Zweibrücken „Der liebe Gott hat sich was dabei gedacht“
An Weihnachten ist bei ziemlich jeder Familie stets viel los. Die Feiertage müssen mit Verwandten abgestimmt werden, das Essen geplant und alles unter einen Hut gebracht werden. Als wäre dies allein nicht schon genug, so haben einige Zweibrücker an Heiligabend auch noch Geburtstag. Die RHEINPFALZ wollte wissen: Wie verbringen diese Personen Geburtstag und Weihnachten? Und ist es Freud oder Leid, am 24. Dezember geboren zu sein?
Der Zweibrücker Walther Theisohn, der die Herzog-Christian-Musikschule leitet, feierte am 24. Dezember nicht nur irgendeinen Geburtstag – es war sogar ein runder. „Dieses Jahr wurde ich 50. Wir feierten vom 23. auf den 24. Dezember rein“, erzählt Theisohn. Generell komme sein Geburtstag aber meistens etwas zu kurz. „Es gab auch ein paar Jahre, da haben wir gar nicht gefeiert – beziehungsweise nur im engsten Familienkreis.“ Kurz vor Heiligabend erzählt Theisohn auch ein paar Anekdoten: Seinen 40. Geburtstag wollte er an seinem Namenstag feiern. „Der fiel aber damals auf einen Ostersonntag.“ Wenn man am 24. Dezember Geburtstag hat, liegt der Hang zum Improvisieren und Hintertürchen-suchen natürlich besonders nah. Auch royale Tricks werden da angewendet. „Ich wollte es auch mal so wie die Queen machen: einfach den Geburtstag halbieren. Das ist bei mir dann der 12. Juni. Da ist aber meine jüngste Tochter geboren worden“, sagt Walther Theisohn und lacht. Mittlerweile habe er sich mit dem doppelten Freudentag aber arrangiert. An Heiligabend gibt’s im Hause Theisohn ein Frühstück mit der Familie und ein Weihnachtsessen. „Am 25. ist das eigentlich genauso.“ Auch in die Kirche geht die Familie an Heiligabend. Mal gehen sie in die Heilig-Kreuz-Kirche, mal wechseln sie ab. „Wir sind früher, als die Kinder noch klein waren, das ganze Jahr über viel öfter in die Kirche gegangen. Mittlerweile hat sich das ziemlich ausgedünnt.“ So dramatisch, sich den eigenen Geburtstag mit dem Christkind teilen zu müssen, sei es letztlich nicht. „Man kann sich ja nicht aussuchen, wann man geboren wird“, sagt Theisohn. Die Pfarrerin Elisabeth Brach, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem Pfarrer Tilo Brach, für die Kirchengemeinden Winterbach, Oberauerbach und Battweiler zuständig ist, trennt ihren Geburtstag ganz strikt von Heiligabend. „Meine Familie und ich feiern meinen Geburtstag bis zu Beginn des ersten Gottesdienstes – bis dahin ist Geburtstag“, berichtet die 58-Jährige. Jedes Jahr gibt es einen Nachmittagsgottesdienst, der sich auch an die Kinder richtet. Sie führen meist ein Krippenspiel auf. „Dann beginnt ganz klar Heiligabend“, zieht Brach eine deutliche Grenze. Familie Brach hat früher in Speyer gewohnt. „Vor 22 Jahren sind mein Mann und ich nach Winterbach gekommen.“ Die Idee zum Geburtstag mit der Familie hatte ihr Vater: „Er hat die Sitte eingeführt – weil am 24. vormittags alle Cafés geöffnet haben –, dass die Familie in ein Café einkehrt. Das war das einzige Mal, wo die ganze Familie im Jahr zusammen war. Vorher sind wir dann noch in die Stadt gegangen.“ Auch dieses Jahr hatte Elisabeth Brach im Zweibrücker Schlosscafé reserviert. „Man kann Heiligabend ja nicht verschieben. Es ist aber sehr schön, dass mir sehr viele Leute am Ausgang nach dem Gottesdienst gratulieren“, freut sich die Pfarrerin. Auch früher hatte der Geburtstag durchaus seine Vorzüge: Zwischen den Tagen, meist am 27. Dezember, hatte Brach Freunde eingeladen. „Da mussten wir keine Schularbeiten machen und hatten Zeit.“ Für Elisabeth Brach ist es eher ein Geschenk, am 24. Dezember Geburtstag zu haben. „Der liebe Gott hat sich schon was dabei gedacht“, meint sie. „Ich kenne so viele Leute, die sich darüber beschweren, aber dafür sehe ich keinen Grund.“ Auch bei den Geschenken gibt es die doppelte Menge – oder eben ein größeres Geschenk. „Früher habe ich einen Sekretär bekommen. Dieses Jahr bekam ich eine Spülmaschine.“ Auch wenn die Enkel ein paar Tage nach Weihnachten vorbeischauen, freut sich das Pfarrer-Ehepaar sehr. Ihre älteste Tochter, Dorothea Maria Tromp, hat am selben Tag Geburtstag wie ihre Mutter. Sie wird an Heiligabend 34, hat zwei Kinder und ist verheiratet. „Sie ist Religionslehrerin und wohnt in Landau“, erzählt Elisabeth Brach. Nicht nur bei den Geburtstagen kann man familiäre Parallelen erkennen. Die beiden haben sich mit ihrem Geburtstag arrangiert. Weder Heiligabend, noch den eigenen Geburtstag möchten sie verschieben. Und wer stört sich schon daran, ein Christkind zu sein?