Zweibrücken Deshalb sehen Imker jünger aus als Kegelbrüder

Matthias Sonntag und Michael Kiefer (v.l.). vom Imkerverein Zweibrücken geben einen Einblick in die Honigproduktion ihrer geflüg
Matthias Sonntag und Michael Kiefer (v.l.). vom Imkerverein Zweibrücken geben einen Einblick in die Honigproduktion ihrer geflügelten Lieblinge.

Bienen sind friedliche Tiere. Aber wenn sie miese Laune haben, wollen sie ihre Ruhe haben. Warum Imker das Klima schützen und manchmal ein Feuerzeug brauchen.

„Piksen Sie da ruhig mal rein“, sagt Michael Kiefer. Der Vorsitzende des Zweibrücker Imkervereins hält einen Holzrahmen voller Waben, auf dem Hunderte emsige Bienen umherwuseln. In den sechseckigen kleinen Zellen verbirgt sich der Honig, den die Bienen dort eingelagert und außen mit einer Wachsschicht versiegelt haben. In dieses Wachs soll der Besucher jetzt den Finger stecken? „Nur Mut“, beruhigt der IT-Fachmann aus Battweiler. Schon klebt eine Portion herbsüßen Honigs an der Fingerkuppe und lässt sich abschlecken. „Hmm, da steckt das Aroma der Lindenblüte mit drin“, weiß der Vorsitzende. „Sowas machen wir gern mit Gästen. Etwa wenn Schulklassen zu Besuch kommen oder jetzt am Wochenende, beim Tag der Deutschen Imkerei.“

Wer den Imkerverein für Zweibrücken und Umgebung besuchen möchte, muss genau hinschauen, ehe er das eingezäunte Gelände am Waldrand nahe der Fasanerie, hinterm Wildrosengarten, entdeckt. Am Samstag und Sonntag wird der Verein den Zugang zur Anlage aber mit Schildern gut kenntlich machen.

Verantwortung für 50.000 Lebewesen

Der Verein, dessen Geschichte bis ins Jahr 1862 zurückreicht, zählt heute 121 Mitglieder. Die kommen auch aus der Westpfalz bis rüber nach Kaiserslautern. Und der stellvertretende Vorsitzende Matthias Sonntag wohnt im französischen Loutzviller bei Bitsch.

Aufschrift am Vereinsheim. „Der Bien“? Ein einzelnes Exemplar dieser Tierart heißt Biene. In ihrer Gesamtheit werden sie in Imke
Aufschrift am Vereinsheim. »Der Bien«? Ein einzelnes Exemplar dieser Tierart heißt Biene. In ihrer Gesamtheit werden sie in Imkerkreisen »der Bien« genannt.

Zum Bienenfreund wurde Matthias Kiefer 2013, als ein Bekannter ihn zum Verein auf einen Probe-Imkerkurs mitnahm, der mehr als ein Jahr dauerte. „Die Kurse sind deshalb so lang, weil einem dort erst klar wird, wie zeitaufwendig das Hobby ist“, sagt der Vorsitzende. „Es ist nämlich nicht damit getan, sich einen Bienenstock in den Garten zu stellen. Für die Pflege muss man einen Zeitplan aufstellen und auch seinen Jahresurlaub nach den Tieren richten. Etwa nach der Schleuder- und der Schwarmzeit.“ Große Verantwortung halse man sich für so ein Volk aus 30.000 bis 50.000 Bienen auf. „Wenn du dich nicht genug kümmerst, gehen sie ein. Oder es entstehen Krankheiten, die sich dann in der Umgebung verbreiten“, gibt Matthias Sonntag zu bedenken. Mancher Interessent springt nach einiger Zeit vom Probekurs wieder ab, weil ihm der Aufwand doch zu groß ist.

