Stephan Jahn wegen seines Medizinstudiums nach Homburg kam, suchte er einen familiären Verein – und wurde fündig.

Wer auf der Autobahn A8 Richtung München unterwegs ist, kennt die Anschlussstelle Günzburg. Die Stadt ist bekannt für den Freizeitpark Legoland – und in Sportkreisen für erfolgreichen Handball. An der sportlichen Erfolgsgeschichte schreibt seit den 1980er-Jahren die Familie Jahn kräftig mit. Jetzt hat Stephan Jahn ein neues Handballkapitel aufgeschlagen, möchte eine Erfolgsgeschichte bei der SG Zweibrücken schreiben. Am Samstag auch gegen den HB Mülheim-Urmitz (Anwurf: 18 Uhr, Westpfalzhalle).

Lieber ein Helles als ein Pils

Vergangenen Samstag beim Sieg gegen die Südpfalz-Tiger war Stephan Jahn ein Aktivposten im Zweibrücker Trikot. Im Rückraum und in der Abwehr. Der 25-Jährige freut sich, dass er seine Verletzung (Bänder im Fuß) überwunden hat. „Das braucht seine Zeit“, sagt er und kann es medizinisch begründen. Er hat nämlich eine Ausbildung als Physiotherapeut abgeschlossen und studiert im fünften Semester Medizin an der Universität des Saarlandes in Homburg.

Der Studienort ist ein Grund, warum der 1,91 Meter große Rückraumspieler mit Abwehrqualitäten und die SG Zweibrücken zusammenfanden. Der zweite Grund: „Ich habe hier einen Verein gesucht, bei dem ich Leistungshandball spielen kann, bei dem es aber auch so familiär zugeht wie bei meinem Heimatverein Günzburg“, sagt Jahn. Den SV 64 Zweibrücken kannte er aus Duellen in der Jugend-Bundesliga – die Günzburger schnappten 2018 den Zweibrückern hauchdünn den Klassenverbleib weg – und in der Dritten Liga. In der Saison 2021/22 stiegen Günzburg und der SV 64 Zweibrücken gemeinsam aus Liga drei ab. „In Zweibrücken haben wir in der Abstiegsrunde hoch verloren, zu Hause klar gewonnen“, erinnert sich Stephan Jahn an die 22:31-Niederlage in der Westpfalzhalle und den 33:27-Erfolg in Günzburg.

Mit den Brüdern in der Dritten Liga

Als er das Studium in Homburg aufnahm, fragte er an, ob er bei der SG mittrainieren könne. Er war gerngesehener Trainingsgast. „Ich habe mich hier gleich wohl gefühlt“, erzählt er. Auch wenn es einen Unterschied gibt: „Hier steht Pils hoch im Kurs“, verrät er lachend. Günzburger mögen hingegen lieber Münchner Helles, wenn es ums Bier geht. Was alle eint: Am besten schmeckt ein Siegerbier.

Mit seinen Brüdern Michael und Alexander spielte er unter anderem gemeinsam in der Dritten Liga. Schwester Martina ist Spielertrainerin bei den Günzburger Handballerinnen. Papa Rudi war sein Trainer und Betreuer zu Jugendzeiten, Mama Claudia kümmerte sich um alles abseits des Spielfelds. „Der Handball wurde uns in die Wiege gelegt“, bestätigt Jahn. Mit 122 Partien hat Papa Rudi Jahn die meisten Bundesliga-Spiele für die Günzburger absolviert, die in den 1980er-Jahren sehr erfolgreich waren: 1981 Platz zwei im DHB-Pokal und 1982 Halbfinalist im Europapokal der Pokalsieger.

Gerne hätten die Zweibrücker den Rechtshänder schon früher verpflichtet. Aber es zog ihn Woche für Woche nach Hause: zur Familie, zu seiner 95-jährigen Oma und natürlich zu Freundin Michaela sowie zum Handballspielen beim VfL Günzburg.

Vom SG-Gast zum Spieler

Nicht nur Handballtalent wurde vererbt, auch beim Golfen fühlen sich die sportbegeisterten Jahns wohl. „Dafür fehlt mir im Moment komplett die Zeit“, sagt der Medizinstudent. Elf Klausuren stehen im fünften Semester auf dem Plan. Die Intensität des Studiums hat Stephan Jahn dann auch bewogen, vom Trainingsgast zum SG-Spieler zu werden. Während der Saison jede Woche nach Günzburg pendeln, „ist studienbedingt unmöglich“, verdeutlicht er. Die letzte Saison beim VfL, wo er als Fünfjähriger zu spielen begonnen hatte, beendete er mit einer Fußverletzung.

Es folgte Teil eins der Vorbereitung bei den Zweibrückern – und erneut eine Fußverletzung. Gegen Illtal konnte er erstmals wieder auflaufen. „In Summe habe ich fast ein halbes Jahr kein Spiel bestritten. Die Sicherheit muss ich erst wieder zurückgewinnen“, sagt er. Die Zweibrücker Niederlagenserie habe auch mit Pech zu tun gehabt. Ein Quäntchen mehr Glück im ein oder anderen Spiel, keine verletzten Leistungsträger, „dann haben wir einige Pluspunkte mehr, und es gibt keine Diskussion“.

Heimspiel am Samstag

Am Samstag will er mit den Zweibrücker Teamkollegen gegen den Tabellensiebten Mülheim-Urmitz den zweiten Heimsieg in Folge bejubeln. Zuvor heißt es für ihn anpacken. „Ich ziehe um“, freut sich Jahn, dass er das Wohnheimleben gegen das in einer Wohngemeinschaft tauschen kann. Das stärke auch bei einem überzeugten Günzburger das Gefühl, in der Saar-Pfalz heimischer zu werden.

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