Zweibrücken „Eigentlich sollte man für so etwas tot sein!“
Günter Rohrbach, der am 9. Oktober 1928 in Neunkirchen geboren wurde und schon lange in München lebt, kam am Freitagabend zur Eröffnung der Ausstellung, die die Stadt Neunkirchen ihm zum 90. Geburtstag ausrichtet, obwohl er die Sache nicht nur schön, sondern auch etwas befremdlich findet.
Sehr merkwürdig. Eigentlich sollte man für so etwas tot sein! Dass man sich als Lebender präsentiert bekommt, ist in gewisser Weise auch ungewöhnlich. Aber die Neunkircher wollten nicht abwarten. Wer weiß, wie lange der noch lebt, also machen wir’s jetzt. Aber ich habe mir das gefallen lassen, weil es mir wichtig ist, dass die Stadt Neunkirchen etwas davon hat. Die Stadt, die ja meine Heimatstadt ist, und die eine schwierige Geschichte in den letzten Jahrzehnten durchmachen musste, nach dem Ende der Industrialisierung. Nur deshalb habe mich 2011 auf den Günter-Rohrbach-Filmpreis eingelassen. Weil ich dachte, da kannst du der Stadt etwas zurückgeben. Und so geht es mir auch mit dieser Ausstellung. Es ist mir in gewisser Weise fremd. Fremd – weil sie zwischendurch lange nicht hier waren? Nein. Wenn man in der Ausstellung Sachen sieht, die mit einem selber zu tun haben, ist es schwierig, die Distanz zu bewahren und sich nicht davon einfangen zu lassen. Diese Distanz brauche ich aber. Es ist doch schön, dass Sie noch leben und erzählen können von den Kämpfen, die Sie geführt haben, um das durchzusetzen, was neu war: den Schwulenfilm, die Serie „Holocaust“… Ja. Die Menschen hier machen es mir aber auch besonders leicht. Weil sie auf so eine enorm sympathische Weise auf einen zukommen. Ich spüre da einen Herzlichkeit, die sehr viel zu tun hat mit der Mentalität dieses Landes, es ist ein besonders herzlicher Menschenschlag. Dass ich da herkomme und es nicht ganz verloren habe. In diesen Menschen erlebe ich meine Kindheit wieder. Das freut mich. Da spürt man eine große Wärme. Das tut einem gut. Eine Wärme, die man selten erfährt? Das Metier, in dem ich gearbeitet habe, ist sehr geprägt von Gefühlen wie Konkurrenzverhalten und Neid. Wenn diese Ausstellung jetzt in München gemacht worden wäre unter lauter Filmleuten, wäre eine andere Atmosphäre da. Deswegen würde ich das in München nicht haben wollen. Ist in der Filmakademie nicht auch eine gewisse Herzlichkeit? Die Filmakademie ist auch sehr nett mit mir. Aber das sind inzwischen fast 2000 Leute, man ist auch Konkurrent in diesem Metier. Das erlebt man, wenn man in Premieren geht von anderen Filmen, nicht den eigenen. Bei den eigenen Filmen bekommt man meistens Lob zugesprochen auch wenn das nicht ernst gemeint ist. Bei den anderen Filmen erlebt man, dass auch drüber hergezogen wird. Es ist nicht immer schön. Was halten Sie davon, dass „Das Boot“, Ihr größter Erfolg, jetzt zur Fernsehserie wird, ab Freitag bei Sky? Das finde ich in Ordnung. Es ist eine Wertschätzung. Aber ich habe mich geärgert, dass sie den Titel identisch gemacht haben. Das habe ich ihnen auch gesagt. Gibt es den Produzenten Günter Rohrbach noch? Ich bin zwar immer wieder mit Leuten zusammen, die Filme produzieren. Aber dass ich selber noch mal einen Film produziere, glaube ich nicht. Es reicht. | Interview: Andrea Dittgen