Kleine Honigkunde

Beim Imkerfest am Wochenende „kann man uns beim Honigschleudern zuschauen und frischen Honig kaufen“, hofft Matthias Sonntag, dass ihn hinterher „keiner mehr schon im März oder April fragt, ob dieser Honig hier von diesem Jahr stammt“. Besucher erfahren, dass die süße Leckerei keineswegs schlecht ist, wenn sie angefangen hat, auf natürliche Weise zu kristallisieren. Michael Kiefer erklärt, warum „Honig aus EU-Ländern“, wie man ihn im Supermarktregal findet, etwas ganz anderes ist als das Vereinserzeugnis frisch aus der Schleuder. „In vielen Ländern wird der Honig unreif geerntet, wenn noch gar nicht alle gesunden Enzyme drin sind.“ Manches Konsumprodukt werde mit Sirup oder Zucker gesüßt, künstlich werde Wasser entzogen. „Honig ist eines der meistgefälschten Lebensmittel auf der Welt“, sagt Matthias Sonntag.

Fleißige Bienchen.
Fleißige Bienchen.

„Der echte, naturreine Sommerhonig vom Imker“, ergänzt der Vorsitzende Michael Kiefer, „schmeckt jedes Jahr ein bisschen anders. Im Gegensatz zu den großen Marken. Dort wird immer eine Mischung aus verschiedenen Sorten gemacht, damit das Produkt immer denselben Geschmack hat.“

Wenn Bienen mal mies gelaunt sind

„Ist es extrem schwül oder kündigt sich ein Gewitter an, sollte man lieber nicht zu den Bienen gehen“, warnt Sonntag, dass die Insekten dann besonders angespannt und gereizt seien. „Oder wenn der Imker selbst gestresst ist. Die Bienen spüren das. Die miese Stimmung überträgt sich auf sie.“

Meist sei es aber kein Problem, sich ohne Schleiernetz den Bienen zu nähern, betont Matthias Sonntag. „Die sind friedlich. Natürlich stechen sie mal ab und zu. Aber jeder Stich hilft dem menschlichen Körper beim Immun-Aufbau. Allergische Reaktionen gehen zurück, man wird widerstandsfähiger. Vergleichen Sie mal die Leute aus einem Kegelclub mit Gleichaltrigen vom Imkerverein. Die Imker sehen garantiert jünger aus.“

Weißer Rauch über dem Bienenvolk

Und hätten einen anderen Blick auf ihre Umwelt. Michael Kiefer: „Man guckt ständig, wie stark die Sonne brennt, ob es mal wieder regnet, was jetzt gerade blüht und was nicht. Die Bienen sind auf Blüten angewiesen. Klar, was man dann von Schottervorgärten hält. Und dass Imker mit ihrer Tätigkeit automatisch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Am besten, man setzt zuhause auf einheimische Blühpflanzen.“

In der metallenen Kanne im Vordergrund fängt’s an zu rauchen.
In der metallenen Kanne im Vordergrund fängt’s an zu rauchen.

Jetzt zückt der Vorsitzende sein Feuerzeug. Und entzündet eine metallene Kanne. Im Schutz des weißen Rauchs, der dem Gefäß entströmt, nähert er sich dem Bienenstock. Michael Kiefer: „Die Bienen riechen den Rauch. Das sagt ihnen, das irgendwo Feuer brennt. Sie machen sich bereit zur Flucht und packen sich für unterwegs mit Honig voll. Dann stechen sie weniger und man kann ihnen beruhigt näherkommen.“

Imkerfest

Am Samstag, 1. Juli, öffnet der Imkerverein Zweibrücken und Umgebung ab 14 Uhr seinen Lehrbienenstand zum Tag der Deutschen Imkerei. Mit schützender Imkerausstattung dürfen Kinder den Bienen ganz nah kommen. Beim Honigschleudern ab 15 Uhr kann vor Ort frischer Honig gekostet und gekauft werden. Am Sonntag, 11 bis 18 Uhr, folgt das Imkerfest. Der Nabu Zweibrücken beteiligt sich mit einem Familien- und Kinderprogramm und stellt Behausungen für Wildbienen vor. An beiden Tagen werden Kuchen, Gegrilltes und Frühlingsbraten mit Honigsoße angeboten.

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