Die Wochenend-Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Hallplatz-Galerie darf nicht vor die Hunde gehen

Nachmittags sieht es in der Hallplatz-Galerie eher trist aus. Das Foto entstand am Donnerstag. Am Freitagabend waren die Stühle
Nachmittags sieht es in der Hallplatz-Galerie eher trist aus. Das Foto entstand am Donnerstag. Am Freitagabend waren die Stühle nicht auf den Tischen.

Wer die Hallplatz-Galerie Richtung Parkhaus verlässt, sieht kurz vorm Ausgang links einen Raum mit Stühlen und 3D-Drucker. Über dem Eingang ein Schild: Visionarium – Ideen-Werkstatt und offener Hörsaal. Seit fünf Jahren nutzt die Zweibrücker Hochschule diesen Raum. Damit will der Campus auf dem Kreuzberg näher an die Innenstadt rücken. Eine richtig gute Idee, die mittlerweile leider eingeschlafen ist. Das W-Lan ist noch angeschaltet, aber man sieht dort niemanden mehr. An der Tür hängt ein Plakat für den Campuslauf im Mai 2022. Und unweigerlich kommt einem der Spruch in den Kopf: Wenn das das Visionarium ist, wie sieht dann der Rest der Stadt aus?

Dabei kann die Hallplatz-Galerie, die vergangenes Jahr 30 wurde, eine ganze Menge guter Ideen vertragen! Zwar erwecken die neuen Eigentümer aus Berlin den Eindruck, dass sie an der Galerie weit mehr Interesse haben als mancher Vorbesitzer, aber zügig voran kommen sie bisher auch nicht. Immerhin: In einem halben Jahr ist das Obergeschoss wieder vermietet. Aber ein Fitnessstudio und ein Billigladen sind jetzt auch nicht der große Wurf. Nicht auszudenken, wenn der Cap-Markt auch noch schließen müsste, weil einfach die Laufkundschaft fehlt. Davor warnen die Betreiber immer wieder, die zu viele Leerstände in der Galerie beklagen. Und Corona hat es ja auch nicht besser gemacht. Seitdem schließen Bäckerei, Kiosk und Imbiss schon am frühen Nachmittag. Aber die Hallplatz-Galerie darf nicht vor die Hunde gehen. Wie wichtig sie für die Leute ist, sieht man gerade am Morgen, wenn dort tatsächlich Leben herrscht.

Ein Magnet wie der Media Markt wird nicht kommen. Und die Stadt, die in der alten Hypovereinsbank neue Läden plant und das City Outlet zu einer Art Kultur-Begegnungstreff mit Bücherei machen möchte, hat bei der Hallplatz-Galerie wenig zu sagen. Bleibt zu hoffen, dass die Besitzer mit dem Ende der Corona-Krise schnell weitere Mieter finden. Gerne auch mit ausgefallenen Ideen und Visionen.

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