zweibrücken
Die Kugelfanghütte macht mit
Unumstößlich war für Sascha Muth und Vanessa Piroth, dass sie ihre Kugelfanghütte am gestrigen Mittwoch öffnen. „Neues Lokal, neue Wege“, sagte Hüttenwirtin Piroth am. Hüttenbesitzer Sascha Muth hatte nach eigenen Worten „am Samstag Tränen in den Augen, als ich erfahren habe, dass wir die Außengastronomie öffnen dürfen“. Selbst wenn die Außengastronomie infolge steigender Infektionszahlen wieder schließen müsste: „Jeder Gast, der jetzt kommt, bedeutet Werbung und Umsatz.“
90 Außensitzplätze eröffnete er gestern um 11 Uhr, 50 davon waren am Dienstag bereits reserviert. Um die 20 Gäste hatte er am Mittwoch bei schönstem Sonnenschein schon um die Mittagszeit. 300 Reservierungen haben er und seine Aushilfen für die gesamte Woche von Mittwoch bis Sonntag bereits notiert.
Alle Gäste müssen entweder eine Bestätigung über einen negativen Coronatest in einem Testcenter mitbringen, der maximal 48 Stunden alt sein darf. Oder einen Selbsttest, dessen Ergebnis das Personal der Kugelfanghütte dann schriftlich bestätigt. „Wir stellen die Bescheinigung aus, wenn der Test unter unseren Augen gemacht wurde. Das haben wir heute Morgen mit dem Ordnungsamt abgeklärt“, erläutert Sascha Muth.
Geschlossen bleibt hingegen die Außenbewirtung im „Jonis“ am Hallplatz. Dies teilten die Betreiber via Facebook mit. „Wir wissen nicht, warum die Politik meint, dass man in der Gastronomie einfach mal so nach knapp fünf Monaten Lockdown wieder den Laden schmeißen kann, als ob nichts gewesen wäre. In der Gastronomie muss man planen: Bestellungen, Mitarbeiter ...“ . Den Mittagstisch zum Abholen will das Lokal weiterhin anbieten. „Sobald die Politik ihre sinnlosen Öffnungsperspektiven anpasst und wir wirtschaftlich sicher planen können ohne Angst haben zu müssen, dass nächste Woche wieder der nächste Lockdown droht“, werde man wieder öffnen.
Bereits am Sonntag hat Melanie Foltran einem Kunden ihres Eicafés La Perla am Hallplatz, das sie mit ihrem Ehemann Mirko betreibt, eine Absage erteilt. Sie sieht das so: „Da setzen sich dann die älteren Damen zu einem Kännchen Kaffee raus in die Sonne und ich muss sie fragen, ob sie einen negativen Covid-Test vorweisen können, weil ich sie sonst nicht bedienen darf. Das geht nicht, da wird die Kundschaft sauer.“ Kurzum: Das „La Perla“ verkauft Eis zum Mitnehmen, aber nicht zum Verzehr an Tischen. Hierzu hatte es der Stadtverwaltung vorgeschlagen, „dass wir ein paar Tische in entsprechendem Abstand bereitstellen, damit Gäste ihr Getränk oder ihren Eisbecher ohne Bedienung an einem Tisch verzehren dürfen, ohne dass dafür ein Negativ-Test nötig ist. Wenn die Tische weit genug auseinanderstehen, macht es keinen Unterschied, ob der Kaffee oder das Eis an einem bereitgestellten Tisch oder auf der nächsten Bank in der Fußgängerzone verzehrt wird.“
„Die handelnden Personen sind selbst Kunden“Am Montag beschied die Stadtverwaltung den Vorschlag negativ. Die Beigeordnete Christina Rauch habe ihr abends am Telefon mitgeteilt, „dass man leider keine Tische gestatten“ könne, so Melanie Foltran. Dies würde gegen die aktuelle Allgemeinverfügung des Landes verstoßen. Auch Foltrans Hinweis, dass sich die Kundschaft dann auf nichtdesinfizierte Bänke in der Fußgängerzone setze statt an desinfizierte Tische auf dem Hallplatz, half nicht. Wobei Foltran aber klar sagt: „Der Stadt mache ich keinen Vorwurf. Die handelnden Personen sind Kunden von uns und würden selbst auch gerne wieder Kaffee bei uns trinken oder Eis essen. Aber sie müssen halt umsetzen, was das Land vorgibt.“
Ganz geschlossen bleibt vorläufig die Außenbewirtung im Sportheim Mittelbach, das Pächterin Karin Fink am 20. Mai 2020 eröffnet hatte, also nach dem ersten Lockdown. Am Samstag kündigte sie noch an, ab Dienstag, 23. März zu öffnen. Als sie Näheres über die Auflagen erfuhr, blies sie just an diesem Tag wieder alles ab. Die Begründung: „Der Haken sind leider Auflagen, die schier unmöglich sind.“
Karin Fink bedauert: „Wenn man einkaufen geht muss man ja auch keinen negativen Test vorweisen.“ Außerdem: „Es ist abends kalt hier auf der Terrasse. Da setzt sich niemand hin, um ein Bier zu trinken oder eine Weinschorle“, sagt die Pächterin, die drei Mitarbeiter beschäftigt und die ihrer Meinung nach mangelnde Unterstützung aus der Politik kritisiert. Sie will allerdings das Angebot, dass Kunden Essen bestellen und abholen können, beibehalten.