Zweibrücken Der Angriff ist aufbaufähig

ZWEIBRÜCKEN. Verloren und den qualitativen Unterschied zwischen Teams von der Tabellenspitze der Dritten Liga und dem -ende gesehen: Trotzdem konnte Handball-Drittligist VT Zweibrücken-Saarpfalz nach der 31:40 (15:22)-Niederlage gegen den Tabellenzweiten HSC Coburg relativ zufrieden vom Platz gehen. Die Angriffsleistung gegen den Titelanwärter, der Zweitliga-Format hat, war aller Ehren wert.
Das sah auch Jan Gorr, der Coburger Trainer so, dessen Zweitberuf bekanntlich Assistenztrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist. „Was wir nicht geschafft haben, war besser zu verteidigen als im Hinspiel“, zeigte Gorr Respekt vor den 31 Toren, die die VTZ einnetzte. Besonderen Anteil daran hatte Philip Wiese, der nach der Verletzung von David Biehl am Kreis begann und dort sein bestes Spiel in der Rückrunde ablieferte. „Es war ganz okay. Vergangene Woche hatte ich noch Probleme mit der Leiste, die sind weg. Von daher hat es sich heute ganz gut angefühlt“, sagte Wiese, der neun Tore erzielte, etliche Strafwürfe herausarbeitete, die Steffen Kiefer allesamt sicher verwandelte.
„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, gegen diesen starken Gegner die Angriffsleistung hochzuhalten und über 30 Tore zu werfen“, sagte VTZ-Trainer Mirko Schwarz, dessen Mannschaft in der Abwehr allerdings kein Mittel gegen die spielstärkste Truppe der Liga fand. Schwarz ließ Coburgs Spielmacher Till Riehn von Beginn an durch Raimonds Trifanovs eng decken. Aber die übrigen Coburger, die, wie von ihrem Trainer gefordert, absolut konzentriert spielten, dabei sichtlich nicht 100 Prozent ihres Leistungsvermögens abrufen mussten, kombinierten auch ohne Riehn flüssig. In schöner Regelmäßigkeit wurde am Kreis ein HSC-Angreifer freigespielt. Wenn es überhaupt notwendig war. Denn ganz hervorragend klappte bei Coburg das Umschalten von Abwehr auf Angriff. Bei jedem kleinen Fehler oder Fehlwurf der VTZ im Angriff war Coburg hellwach, eroberte den Ball und startete den erfolgreichen Gegenstoß. Auch Gorr registrierte das Gegenstoß-Festival zufrieden: „Was in der Abwehr nicht ganz so gut geklappt hat, haben wir durch unsere gute Angriffsleistung, vor allem unser Gegenstoßspiel, wieder wett gemacht.“
Eher selten war Coburger Wurfkunst aus dem Rückraum gefragt. Aber mit Sebastian Roth gab es einen Vollstrecker, der aus dem Rückraum zentimetergenau einschießen konnte. Durch zwei Treffer von Roth, der nach dem Spiel noch mit Wiese fachsimpelte – beide kennen sich aus früheren gemeinsamen Jugend-Auswahltagen – Gegenstöße von Steffen Coßbau und Ronny Göhl führte Coburg schnell 4:1. Dem Treffer zum 3:1 durch Coßbau war ein Foul an Björn Zintel vorausgegangen, das die Schiedsrichter nicht ahndeten. Viel schlimmer für die VTZ als das aus dieser Aktion resultierende dritte Coburger Tor, war, dass Zintel sich am linken Bizeps verletzte, nicht mehr spielen konnte.
Coburg hatte die Partie jederzeit im Griff. Die VTZ-Torhüter Stefan Dreßler und Jadran Pesic blieben am Samstag chancenlos bei Treffern, die das ein oder andere Mal das Herz des Handballfans höher schlagen ließen. Grandios beispielsweise Göhls Treffer zum 2:6, als er schon nahe der Eckfahne war, beim Abspringen noch gestoßen wurde und trotzdem mit Präzision aus fast unmöglichem Winkel traf. Das wollte Philip Wiese nicht unbeantwortet lassen. Er zeigte, dass auch die VTZ Zaubertore schießen kann. In der 20. Minute fing er am Kreis ein Zuspiel, und mit dem Rücken zum Tor stehend, traf er zum zwischenzeitlichen 11:15. (add)