Zweibrücken Die schlimmsten Holperstrecken
„Alle Taxifahrer kommen in den Himmel, denn die Hölle haben sie schon.“ Befragt man die Zweibrücker Taxifahrer, so identifizieren sie sich voll mit der zweiten Aussage dieses Spruchs. DIE RHEINPFALZ hat bei den Taxilenkern nachgefragt, wo sie sich auf Schleichfahrt begeben müssen.
Für Andreas Witt vom Taxi-Betrieb Witt kann so manche Zweibrücker Rüttelstraße – etwa die Rosengartenstraße – mit den Teststrecken der Autohersteller mithalten. „Auch die besten Autos sind kaputtbar“, sagt er. „Es gibt echte Autokiller.“ Die Stoßdämpfer unterlägen dort einem starken Verschleiß. Um gefährliche Situationen zu vermeiden und dem Gast die Taxifahrt nicht zur Tortur werden zu lassen, müsse man wegen der desolaten Straßen öfter in die Werkstatt. „Das kann schnell ins Geld gehen“, ärgert sich Witt. Jedes halbe Jahre müssten die Achsen der Autos vermessen und die Spurgestänge neu eingestellt werden. Der Taxifahrer: „Der Superteer, den man in Zweibrücken verwendet, hält nicht gut. Durch das ständige Flicken wird es noch schlimmer.“ Die alte B 10 nach Contwig sei schon eine Hausnummer, findet Andreas Schäfer, der für Witt fährt. Manche Kunden wollten über diese kaputte Straße gefahren werden, weil sie dadurch Geld sparen können. Besonders wenn sie in der Nähe des Contwiger Bahnhofs oder in Richtung Truppacherhof wohnen. Schlechte Noten vergibt Schäfer auch an die Römerstraße in Ixheim und die Vogelgesangstraße entlang des Hauptfriedhofs, „wo wohl noch nie etwas gemacht wurde“. Auf der sanierungsbedürftigen Kreisstraße von Wattweiler ins Saarland habe auch schon jeder Taxifahrer einschlägige Erfahrungen gesammelt. „Allen Kollegen macht es keinen Spaß, in Zweibrücken zu fahren“, schildert Manfred Schwarz von Funk-Taxi den Fahrer-Alltag. 200 bis 300 Kilometer legten sie in der Regel bei einer Schicht zurück. Man möchte nicht jeden Tag mit Rückenschmerzen nach Hause kommen. Im Vergleich mit Homburg und Pirmasens sei Zweibrücken am stärksten zerlöchert. „Es ist nicht damit getan, dass das Ordnungsamt Schilder aufstellt“, äußert er sich kritisch. Die Kilometerbeschränkungen seien eigentlich Armutszeugnisse. Ein Fahrgast aus Leipzig habe erzählt, dass dort alles neu gemacht sei. „Hat man euch hier vergessen?“, habe er spöttisch gemeint. Auch die internationalen Besucher von Terex fragten sich: „Wo sind wir da hingekommen?“ Ein Fahrgast habe neulich genervt wissen wollen, ob er betrunken sei, weil er den Schlaglöchern in der Dr.-Ehrensberger-Straße – entlang der Rennbahn – ausgewichen und im Zickzack gefahren sei. Am Outlet sei alles schön. Komme aber ein Fremder in die Stadt, so erhalte er einen sehr schlechten Eindruck. Schwarz: „Wenn man nichts macht, kommt auch kein Geld rein.“ Offenbar sähen die Mitarbeiter des Umwelt- und Servicebetriebs (UBZ) das ständige Flicken der Löcher selbst als sinnlos an. Anders könne er sich seine Beobachtung nicht erklären, wie ein UBZ-Arbeiter mit einem Wurstweck in der Hand drucklos auf den Teer gestoßen habe. Er habe sich wohl gesagt, in einer Woche fliegt das Zeug eh wieder raus. Jürgen Neu fährt für Gabriel am Bahnhof. Ohne lange überlegen zu müssen, sprudeln ihm ein paar marode Straßen aus dem Mund. Die Schlachthofstraße sei katastrophal. In der Langentalstraße müsse man extrem langsam fahren. Die Christoph-Knorr-Straße sei ein Flickenteppich. Und überhaupt: „Das ständige Aufreißen und Wiederzumachen der Straßen behindert das Autofahren ebenfalls.“ Irgendwo stoße man immer auf eine Baustelle. Auch außerhalb gebe es Buckel- und Lochpisten, so die Straße nach Großbundenbach im Auerbacher Tal. „Die Fahrgäste beschweren sich über die schlechten Straßen“, sagt Gabriel-Fahrer Oswin Schmitt. Die Schlaglöcher seien ein Dauerthema. Vorne an den Kreiseln mache man alles schön, hinten schaue man weg. Die Politiker möchten lieber prestigeträchtige Projekte statt schnöde Substanzerhaltung der versteckten Straßen. Damit meint er etwa alle Straßen am Etzelweg, besonders die Tilsitstraße. „Schade um die schöne Stadt“, würden Bekannte öfter zu ihm sagen. Der Taxichauffeur ist auch kein Freund von lautem und durchrüttelndem Kopfsteinpflaster. Daher findet er den Ackerweg in Niederauerbach und die Gymnasiumstraße „ganz schlimm“. Die Oberfläche der Steine könne bei Nässe recht glatt sein. Müsse man bremsen, bestehe erhöhte Gefahr. „Dort haben wir Verhältnisse wie nach dem Krieg“, ergänzt Taxigast und Kriegskind Gerhard Müller aus der Fasaneriestraße. „Am alten Finanzamt ist die Straße noch wie vor 70 Jahren.“ (urr)