Zweibrücken Die Wochenend-Kolumne: Ich bin der Meinung, dass ...

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Als die Amerikaner nach dem Ende des Kalten Krieges Zweibrücken verließen, herrschte Entsetzen. Man fürchtete den Niedergang der gesamten Region, wusste nicht, wie die auf einen Schlag verlorenen Arbeitsplätze ersetzt werden sollten. Doch die Starre währte nicht lange. Die Zweibrücker krempelten die Arme hoch. Das Land half, der Bund half – aber die Kommunalpolitiker vor Ort waren es, die sich der gewaltigen Herausforderung stellten. Sie bewältigten sie auch. Ein Vierteljahrhundert nach dem Abzug der US-Streitkräfte kräht kein Hahn mehr nach ihnen. Heute gibt es auf dem Flughafen und dem Kreuzberg viel mehr Arbeitsplätze, als das amerikanische Militär hier je bot. Die Fachhochschule auf dem Kreuzberg war derart erfolgreich, dass das Land ihr Wachstum mit Gewalt stoppte, weil Kaiserslautern dadurch ins Hintertreffen geriet. Auf dem Flughafen scheiterte ein erster Konversionsversuch zwar – Stichwort Camar Finance. Die Kommunalpolitiker ließen sich davon nicht kirre machen. Während man in Pirmasens und anderen Stationierungsstädten noch den alten Zeiten nachtrauerte, startete Zweibrücken schon den zweiten Versuch: mit dem Vier-Säulen-Konzept. Das klappte. Die vier Säulen hießen: Zivil-Flughafen, Outlet, Multimediapark, Freizeit-Einrichtungen. Das Outlet zählt heute zu den besten in Europa. Der Mediapark kam langsam auf Touren, er steht heute solide da. Die Säule Freizeit entstand spät. Heute steht sie mit Kletterpark, Eishalle und Spaßwelt ebenfalls solide da. Der Zivil-Flughafen lebte kurz und intensiv, bis die Europäische Union ihm den Todesstoß versetzte. Jetzt muss das Gelände auf andere Weise genutzt werden, wenn es nicht vergammeln soll. Der Flughafen eignet sich für Autorennen, Freiluft-Konzerte, Großveranstaltungen. Allein: Da war noch nicht viel. 2017 scheiterten sie an fehlenden Genehmigungen. Veranstalter, Flughafen-Eigner und Kreisverwaltung schoben sich den Schwarzen Peter zu. Die für dieses Jahr geplanten Veranstaltungen sind jetzt auch abgesagt. Der Unterschied: Diesmal scheint die Kreisverwaltung den Schwarzen Peter zu halten. Denn sie lehnte die Genehmigungen ab. Das kann sie tun, wenn sie gute Gründe hat. Sie sollte allerdings bedenken, dass der große Konversions-Erfolg der Vergangenheit nur möglich war, weil Stadt, Verbandsgemeinde und Kreis Hand in Hand arbeiteten und gegenüber Mainz und Berlin als eine partei-übergreifende, unerschütterliche Einheit auftraten. So konnte auch Unmögliches erreicht werden. Beim Thema Müll sitzt die Kreisverwaltung zurzeit auf einem sehr hohen Ross. Hier erweckt sie den Eindruck, dass sie sich für unfehlbar hält. Doch unfehlbar ist niemand. Und wer auf einem hohen Ross sitzt, fällt auch leicht herunter. Der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land bekommt den BMW nicht, den er sich so gewünscht hat. Auch deshalb bleibt er jetzt daheim, wenn’s brennt. Bei allem Verständnis für seine Argumente: Jeder Bürger hat jetzt das Bild des kleinen Jungen im Kopf, der sich im Spielzeugladen weinend auf den Boden wirft, weil er das große Feuerwehrauto von Playmobil nicht kriegt, sondern nur das kleine von Matchbox. Dieser Eindruck ist blöd, denn er schadet nicht nur dem Wehrleiter, sondern der gesamten Feuerwehr. Dabei ist es im Leben nun mal so: Man kann nicht alles haben, was man gerne hätte. Wer hat das schnellste, dickste, schönste Auto mit den meisten PS? Das sind Schulhof-Kategorien. Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land lebt unterhalb der Armutsgrenze. Sie muss mit Geld sparsam umgehen. Wenn überhaupt ein Kommandofahrzeug gebraucht wird, dann muss das günstigste auf dem Markt genügen. Viele Familien in unserer Gegend leben ebenfalls unterhalb der Armutsgrenze. Auch sie würden sich über eine nagelneue Mercedes-Familienkutsche freuen. Aber es reicht halt nur für einen gebrauchten Mazda Kombi. Die Staatsanwaltschaft klagt Homburgs Oberbürgermeister an. Sie lässt die Dienst- und Privaträume des Bürgermeisters durchsuchen. Seit anderthalb Jahren ermittelt sie zudem gegen den früheren Oberbürgermeister, weil sie ihn der Untreue, Unterschlagung und Vorteilsannahme verdächtigt. Klar ist: Bis zu möglichen Urteilen gilt die Unschuldsvermutung. Klar ist aber auch: Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dann ist das eine politische und moralische Katastrophe für Homburg. Spätestens dann muss in der Stadtpolitik ein radikaler Neuanfang erfolgen. In dem Fall wäre es am besten, wenn an die Stadtspitze Politiker treten würden, die von weit weg kommen und sich als Saubermänner oder Sauberfrauen erwiesen haben. Weder die Homburger CDU noch die Homburger SPD scheinen derzeit in der Lage zu sein, das Vertrauen der Bürgerschaft wiedergewinnen zu können.

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