Meisterporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Der Coup des SVN Zweibrücken

Ein paarmal waren die SVN-Kicker schon knapp davor, diese Saison hat es endlich geklappt: Der SVN Zweibrücken mit Spielertrainer
Ein paarmal waren die SVN-Kicker schon knapp davor, diese Saison hat es endlich geklappt: Der SVN Zweibrücken mit Spielertrainer Mentor Shabani (hinten rechts) holte die Meisterschaft in der A-Klasse Pirmasens/Zweibrücken und ist damit kommende Saison Bezirksligist.

Nach der Insolvenz vor elf Jahren und dem Neubeginn danach in der C-Klasse ist der SVN Zweibrücken zurück im regionalen Fußball – und das gleich richtig.

Die Mannschaft spielt bereits seit Jahren in der A-Klasse vorne mit, diesmal gelingt ihr unter Spielertrainer Mentor Shabani der Coup mit dem souveränen Titelgewinn und dem Aufstieg in die Bezirksliga. Und das nach einem gar nicht so berauschenden Saisonstart.

Den Start in die A-Klasse-Saison 2025/26 hatten sie sich beim SVN Zweibrücken ganz anders vorgestellt. Mit der Wachablösung des Seriensiegers TSC Zweibrücken bei der Stadtmeisterschaft, kurz vor Rundenbeginn, schienen die passende Euphorie da und die Erwartungshaltung an das Team gerechtfertigt zu sein. Bei der SG Weselberg-Linden setzte es aber zum Auftakt gleich eine 2:5-Niederlage. Kann passieren, bei einem Mitkonkurrenten um den Titel. Das 3:3-Remis gegen den SV Martinshöhe im ersten Heimspiel war hingegen so nicht eingeplant.

Beim zweiten Saisongastspiel, diesmal wieder bei der SG TuS Rimschweiler/VB Zweibrücken, die ebenfalls ambitioniert in die Saison ging, stand der Zeiger des Druckpegels schon nahe am roten Bereich. Drei schnelle Tore in den ersten 20 Minuten brachten dem SVN allerdings keine Sicherheit. Die SG schlug bis zum Seitenwechsel noch zweimal zurück. Erst zehn Minuten vor dem Ende konnten die Niederauerbacher das Spiel zu ihren Gunsten drehen.

Kaum an Gegnern orientiert

„Den Start haben wir uns natürlich anders vorgestellt. Da hat es, warum auch immer, nicht so gepasst. Aber der Glaube an uns, an den breiten Kader, das Wissen, was wir für gute Fußballer haben, hat mich nicht zweifeln lassen an den Jungs“, beschreibt SVN-Spielertrainer Mentor Shabani rückblickend seine Gefühlslage in der Anfangsphase. Seinen Spielern habe er gebetsmühlenartig seine Spielidee eingebläut. Ein nach rechts oder links Schauen gab es nicht. „Wir kennen die Stärken und Schwächen des Gegners, aber das ist auch egal. Denn wir möchten in jedem Spiel die Kontrolle haben und uns nicht am Gegner orientieren“, sagte der 34-Jährige mehrfach in Gesprächen mit dieser Zeitung. Weitere 13-mal (zwölf Siege, ein Unentschieden) in Folge blieb der Wirtschaftsingenieur bei Kubota danach mit seinem Team ungeschlagen, bis dann wieder die Weselberger kamen und dem SVN die erste und einzige Heimniederlage (2:4) zufügten.

Das Jahresabschlussspiel gegen den damaligen Tabellendritten SG TuS Rimschweiler/VB Zweibrücken gewannen sie nicht überlegen, aber souverän, indem sie in den entscheidenden Momenten zuschlugen und auch ihre wenigen Möglichkeiten eiskalt nutzten. In der Winterpause sicherten sie sich zudem den Titel bei der Hallen-Stadtmeisterschaft.

