Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Die wunderbare Musikwelt des Glenn Miller von Buspanne betroffen

Beim Konzert des Glenn Miller Orchestra traten Orchesterleiter Wil Salden (weißer Anzug), Sängerin Sabine Kühlich und Orchesterm
Beim Konzert des Glenn Miller Orchestra traten Orchesterleiter Wil Salden (weißer Anzug), Sängerin Sabine Kühlich und Orchestermusiker zwischendurch als »Moonlight Serenaders« auf.

2017 gastierte Wil Salden und sein Glenn Miller Orchestra letztmals in Zweibrücken. Ihr Tourneeplan brachte sie am Donnerstag endlich mal wieder in die Festhalle. Die Abstinenz sollte allerdings nicht um 19.30 Uhr beendet sein, sondern dauerte noch etwas länger.

Alle Augen waren wie üblich zu Konzertbeginn auf die Bühne gerichtet. Dort stand allerdings kein Orchester das mit seinem Swing-Programm loslegte. Stattdessen trat Kulturamtsleiter Thilo Huble vor das Mikro, was zunächst nicht ungewöhnlich ist, da er immer mal die Künstler ankündigt. Doch dieses Mal musste er dem Publikum zunächst etwas ganz anderes schmackhaft machen.

Die Tourneecrew hatte eine Buspanne Die Musiker kamen nicht planmäßig in Zweibrücken an. Bei Köln saßen sie bereits am Nachmittag drei Stunden lang fest, bis ein neuer Bus organisiert war. „Sie erleben heute mal etwas ganz Besonderes, was sie sonst nicht zu sehen und hören bekommen: Sie sind hautnah dabei, wie die Musiker verkabelt werden und wie ein Soundcheck abläuft“, verkaufte Huble das unverschuldete Missgeschick sehr charmant.

Wil Salden entschuldigt sich

Mit rund 30 Minuten Verspätung nahmen die Hauptakteure schließlich ihre Plätze ein. „One, Two, Three“, ohne Vorgeplänkel stimmte der 73-jährige Wil Salden seine 15 Musiker ein, und die legten sofort mit Glenn Milles „Moonlight Serenade“ los, ohne sich einzuspielen oder eine Hörprobe gemacht zu haben.

Nach dem Ende der ersten Lieder, darunter die bekannte Miller-Melodie „Pennsylvania 6-5000“, bei dem sich die Bigband-Spieler immer wieder von ihren Stühlen erhoben und den Liedtitel stilecht vorsangen, war die Wartezeit schon längst vergessen. Salden entschuldigte sich aber selbst noch: „So eine Panne, die kommt in 40 Jahren etwa dreimal vor. Sie haben also einen Glücksabend hier in Zweibrücken erwischt“, sagte er mit seinem holländischen Akzent, die 500 Gäste verziehen ihm applaudierend. „Sie haben trotzdem gute Laune, wir werden dafür sorgen, dass es so bleibt und werden heute ohne Pause spielen, sozusagen bis zum umfallen“, kündigte er an.

Sabine Kühlich singt

Nach drei instrumentalen Stücken war es an der Zeit, die Solosängerin auf die Bühne zu rufen. Sabine Kühlich (50), kommt ursprünglich aus Gera, lebt aber schon lange in Aachen und bildet die junge Generation Jazzsängerinnen am Konservatorium van Maastricht aus. In Zweibrücken sang sie „Yes My Darling Daughter“ von Glenn Miller. Nun änderte sich die Stilrichtung, das Tempo wurde erhöht. Die Festhalle war sehr gut besetzt, somit blieb kein Platz, um bei Ray Anthonys „Mr. Anthony’s Boogie“, einem mitreißenden Swing Boogie Woogie im Up-Tempo mitzutanzen. Das bereits in den Bann gezogene Publikum musste sich also weiterhin mit hin und her wackelndem Kopf und auftretenden Füßen auf dem Stuhl festsitzend begnügen.

Bis hierhin war der Auftritt sehr von den Tönen der Trompeter dominiert, wovon einzelne immer wieder zu Soli in die Bühnenmitte vortraten und ihr herausragendes Spielkönnen zeigten. Bei „It’s Been a Long Long Time“ standen dagegen die Saxofonisten mehr im Vordergrund und trugen die nun wieder ruhigere Melodie zum Dahinschmelzen in die Ohren.

Alle Facetten des Swing

Der zweistündige Auftritt, der an perfekte Originalität grenzte, versetzte das Publikum zurück in die Goldene Zeit des Swing. Nur wenige Stücke wie „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong, awurden als Arrangement des Trompeters Torsten Maas vorgetragen,

„When Your Smiling“ (Erby Greece), „Kiss Me Once, Kiss Me Twice“ (Louis Armstrong), „Moonlight Cocktail“ und der Dreiviertel-Takter „Far Away Places (Glenn Miller), „Too Darn Hot“ (Ella Fitzgerald) oder das ausschließlich von der Posaunistenreihe gespielte Arrangement „You’re the Top“ (Cole Porter) – Wil Salden und das Glenn Miller Orchestra ließen kaum einen Hit aus den 40er und 50er Jahren aus. Sie zeigten die Facetten des Genres. Die deutsche Jazz-Sängerin war genauso leistungsstark, sie brachte die amerikanische Form der Musik mit Timing, natürlicher Stimme, Ausdrucksstärke und weiblichem Charme rüber.

Das Beste kommt zum Schluss

Bevor Salden, Kühlich und die 15 Musiker unter tosendem Applaus in ihren neuen Tourbus verabschiedet wurden, spielten sie noch das Stück, auf das worauf die meisten wohl die ganze Zeit gewartet haben: „In The Mood“ von Glenn Miller war die ideale Zugabe.

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