RHEINPFALZ-Sommerredaktion Drei Nationen, ein Verein

Nataliya Leshchuk
Nataliya Leshchuk

Nein, sie war nicht ins La Perla gekommen, um von sich zu erzählen: Nataliya Leshchuk hatte sich eigentlich nur als ehrenamtliche Dolmetscherin zur Verfügung gestellt, damit wir uns mit der Ukrainerin Svetlana Kiseleva unterhalten konnten.

Aber da wir Journalisten von Haus aus neugierig sind, lag es auf der Hand nachzufragen. Die 38-Jährige kam schon vor 13 Jahren aus der Ukraine in die Pfalz, also noch vor der Krimkrise und den eskalierenden Kämpfen in der Ostukraine 2014. Ihr damaliger Mann war Arzt und nach Deutschland eingeladen worden. Ein Jahr lang lebten sie in Bad Dürkheim, bis er ans Evangelische Krankenhaus nach Zweibrücken wechselte.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Mitmenschen helfen muss. Ich weiß ja selbst, wie schwierig das mit allem hier ist: Die vielen Briefe, die man am Anfang von Versicherungen, Banken, Behörden bekommt. Ich wusste zuerst gar nicht, was ich damit machen sollte. Das Amtsdeutsch war Horror. Es ist so schwer, zu verstehen, sogar für viele Deutsche“, begründet sie fast akzentfrei, warum sie sich in ihrer Freizeit für Übersetzungen und das Ausfüllen von Formularen zur Verfügung stellt. Dass sie tadelloses Deutsch spricht, kommt nicht von ungefähr: Denn die Mutter von drei Kindern zwischen vier und 13 Jahren hat Anglistik und Germanistik studiert.

Doch schnell lenkt sie das Gespräch wieder von sich auf das, was ihr viel wesentlicher erscheint und erzählt voller Verve von einem Herzensprojekt: den deutsch-ukrainisch-französischen Verein, dessen Eintragung gerade beim Amtsgericht anhängig ist, dessen zwölfköpfiges, trinationales Team aber schon fleißig an ihrem grenzüberschreitenden Verständigungsprogramm arbeitet. Mit dem DRK haben sie zum Beispiel schon eine Kinderbetreuung für ukrainische Kinder auf die Beine gestellt, damit diese an Deutschkursen teilnehmen können. Es gab aber zum Beispiel auch schon mehrere gemeinsame kulinarische Abende, wo sie sich in Frankreich getroffen und gemeinsam bei ukrainischen Spezialitäten wie dem Nationalgericht Borscht, Vareniki (Maultaschen mit Quark und Kartoffeln), Nalysnyky (Pfannkuchen mit Huhn und Pilzen), Syrnyky (Quarkbällchen) und vielem mehr ausgetauscht haben. Doch sie wollen mehr erreichen: Die kulinarischen Abende würden sie gerne auch in Zweibrücken etablieren, suchen dafür Räumlichkeiten mit Küche, die sie sie gelegentlich nutzen dürfen. Ebenso bodenständig ist der Plan, einen Body-Ballett-Tanzkurs für Kinde rund Erwachsene anzubieten. Und wenn sich kurzfristig noch Gastfamilien für ukrainische Kinder für den Zeitraum Ende Juli/Anfang August fänden, damit irgendwann ein richtiges Austauschprogramm entstehen kann, ginge ein großer Wunsch Nataliya Leshchuks in Erfüllung.

Info

Wer mehr über den Verein wissen möchte, wer sich engagieren oder spenden möchte, kann sich per Mail an dfug@gmail.com wenden.

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