Allerdings stellte sich die große Frage: Wie kommt die SVN-Truppe diesmal aus dem Winter? Denn in den vergangenen Jahren vergeigten sie in ähnlicher Situation den Rückrundenauftakt, was sie in der Endabrechnung zurückwarf. Zudem hatte sich Stammtorwart Yannik Voit schwer am Knie verletzt, auch Mentor Shabani konnte wegen Rückenproblemen nicht mehr auf dem Platz mitwirken. „Aber wir haben es gut hinbekommen, das alles auszugleichen. Die Jungs haben verstanden, was ich von ihnen möchte und verlange, jeder hat mitgezogen. Auch außerhalb des Platzes, in der Kabine, haben wir funktioniert, und das hilft natürlich, dass sich Probleme erst gar auswirken. Wir haben die ganze Zeit an uns geglaubt, egal was gekommen ist“, berichtet Shabani.

Leistungshoch nach Pokalaus

Gekommen ist zum Beispiel noch das unglückliche Aus im Kreispokal-Halbfinale (1:2) im März beim späteren Sieger SC Stambach. Shabani hatte danach im Kreis noch auf dem Platz seine Spieler lautstark zusammengefaltet, an die Einstellung appelliert und dass sie ihre Leistung hinterfragen sollten. Überheblich wurde in dieser Saison aber keiner beim SVN, keiner hob ab. Das hat der Trainer rechtzeitig eingedämmt. Auch einzelne Einbrüche wie in den Jahren zuvor leisteten sich die SVN-Kicker diesmal nicht.

Im Gegenteil: In den verbleibenden acht Ligaspielen nach dem Pokalaus ließen sie noch mal die Muskeln spielen, gaben keinen Punkt mehr ab. 48:1 Tore wies die Statistik hier auf. Bei 77 Punkten insgesamt waren es 126:31 Tore. Schon am vorletzten Spieltag wurde die Meisterschaft und damit verbunden der Aufstieg in die Bezirksliga Westpfalz eingefahren.

Symbolisch, dass sie nach einem kurzen ersten Jubelmoment unter den Spielern ihren Meistercoach Shabani schnappten und in die Luft warfen. „Es fühlt sich natürlich überragend an, genauso wie die Mannschaft die Saison gespielt hat. Wir sind immer ruhig geblieben, haben uns verdient dafür belohnt und freuen uns auf die Bezirksliga“, erklärte Shabani, der Angebote von Vereinen aus der Landesliga ausschlug, um sein Erfolgskapitel beim SVN weiterzuschreiben.

Erste Weichen dafür sind mit einem Transfercoup auch schon gestellt: Corvin Ayers wechselt von der SG Knopp/Wiesbach zum SVN Zweibrücken. Der 23-jährige Abwehr- und Mittelfeldspieler, der unter anderem beim FC Homburg und FK Pirmasens reichlich Erfahrung in höheren Spielklassen gesammelt hat, wird den SVN mit seinen technischen Qualitäten, aber auch seiner körperlichen Robustheit in der neuen Liga sicher verbessern. Zudem übernimmt Ayers das Amt des mitspielenden Co-Trainers und wird Chefcoach Shabani auf dem Platz unterstützen.

Saisonstatistik SVN

  • Tor: Yannik Voit 18 Einsätze/0 Tore, Edin Custic 7/0

    Abwehr: Marc Heidenreich 24/1, Erblind Sylejmani 23/0, Aleksandar Boev 21/4, Edgar Schmidt 18/0, Jeremy Noah Freyler 18/7, Kerem Demirel 14/0, Dominik Schneider 7/0, Mario Eudenbach, Emre Pechlivan, Hassan Butt Mittelfeld: Felix Mayer 27/9, Lars-Tobias Noe 20/3, Arlind Ademi 16/3, Artur Litzenberger 13/1, Mentor Shabani, Enis Saciri, Emre Göz Angriff: Rahim Hadjadj 29 Einsätze/17 Tore, Jan-Patrick Buchheit 29/26, Helmand Mohammad 27/34, Hendrik Julius Hunsicker 16/2, Nic Michel.

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