Zweibrücken Der Weihnachtsmann für Krankenhäuser
Luis de Andrade wurde in Portugal geboren, ist aber Amerikaner. Im Alter von 19 Jahren kam er als Soldat nach Ramstein. Er ist seitdem, bis auf ein Jahr, in Deutschland geblieben. In verschiedenen bedeutenden Funktionen hat de Andrade für die Amerikaner gearbeitet. Sein 45 Jahre überdauerndes Wissen über das Leben und Wirken der Amerikaner hier ist eine Schatzkiste für Fernsehsender. Nun wirkt der Zweibrücker in einem Film der ARD mit.
Ein beschauliches Rentnerleben führt Luis de Andrade nicht gerade. Der 66-Jährige leitet ehrenamtlich ein Büro auf der Airbase in Ramstein. Es kümmert sich um Militärangehörige in Rente, die ihren Lebensabend in Deutschland verbringen. „Das sind rund 3500 in der Umgebung – von Kaiserslautern bis Heidelberg.“ Unterstützt wird er dabei von seiner Gattin Heike. Gemeinsam veranstaltet das Paar Seminare, bietet Schulungen an oder begleitet Rentner der Luftwaffe bei Angelegenheiten des täglichen Lebens. „Es ist erschreckend, wie wenig sie teilweise über ihre Rechte wissen. Manche leben, so wie ich, mehr als 40 Jahre hier. Viele sprechen trotzdem kein Deutsch“, weiß Luis de Andrade. Gerade erwartet er ein Kamerateam. Die gebürtige Saarländerin Anne Worst arbeitet aus Berlin als Freie Regisseurin. Sie dreht gerade eine Folge der ARD-Dokumentationsreihe „Geheimnisvolle Orte“. Ausgestrahlt wird das 45-minütige Doku-Format in der Regel an späten Montagabenden, jeweils nach den Tagesthemen. Die für den 13. August vorgesehene Folge hat Ramstein zum Thema. De Andrade wird dabei einer der wichtigsten Gesprächspartner auf amerikanischer Seite sein. „Der beste aller Gründe“ hat den heutigen Rosenstädter einst an Zweibrücken gebunden. Seine Frau und er haben sich am 16. April 1972 kennen gelernt. „Ich weiß das ganz genau.“ Nur ein Ehejahr hat das Paar in Amerika – in Massachusetts – gelebt. „Ich habe von meinen 26 Jahren Dienst in der Luftwaffe nur eineinhalb Jahre nicht in Deutschland verbracht. Das passiert sehr selten. Danach war ich 17 Jahre als Beamter in Pirmasens.“ In seiner beruflichen Laufbahn war de Andrade mit vielen verantwortungsvollen Aufgaben rund um die amerikanische Basis in Ramstein betraut. Bevor er dort arbeitete, kam er aber nach Zweibrücken. „1972 direkt aus der Schule hierher ins Personalbüro.“ Mit der Versetzung nach Ramstein war de Andrade in die Kriegsplanvorbereitung eingebunden. Für Reforger war er im Planungsstab. Reforger ist die Abkürzung für „Return of Forces to Germany“; also die Rückkehr des amerikanischen Militärs in Streitkräftegröße im Falle eines Krieges gegen Russland. Danach wurde er Ermittler in Angelegenheiten, die in der Bundeswehr dem Wehrbeauftragten zugeordnet sind. „Da ging es um ein großes Aufgabengebiet, von Vorwürfen der sexuellen Belästigung bis hin zu Materialverschwendung.“ Seine schönste Zeit im Berufsleben verbrachte der Zweibrücker als Zivilist und Leiter eines Büros für humanitäre Hilfe in Pirmasens. Es war Bestandteil des Versorgungszentrums für alle amerikanischen Krankenhäuser in Europa und sitzt immer noch in Pirmasens. „Ich habe ab da für das Außenministerium gearbeitet, das war ein Wahnsinnserlebnis. Wir haben Krankenhäuser in zwölf Staaten der ehemaligen unabhängigen Sowjetunion unterstützt. Wir haben ihnen zu besserem medizinischen Standard verholfen. In den 17 Jahren, die ich dort verbracht habe, haben wir fünf bis sechs Milliarden Dollar ausgegeben. Wir haben mit einem Team von Ärzten, das mir unterstellt war, alles in diese Krankenhäuser gebracht, was nötig war, von Töpfen bis hin zu Röntgenzimmern. Ich war 17 Jahre der Weihnachtsmann für die Krankenhäuser. Sie hätten die Gesichter der Ärzte und Krankenschwestern sehen müssen, als wir da mit bis zu 120 Containern ankamen. Manche haben geweint.“ Doch wie sprach sich das bis zur ARD rum? De Andrade erzählt, dass die RHEINPFALZ über seine Weihnachtsstadt berichtete, die er Zuhause aufbaut. Sie besteht aus 160 Häusern und hunderten Figuren. Über die „North Pole Village“, also die Stadt am Nordpol, berichtete in der Folge auch das SWR-Fernsehen. Der Sender lud de Andrade und seine Gattin als Gesprächspartner zur Sendung „Kaffee oder Tee?“ ein. Dabei stellte sich heraus, dass de Andrade mehr als 45 Jahre beruflich mit der Airbase in Ramstein verbunden war. Danach bat man ihn um Mithilfe bei einer SWR-Dokumentation der dritten Fernsehprogramme über die Geschichte des Flughafens in Ramstein. Und so kam das eine zum anderen.