Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Dieter R. Fuchs erinnert sich mit einer Kurzgeschichte an seine Kindheit

Dieter R. Fuchs 1961 mit seinem Großvater Fritz Bauer in Zweibrücken.
Dieter R. Fuchs 1961 mit seinem Großvater Fritz Bauer in Zweibrücken.

Mit der Geschichte „De Keschdebam vum Aulebach Fritz“ hat sich der in München lebende Zweibrücker Autor Dieter Fuchs (71) zurück in die Landschaft seiner Kindheit geträumt.

Ganz oben, in der Krone einer Edelkastanie, nicht weit von seinem Elternhaus, entdeckte der Zweibrücker Schriftsteller Dieter Fuchs seine Liebe zu Büchern. Auf der Astgabel, mit dem Blick weit über die Wiesen, erwachte auch das Fernweh des in Ernstweiler geborenen Autors.

Die Geschichte, bei der Fuchs den Titel in Pfälzer Mundart wählte, brachte ihn im vergangenen Jahr auf die Longlist des Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreises (Saarbrücken), gleichzeitig ist sie unter „Ein alter Herzensbaum“ als Podcast im Literatur Radio Hörbahn zu hören.

Ein Junge mit Segelohren

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kleiner Junge – offenbar das kindliche Ich des Autors. Man sieht den dünnen Buben vor sich, das kurz geschnittene Haar und die Segelohren, mit denen Fuchs das Kind beschreibt.

Als Hör-Geschichte, gesprochen von Uwe Kullnick (71, Schriftsteller und Gründer des Literatur Radio Hörbahn) wirkt die Geschichte anders als in der Version zum (Selbst-)Lesen. Vielleicht berührt einen die Erinnerung aus der Kindheit, wenn man sie vorgelesen bekommt, noch stärker – während sie in der geschriebenen ernsthafter und melancholischer erscheint.

Drei Generationen im Haus

Fuchs schildert sein Elternhaus, die kleinen Zimmer, in denen drei Generationen lebten, die Enge, den Bollerofen in der Küche, die Zinkwanne, in der am Samstag alle badeten. Man ist gleich mittendrin, sieht die Mutter in der Küche werkeln, den Großvater am Tisch daneben sitzen, und Fuchs als kleinen Jungen, dem die dünnen Beinchen aus den kurzen Hosen ragen.

Und man erfährt viel über das Kind, das einmal Weltreisender, Forschender und Autor werden sollte. Immer dann, wenn ihm das Elternhaus zu eng wurde, streifte er allein oder mit Freunden durch die Wälder und Wiesen des Ernstweiler Tals.

Der Bauer-Fritz

Der Lieblingsplatz des Jungen dort war eine Astgabel, ganz oben in der Krone der mächtigen Kastanie. Dort las er Karl May und „Brehms Tierleben“. Und er blickte weit hinaus in die Ferne, erdachte sich fremde Länder.

Einen großen Platz in der Geschichte nimmt der Bauer-Fritz, der Großvater des Autors, ein. Als Tüncher und Anstreicher zog er mit einem Handkarren durch die Lande, erzählte seinem Enkel alles, was er so erlebte und dachte.

Friedrich Aulenbach

Auf der Bank unter der Kastanie habe einst ein anderer Autor gesessen, berichtet Fuchs in seiner Geschichte: Der Pfälzer Dichter Friedrich Aulenbach. Der Großvater hatte dem kleinen Dieter ein Buch Aulenbachs mit dem Titel „Italien – eine Hymne der Natur“, aus dem Jahr 1849, geschenkt. Als Kind langweilte Fuchs die schwärmerische Schilderung Aulenbachs. Viel später, nach einem Besuch an dem Ort seiner Kindheit, habe er sich dem Werk „ernsthafter gewidmet“. Nun konnte er den Beschreibungen der italienischen Landschaft doch eine gewisse Schönheit abgewinnen, schreibt Fuchs.

Wehmütig endet der letzte Besuch an dem verwunschenen Ort seiner Kindheit: Ein großer Teil des Tals und der Wiesen wurden bebaut, Teile des Waldes gerodet. Und so wandert der Zurückgekehrte nicht bis oben an die Kuppe, wo sein „Herzensbaum“, die Kastanie, steht. Er möchte diesen einen Platz in Erinnerung behalten, als das, was es war – das Paradies seiner Kindheit.

Schlicht und poetisch

Fuchs hat mit schlichten poetischen Worten eine Jugenderinnerung geschrieben, die zugleich ein Zeitzeugnis seiner Heimat ist. Es passiert nicht viel in dieser Geschichte - aber das braucht es auch nicht. Man scheint in einem alten Fotoalbum zu blättern, in dem die Zeit still steht.

Info

Zu hören bei Youtube: Literatur Radio Hörbahn, Dieter E. Fuchs eingeben. Die Kurzgeschichte dauert 23 Minuten

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Dieter R. Fuchs heute
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