Zweibrücken
Die resolute Pionierin der Kunstvermittlung
Bevor Monika Beck in einem Reihenhaus im Wohngebiet Sechsmorgen mit ihrem Mann Bernhard die Galerie Edition Monika Beck betrieb, hatte sie schon eine kleine Tour de Pfalz hinter sich. Die 1941 in Ludwigshafen geborene Tochter des CDU-Politikers Otto Eichenlaub wuchs in Hambach auf, machte in Neustadt Abitur, heiratete mit 19 ihren zwölf Jahren älteren Mann Bernhard, einen Lehrer, und hatte schon vier Kinder, als sie das in Angriff nahm, was ihr wichtig war: die Kunst. Das Wohnzimmer in Zweibrücken wurde zur „Galerie am Otterstein“, der Kleiderschrank verschwand zugunsten von Grafikschränken.
Alles war beengt, also machte die Autodidaktin, die so schon früh mit Wolf Vostell und Günter Grass in Kontakt kam, aus der Not eine Tugend. Von 1969 an organisierte sie Ausstellungen in Dependancen wie den Savoy-Hotels in Kaiserslautern und Frankfurt. Auch ihre ersten Kunstmappen, die sie 1969 auf der Art Basel und den Kunstmärkten von Köln und Düsseldorf präsentierte, wurden von der Zweibrücker Zimmergalerie aus organisiert. Dass sie so schnell Erfolg hatte, lag daran, dass sie von Anfang an auf die Druckgrafik setzte, auf die Mischung von Text und Grafik.
1969 organisierte die resolute Frau die Zweibrücker Literaturtage in der Fasanerie mit dem Schriftsteller Ludwig Harig, dem Philosophen Max Bense und dem Konzeptkünstler Timm Ulrich und lud 1970 zum ersten und bislang einzigen Bildhauersymposium in den Rosengarten. Einige der Objekte stehen heute noch da, die anderen kann man in dem Katalog „Plastik 70“ sehen und staunen, wer alles dabei war: Paul Schneider, Gernot Waldner, Maximilian Hutlett, Werner Bauer, Leo Kornbrust und andere Bildhauer, die jahrzehntelang zu den besten der Großregion zähl(t)en. All das stellte diese geniale Autodidaktin auf die Beine, die selbst nicht aus der Szene kam und nie Kunst studiert hatte.
Doch dazu braucht man Platz. Die Becks konnten relativ billig einen heruntergekommenen Hof im nahen Schwarzenacker kaufen, den Schwedenhof, den Jonas Erikson Sundahl 1702 im Auftrag des schwedischen Königs gebaut hatte. Die Becks restaurierten zuerst die Scheune und eröffneten dort 1971 die heute noch bestehende „Galerie Beck“ mit einer Ausstellung der Werke von August Clüsserath.
Monika Becks Galerie war immer auch Verlag. Bis 1976 hatte sie schon 100 Kunstmappen herausgebracht. Das sprach sich in der Branche herum. Und dass sie eine tüchtige Geschäftsfrau war: Sie entwickelte ein Kunstberatungskonzept für Sammler und für Firmen und bot als erste Galerie in Deutschland Kunst-Leasing an. Natürlich organisierte sie weiter Symposien, allein vier in Homburg, aber auch in anderen deutschen Städten.
Bald kannte jeder im Saarland und in der Pfalz die Frau mit dem markanten Kurzhaarschopf und den bunten Kleidern, die ebenso selbstsicher wie charmant auftrat, weil sie genau wusste, was sie wollte. Andere Galerien waren oft nicht gut auf sie zu sprechen, weil sie ihr den Erfolg neideten, der weit über die Grenzen des Landes hinausging. Dabei war sie alles andere als die branchentypische elitäre Kunstvermittlerin. Sie konnte auch mit einfachen Worten sagen, was Kunst ausmacht. Vor allem aber war sie beharrlich und ging stets neue Wege.
1990 gab die Mutter von inzwischen sechs Kindern die Galerieleitung an Sohn Mathias ab und wurde Abgeordnete im Landtag des Saarlandes (1990-1999), Ihre letzte Station war dann Berlin: Als Bevollmächtigte des Saarlandes beim Bund in Berlin und Staatssekretärin eröffnete und leitete sie die neu gebaute Saarlandvertretung. Nicht nur, dass in dem Haus bis heute immer Kunstwerke zu sehen sind - sie schaffte es, dass das Saarland als einziges Bundesland (bis heute) auch eine Galerie in Berlin unterhält, in der Künstler aus dem Saarland vorgestellt werden.
2005 ging sie in den Ruhestand und zurück nach Schwarzenacker, wo sie und ihr Mann neben der Galerie wohnten. Gelegentlich kam sie noch zu den Vernissagen in die Galerie, die heute noch die größte in der Region ist. Am Dienstag ist sie nach langer schwerer Krankheit gestorben.