Die Wochenend-Meinung
Die CDU führt die Wähler an der Nase herum, aber sie verkauft es wirklich gut
Die CDU hat gestern Abend etwas getan, was bisher in Zweibrücken und Umgebung unüblich war: Sie lässt Leute für den Stadtrat kandidieren, die schon jetzt sagen, dass sie ihre Sitze gar nicht annehmen werden. Die sie gar nicht annehmen können, ohne ihre Ämter in der Stadtspitze aufzugeben. Bürgermeister Christian Gauf und die Beigeordnete Christina Rauch sollen mit ihren Namen lediglich die Wähler anlocken und dafür sorgen, dass die CDU möglichst viele Stimmen bekommt und so möglichst viele Sitze holt.
Viele Wähler kennen das Wahlrecht gar nicht so genau
Das ist erlaubt. Es ist trotzdem die Wähler an der Nase herumgeführt. Viele wissen nicht, dass sie mit einem Kreuz bei Gauf und Rauch eben nicht diese beiden in der Stadtrat wählen, sondern jemanden auf der CDU-Liste, der ein weniger gutes Ergebnis einfährt. Und das Wahlrecht ist ja gerade so angelegt, dass man bewusst seine Favoriten wählen kann.
Die CDU verkauft diesen legitimen Kniff aber sehr selbstbewusst und sehr gut: Christina Rauch nennt die Wahl am 9. Juni „eine Richtungswahl“, bei der es darum gehe, „dass die demokratische Mitte Gesicht zeigt“. Der Landtagsabgeordnete Christoph Gensch sagt: „Wir sind eine Truppe, wir stehen für eine Politik.“ Mit einer Stimme für Gauf und Rauch unterstütze man auch deren Arbeit in der Stadtspitze. Da ist sogar was dran.
Was die CDU zu einer Zusammenarbeit mit der AfD sagt
Dass die kommende Wahl für die CDU so wichtig ist, hat einen weiteren Grund: Der neue Stadtrat wird in einigen Jahren auch den Bürgermeister – oder die Bürgermeisterin – wählen. Und den Beigeordneten, Mann oder Frau. Das heißt: Wenn Gauf und Rauch jetzt auf der Stadtratsliste stehen und für ein gutes CDU-Ergebnis sorgen, dann sichern sie dadurch ihre Chancen, selbst wiedergewählt zu werden. Gewinnt die CDU auch noch die Oberbürgermeisterwahl, stellt sie auf Jahre hinaus die komplette Stadtspitze. Auch das dürfte ein gewichtiger Grund sein, dass sie darauf erpicht ist, ein möglichst gutes Ergebnis einzufahren. Zumal sowohl Christoph Gensch als auch Fraktionssprecher Pascal Dahler am Freitagmittag im Gespräch mit der RHEINPFALZ ausgeschlossen haben, dass sie mit der AfD zusammenarbeiten werden und der AfD einen Beigeordneten versprechen, um den Bürgermeisterposten für die CDU zu sichern.
