Homburg Die Bigband der Polizei begeistert beim Musiksommer

Die beiden Sängerinnen Susanne Thewes (rechts) und Nadja Schilling sind die Stars des Konzerts.
Die beiden Sängerinnen Susanne Thewes (rechts) und Nadja Schilling sind die Stars des Konzerts.

Wie klingt es, wenn Spannung vertont wird? Die Bigband der Polizei des Saarlandes machte es vor. Beim ersten Musiksommer-Jazzfrühschoppen waren zwei Frauen die Stars.

Juhu, der Homburger Musiksommer ist wieder da! Das erste Jazzkonzert der Reihe, die noch bis September dauern wird, hat es in sich – und bietet alles, was man sich wünschen kann. Die Bigband der Polizei des Saarlandes spielte am Samstag auf dem Historischen Marktplatz.

Wenn die Bläser beim Stück „Black Orpheus“ erst gemächlich erklingen und dann plötzlich aufheulen, ist das großes Kino. Alles wird schneller, hemmungsloser. Der Klang verdichtet sich zu einem unberechenbaren Ding, das jederzeit explodieren kann. Als der große klangliche Knall kommt, verstummt die Bläsersektion, und ein Percussion-Solo bringt noch mehr Besucher auf dem Historischen Marktplatz zum Tanzen. Martin Schmitt, der das Orchester leitet und moderiert, hat das Stück „ein Feuerwerk der Bigband-Arrangierkunst“ genannt, und damit nicht zu viel versprochen.

Tanzen auf Brunnenstufen

Die Leute tanzen auf den Stufen des Brunnens inmitten des gut gefüllten Platzes, sie feiern sich, die Musik und das Leben, das um sie herum tobt. Endlich bringt der Musiksommer die Menschen wieder zusammen. Ein paar Besucher haben es sich rings um den Brunnen gemütlich gemacht – samt Campingstühlen und Sonnenschirmen, die auch im Nu hätten zu Regenschirmen umfunktioniert werden können. Aber das Wetter hält. Puh, Glück gehabt. Die Bühne ist zwar überdacht, Glück für die Instrumente. Die Besucher sind es aber nicht.

Nach dem tanzbaren, mitreißenden „Blues in Latin“ verlassen die rund 20 Musiker den Pfad der Bigband-Klänge. Als Sängerin Susanne Thewes nach vorne kommt, ahnt man: Jetzt kommt was Modernes. Bei „Breakaway“ transportiert Thewes„ Stimme viel Gefühl, aber auch Energie. Sie reißt die Leute mit und harmoniert gut mit der Bigband. Mal ist ihre Stimme umhüllt von warmen, weichen Klavierklängen, mal von sanfteren Trompeten.

Grenzenlose Energie

Auch die deutsche Version von „Oh, Champs-Élysées“ singt sie. Bevor es so weit ist, muss Schmitt erstmal die Noten suchen. „Das haben wir am Dienstag erst fertiggemacht. Die Tinte ist noch nicht trocken. Das ist so frisch, dass es noch nicht auf dem Notenständer ist“, scherzt er.

Die Bigband der Polizei des Saarlandes, die zum Auftakt des Homburger Musiksommers spielte, hat rund 20 Musiker in ihren Reihen.
Die Bigband der Polizei des Saarlandes, die zum Auftakt des Homburger Musiksommers spielte, hat rund 20 Musiker in ihren Reihen. .

Mit einer Suche hat auch ihr nächstes Stück zu tun: Die frühere Titelmelodie von der Fernsehserie „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ist griffiger und feuriger als das Original. Man spürt die Spannung über den Marktplatz kriechen. Die zweite Sängerin Nadja Schilling löst diese Spannung ganz schnell auf. In ihrer Stimme wabert der Soul. Bei Songs wie „Superstition“ oder „Uptown Funk“ feuert sie die Töne raus, dass es kracht. Ihre Energie scheint grenzenlos – sie schreit und röhrt, ihre Stimme ist wie gemacht für soulige Nummern.

Vielseitige Bigband

Pop, Jazz, Latin, Soul, Filmmusik, Tanznummern – die Bigband kann alles. Sie ist vielseitig, technisch einwandfrei, leidenschaftlich – aber nie langweilig. Die Musiker zeigen: Eine Bigband, das sind bei weitem nicht nur Posaunen, Trompeten oder Saxofone. Das war vielleicht vor zehn, 20 Jahren noch so. Heute muss eine Bigband mehr können. Das weiß auch Raimund Konrad, der Kulturbeigeordnete und Organisator der Jazz-Hälfte des Musiksommers. Drum lädt er nur Künstler ein, die er selbst live gehört hat oder die er kennt. Er weiß: Die Leute wollen Qualität. Dass so ein Mittag funktioniert, liegt auch an den Zuhörern, denn sie machen die Konzerte erst zu dem, was sie sind. Tolle Open-Air-Darbietungen mit Festival-Atmosphäre.

Einen Sonderapplaus gibt’s für einen Besucher, der laut Schmitt seit 50 Jahren in Texas lebt, aber am Samstag wieder in seine Heimat Homburg gekommen ist. Den Applaus haben sich auch die Sängerinnen verdient. Mit ihrer Präsenz nehmen sie den Marktplatz ein; mit ihren Stimmen veredeln sie die Lieder.

Dreieinhalb Stunden gespielt

Der Höhepunkt des Konzerts ist die Zugabe. Bei „Viva la Vida“ von Coldplay verschmelzen die Stimmen im Refrain zum Duett. Das Lied sei der Wunsch der Abschlussprüflinge gewesen, denn die Bigband spielt auch bei deren Zeugnisausgaben. Das Lied ist träumerisch und mitreißend zugleich.

Dass die Samstagskonzerte jetzt schon eine halbe Stunde früher anfangen, lohnt sich für die Besucher doppelt. Denn weder sie noch die Musiker scheinen sich an die neuen Zeiten gewöhnt zu haben. Und so spielen sie bis kurz vor zwei, also fast dreieinhalb Stunden. Bei diesem Konzert dürfte sich darüber aber niemand beschweren.

x