Handball
Die überragende Abwehrarbeit der SG Zweibrücken
Erste Akzente im Spiel gegen den bisherigen Tabellenvierten, die HSG Rhein-Nahe Bingen, setzte – wie schon vor Wochenfrist – Damian Zajac im Tor der SG Zweibrücken. „Eine überragende Abwehrarbeit mit einem tollen Damian hintendran“, lobte SG-Trainer Martin Schwarzwald die am Samstagabend vom Anpfiff weg hellwache Leistung seiner Defensive. Obwohl der verletzte Abwehrchef Tom Grieser auf der Tribüne saß. „Deshalb war das für mich schon ein besonderes Spiel. Ich musste sehen, wie wir damit in der Abwehr klar kommen“, resümierte Schwarzwald, der in der Anfangsphase die umformierte SG-Abwehr, die schnell auf den Beinen war, von der Seitenlinie lautstark dirigierte.
Weil auch Bingens Defensive zupackte, war es zunächst ein torarmes Spiel. 4:4 stand es nach 15 Minuten. Sechs starke Paraden standen zu diesem Zeitpunkt schon auf Zajacs Habenseite. Die Mannschaft sei bis zu diesem Zeitpunkt auch im Angriff in die Situationen gekommen, „in die wir kommen wollten“, sagte Schwarzwald. Über die starke Defensivleistung habe sich sein Team dann die Sicherheit für das Angriffsspiel geholt. Der mit sieben Toren erfolgreichste Zweibrücker Werfer, Stephan Jahn, traf zum 5:4, Tim Eisel in den Winkel zum 6:4. Die wie die Zweibrücker von Verletzungspech begleiteten Binger – unter anderem mussten sie auf Top-Spieler Vincent Klug verzichten – nahmen die Auszeit. Den SG-Express, der sich nun auf Betriebstemperatur gebracht hatte, konnten sie nicht mehr stoppen.
Graebers besonderes Tor
Nico Graeber von Linksaußen, Nils Wöschler - einmal mehr auch sicherer Siebenmeterschütze inklusive Heber – in dieser Phase per Schlagwurf, Stephan Jahn, der gleichfalls den Torwinkel vermaß, und erneut Nico Graeber bauten die Führung auf 10:4 aus. Vor dem zehnten SG-Tor hielten alle in der mit über 500 Zuschauern wieder stimmungsvollen Halle kurz die Luft an. Gegen die in dieser Phase in Unterzahl spielenden Binger hatte die SG-Abwehr den Ball gewonnen. Graeber lief Richtung Mittellinie und warf von der linken Position aufs leere Gästetor. „Ich habe ein bisschen gezittert“, bekannte der Linksaußen lachend nach dem Abpfiff. Der Ball war zunächst sehr gerade unterwegs, schien am Binger Tor vorbeizugehen. Aber Graeber hatte ihm doch den entscheidenden Drall mitgegeben. Knapp neben dem Pfosten landete der Ball im Binger Tor. Es folgten ein Fingerzeig Graebers in Richtung SG-Bank und ein „Gut, Nico“ vom Trainer für die erfolgreiche Aktion.
Zweibrücken war „im Flow“. Ein junger Spieler verdiente sich nun Bestnoten. Kreisläufer Julian Weber, nach Griesers Ausfall künftig stärker gefordert, nutzte einen weiteren Ballgewinn, um ins leere Binger Tor zum 11:4 für Zweibrücken einzunetzen. Das erste Regionalligator des 17-Jährigen war ein sogenanntes Empty Goal. „Ja, es war schon Thema in der Mannschaft, dass ich noch nicht getroffen habe“, verriet Weber. Erstes Tor, das bedeutet: eine Kiste Getränke für die Mannschaft. „Die zahle ich gerne“, sagte der Kreisläufer, der noch A-Jugend spielt, dort am Kreis und im Rückraum zu Hause ist. Zumal es Weber nicht bei diesem Treffer beließ. Der Schüler aus St. Ingbert ließ seinem Premierentreffer seine Regionalligatore Nummer zwei bis vier folgen.
Von allen Positionen gefährlich
Bingen fand von der 16. bis zur 30. Minute kein Mittel, um die Zweibrücker in Verlegenheit zu bringen. Die SG dominierte, war von allen Positionen torgefährlich und ging mit einer verdienten 17:8-Führung – Sekunden vor dem Abpfiff hatte Rechtsaußen Nico Becker getroffen – in die Pause.
Die Partie war entschieden, Das hatte zur Folge, dass die Konzentration im zweiten Spielabschnitt nicht mehr maximal war. Schwarzwald gab allen Spielern Spielanteile, verschaffte jenen, die über die gesamte Saison stark gefordert sind, Verschnaufpausen. Das hemmte den Spielfluss etwas. „Nehme ich auf meine Kappe“, sagte Schwarzwald, da mache er der Mannschaft keinen Vorwurf. Was ihm aber nicht gefallen habe, „dass wir zu viele einfache Zweikampfverluste hatten, die sofort mit einem Gegentor endeten“, bemängelte er. Das ermöglichte Bingen Ergebniskosmetik zu betreiben, den Rückstand in der Schlussphase auf sechs Tore zu verkürzte (Endstand: 29:23). Das müsse sich bei jedem Spieler einbrennen, setzt Schwarzwald auf einen Lerneffekt aus dieser Situation. Über die Zweikämpfe „holen wir uns die Sicherheit, kommen wir ins Tempospiel“, verwies er auf die Stärke des ungeschlagenen Spitzenreiters.