Zweibrücken Drogenprozess mit Kronzeuge dauert länger

Vor dem Landgericht Zweibrücken wird gegen den Kronzeugen in einem Drogenprozess verhandelt.
Vor dem Landgericht Zweibrücken wird gegen den Kronzeugen in einem Drogenprozess verhandelt.

Weil er gegen ehemalige Komplizen und Mitstreiter ausgesagt hat, könnte ein mutmaßlicher Drogenhändler eine mildere Strafe oder sogar Straffreiheit bekommen. Seine Aussagen wurden gestern von der Polizei bestätigt.

Der Prozess gegen den Kronzeugen im großen Drogenverfahren gegen eine mittlerweile verurteilte Drogenbande aus Kaiserslautern ist nach wie vor von hoher Sicherheit geprägt. Der 38-jährige Kronzeuge wird bei der Großen Strafkammer mit vier oder fünf mit Sturmhauben maskierten Personenschützern in den Gerichtssaal begleitet und dort während des Prozessverlaufes bewacht.

Der Kronzeuge wurde am 24. November 2020 gemeinsam mit elf anderen Männern aus dem Raum Kaiserslautern und dem Saarpfalzkreis bei einer Großrazzia in den frühen Morgenstunden in ihren Wohnungen dingfest gemacht. Nach seiner Festnahme legte der 38-Jährige bei den Ermittlern aus Kaiserslautern ein Geständnis ab und nannte seine Lieferanten und Abnehmer, die Verbindungsleute und Strippenzieher. Er klärte die Ermittler über die Struktur seiner ehemaligen Freunde auf. Er wurde zum Kronzeugen im Prozess gegen seine ehemaligen Mitstreiter und befindet seitdem im Zeugenschutzprogramm. Neun Männer im Alter von 23 bis 35 Jahren wurden wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen unerlaubten Handels mit Marihuana, Amphetamin und Kokain in Millionenhöhe zu hohen Haftstrafen zwischen sieben und fast elf Jahren Haft in einem zwei Jahre dauernden Mammutprozess in Zweibrücken verurteilt. Im Januar wurde das letzte Urteil gegen die neun Angeklagten gesprochen. Im April begann dann der Prozess gegen den Kronzeugen.

Beide Angeklagten verbindet die Sucht nach Onlinepoker

Neben ihm auf der Anklagebank sitzt ein 24-jähriger Angeklagter aus Zweibrücken. Der ehemalige Bundeswehrsoldat wurde bei der Großrazzia in seiner Wohnung in Homburg festgenommen. Auch der legte bei seiner Festnahme ein Geständnis ab, mit dem Ziel, in ein normales Leben zurückzufinden. Er hat laut Anklage mit dem Kronzeugen und weiteren Männern aus Zweibrücken, St. Ingbert, Kirkel und Homburg Drogengeschäfte abgewickelt. Ihm wirft Staatsanwalt Patrick Langendörfer 15 selbstständige Fälle des unerlaubten Drogenhandels vor, davon acht Fälle des bandenmäßigen Handels mit Marihuana und Amphetamin. Langendörfer sieht bei den beiden Angeklagten die Bandenmitgliedschaft als erfüllt. Sie sollen sich 2018 in einer Zweibrücker Szenekneipe mit einem dritten Mann aus Zweibrücken zum gemeinsamen Drogenhandel zusammengetan und den schwunghaften Handel in Zweibrücken und dem Saarpfalzkreis betrieben haben.

Beide Angeklagten verbindet die Sucht am Onlinepoker. Beide konnten letztendlich keine Gewinne erzielen. „Ich war immer blank“, zitierte die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas den Kronzeugen. Sowohl der Kronzeuge als auch sein Mitstreiter auf der Anklagebank wiederholten ihre Geständnisse vor den Zweibrücker Richtern. Die freiwillige Offenbarung des Angeklagten, an der Aufklärung des Drogenhandels mitzuwirken, und die Geständnisse könnten sich auf das Strafmaß für die beiden Angeklagten positiv auswirkten. Für Kronzeugen hat der Gesetzgeber eigens eine Regelung im Betäubungsmittelgesetz geschaffen. Dieses Gesetz lässt zu, dass je nach den Umständen für den Kronzeugen entweder eine Strafermäßigung oder sogar eine Strafbefreiung enthalten ist.

Prozess wird verlängert

Der Prozess gegen die beiden wurde um zwei Tage bis einschließlich 23. Mai verlängert. Bis dahin werden noch eine Reihe Zeugen gehört, auch solche, die sich an den Geschäften der beiden beteiligten und für die die Anklagebank im Gerichtssaal 4 bereit steht. Am Montag sagten Ermittler aus Kaiserslautern als Zeugen aus und bestätigten das, was die beiden Angeklagten bereits aussagten. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

x