Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Alex“ und ganz schön viel Testosteron in Rieschweiler

Mit dieser Truppe geht Rieschweilers Trainerin Alexandra Papke (vorne Mitte) die neue Saison an (vorne von links): Nico Maier, J
Mit dieser Truppe geht Rieschweilers Trainerin Alexandra Papke (vorne Mitte) die neue Saison an (vorne von links): Nico Maier, Joshua Nickola, Papke, Luca Paque und Kelvin Guth sowie (Mitte von links) Co-Trainer Pascal Frank, Yannick Trautwein, Janne Zimmer, Lucas Einfalt, Tim Juner, Niklas Lelle, Noah Hock, Ruben Huber und Torwart-Coach Holger Flickinger (TW-Trainer) und (hinten von links) Kim Schöpp, Marc Raquet, Raphael Alt, Yannick Klein, Aaron Flickinger und Niklas Lohr. Auf dem Foto fehlen Felix Lenhart, Lucca Haas, Marvin Gustedt, Lukas Enkler, Lukas Schön und Tim Bauer.

Drei Jahre lang hatte die SG Rieschweiler gar keine A-Jugend mehr. Und dann waren es plötzlich sogar zwei U19-Teams, die um Punkte spielten. Gleich im ersten Jahr gelang der Aufstieg in die Landesliga, wo das Team seine „Reifeprüfung“ mit einem tollen vierten Platz ablegte. Jetzt ist die SGR-U19 die einzige aus dem alten Fußballkreis Zweibrücken, die noch in dieser Liga spielt.

Das Team hat mit Alexandra Papke zudem die erste und bisher einzige Frau als Trainerin einer A-Jugend im Kreis. Und Papke ist immerhin Deutsche Vize-Meisterin im Ü35-Frauenfußball. Titelträger wurde da – natürlich – der FC Bayern München.

Testspielergebnisse „zu glatt“

Die Vorbereitungsspiele mit dem 23 Spieler starken Kader, bei dem mit Ausnahme der vier Neuzugänge Tim Juner, Niklas Lelle, Nico Maier (alle JSG Trippstadt/Hermersberg) und Keeper Lucca Haas (FK Pirmasens) alle Kicker aus der eigenen Nachwuchsarbeit kommen, verliefen glatt. „Zu glatt“, spürt die 44-jährige Trainerin aus Dellfeld schon eine gewisse Euphorie und „ganz viel Testosteron“. Gegen die Landesliga-B-Junioren der SGR gab es einen 5:2-Erfolg, gegen die U19-Teams von Rodalben (2:0) und den saarländischen Verbandsligisten Limbach (2:1) folgten weitere Siege.

Als dann Marvin Gustedt auch noch zum 1:0-Siegtreffer gegen die eigene zweite Herrenmannschaft traf – „Oh weh“, musste Papke da dämpfend eingreifen. „Aber es hat uns natürlich auch dazu verholfen, dass die Jungs die sechs Wochen Vorbereitung total engagiert durchgezogen haben und jetzt unglaublich fit sind. Gut war auch, dass so gut wie keiner in Urlaub gefahren war. Alles hat hundertprozentig gepasst“, erzählt die Trainerin, die von ihren Jungs nur „die Alex“ genannt wird.

Dann kam das 0:4 im Verbandspokal gegen den eine Liga höher in der Verbandsliga spielenden SC Hauenstein. „Das war so verkehrt nicht. Es hat uns zum rechten Zeitpunkt wieder geerdet“, findet Papke, dass das vor dem Saisonstart heute (18.30 Uhr) zu Hause gegen die JSG Winnweiler/Morlautern, ein heilsamer Dämpfer war. Alexandra Papke, der mit Pascal Frank ein Co-Trainer und mit Holger Flickinger ein Torwarttrainer zur Seite stehen, will mit ihrer U19 nach Abschluss der Vorrunde unter den ersten sieben Teams landen. Denn die spielen als die Besten eine Meisterschaftsrunde.

Da wo die Inhaberin der B-Lizenzunterwegs ist, die es ihr erlaubt Herren bis zur Oberliga und Frauen bis zur Regionalliga zu trainieren, ist auch der Spaß nicht weit. Wie bei der Kanu-Tour auf der Lahn beim letzten Saisonabschluss der A-Junioren. „Da ist ausgerechnet unser einziger Nichtschwimmer als Erster gewassert“, erzählt sie lachend. Der Versuch, eine Kehrtwende mit dem Boot hinzulegen, sei für alle Insassen „voll in die Hose gegangen“. Dank Schwimmweste und eines seichten Flussgewässers war aber nur Gelächter aller Beteiligten die Folge.

Papke hospitiert in Elversberg

Als Spielerin holte Papke mit der Ü35 des saarländischen SV Dirmingen im Jahr 2015 die deutsche Meisterschaft. 2017 landete das Team, das aus zahlreichen ehemaligen Regionalliga-Spielerinnen besteht, auf Platz drei, und 2019 war nur der FC Bayern München bei der deutschen Meisterschaft besser. „So dankbar ich bin, dass mir die SG Rieschweiler die Chance gab, als Frau männliche Jugendmannschaften zu trainieren, so dankbar bin ich auch, dass ich im Nachwuchsleistungszentrum in Elversberg hospitieren darf“, erzählt Papke. In etwa drei Jahren könne sie sich durchaus vorstellen, auch männliche Jugendteams in höheren Ligen zu trainieren.

Das Engagement als Trainer ist für sie nach Beendigung der Spielerkarriere von viel Leidenschaft geprägt. „Mein Traum wäre, dass ein Verein den Mut hat, einer Frau als Trainerin von Männermannschaften das Vertrauen zu schenken“, weiß Papke natürlich, dass der Fußballsport noch eine Männerdomäne ist. Vorerst.

Kader

Tor: Lucca Haas, Yannick Trautwein

Abwehr: Noah Hock, Lukas Enkler, Ruben Huber, Tim Juner, Janne Zimmer

Mittelfeld: Raphael Alt, Gustedt, Yannik Klein, Felix Lenhart, Lohr, Marc Raquet, Kim Schöpp, Tim Bauer, Niklas Lelle, Nico Maier, Joshua Nikola, Aaron Flickinger

Angriff: Lucas Einfalt, Kelvin Guth, Luca Paque, Lukas Schön.

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