Zweibrücken
Die ganze Stadt wird zur Kunstgalerie
„Corona hat die Künstler in Zweibrücken sehr stark getroffen“, sagt Citymanagerin Petra Stricker, die früher mit ihrem Mann Gilbert Baier die Galerie Kuhof in Mörsbach betrieb. „,Zweibrücken kunstvoll’, das normalerweise in der Mitte des Jahres stattgefunden hätte, fällt aus. Da muss man einen Weg finden, der Kunst mit Abstand möglich macht. In einer Galerie oder einem Museum geht das nicht. So habe ich nach einer Synergie zwischen Kunst und Handel gesucht.“
Vom 24. Juli bis 29. August wird nun die Zweibrücker Innenstadt zu einer temporären Stadt-Galerie: 57 Künstlerinnen und Künstler, die aktuell nicht ausstellen können, machen mit. Viele Geschäfte übernehmen Patenschaften und zeigen die Arbeiten in ihren Schaufenstern. Außerhalb der Innenstadt beteiligen sich das Fashion Outlet und Möbel Martin an dieser Aktion.
Künstler angeschrieben
„Die Künstler haben mit viel Engagement auf mein Anschreiben reagiert“, berichtet Stricker. Sogar überregional haben sich Künstler gemeldet wie Ute Ringwald aus Bad Vilbel bei Frankfurt und die Karikaturistin Uschi Heusel aus Dietzenbach bei Offenbach. Aus Frankreich beteiligt sich der in Zweibrücken gut bekannte Maler Hermann Weis, aus Kaiserslautern kommt Carmen Wagner. Die meisten Künstler jedoch leben in Zweibrücken oder im benachbarten Saarland. Auch der Zweibrücker Sprayer Peter Schaumburger ist dabei. Er hat ein Spray recherchiert, das nur temporär auf dem Boden fixiert bleibt.
„Die Künstler haben wieder andere Künstler über diese Aktion informiert“, sagt Stricker. Und sie zeigen eine vielfältige Auswahl an Werken. „Skulptur, Zeichnung, Leinwand – die ganze Bandbreite der Kunst ist zu sehen. Und der Dialog mit den Künstlern macht so viel Spaß. Es ist auch ein emotionales Projekt, in dem viel Herzblut steckt.“
Schaufensterpaten
Stricker freut sich ebenfalls sehr über die positive Resonanz des Handels, denn parallel zur Kontaktaufnahme mit den Künstlern hat sie auch dort ihr Projekt vorgestellt. „Da bin ich durch die Innenstadt gegangen, hatte meine Schreibsachen dabei und hab' geschaut, wer Interesse hat, wo Leerstände sind. Und ich hatte einen Brief dabei, in dem ich das Projekt erklärt habe. Das konnte ein Filialist oder Angestellter dann an die Geschäftsleitung weitergeben.“
Die Akquisition der passenden Schaufensterpaten steuert sie jetzt zentral. „Das ist ein Rundumschlag zwischen allen Vereinen und Initiativen, jeder kann mitmachen.“ In einem Schaufenster sollen eine, zwei oder auch mehrere Arbeiten gezeigt werden. Aber darauf muss sich die Aktion nicht beschränken. „Wenn der Künstler mit dem Inhaber vereinbart, dass auch in den Räumen etwas hängt, ist das deren Sache“, stellt Stricker klar.
Anfangs Vorurteile
„Der Handel hat verhaltener reagiert als die Künstler, aber das Carthouse, das Fashion Outlet und Möbel Martin haben sich sehr schnell gemeldet. Das sind Satelliten, das heißt, unsere Aktion stößt auch außerhalb der Innenstadt auf großes Interesse.“
Stricker hat Informationen darüber gesammelt, wie sich die Folgen der Coronapandemie beim Handel niederschlagen. „Das Gesamtbild ist mutig und positiv. Das ist eine schwierige Zeit, da müssen wir gemeinsam durch, aber wir kriegen das hin, wir schaffen das“ – diese Grundstimmung hat sie festgestellt. „Natürlich haben die Geschäftspartner das Konzept erst einmal hinterfragt. Wie soll denn das gehen?“ Doch anfängliche Vorbehalte kann Stricker schnell beseitigen. „Ich bringe Sie zusammen und dann sind Sie so frei und individuell, wie Sie möchten“, das ist ihre Botschaft.
Eine Skulptur wird in eine Schaufensterdekoration integriert, die eigens für sie entworfen worden ist. In jedem Schaufenster wird ein Hinweis stehen, welcher Künstler hier ausstellt. Und vor jedes Ladengeschäft, in dem ein Künstler gastiert, wird Peter Schaumburger eine orangefarbene Rose aufsprühen.