Zweibrücken
Der alte jüdische Friedhof am Ölkorb ist heute verwildert
In den 1960er Jahren war noch ein gutes Dutzend Grabsteine auf dem alten jüdischen Friedhof Bubenhausen zu sehen. Was danach mit ihnen geschah, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. In der Liste der Kulturdenkmäler Zweibrücken-Bubenhausen steht bei „Denkmalzone Jüdischer Friedhof Bubenhausen-Ernstweiler: verwildertes Areal mit Gedenkstein, keine Grabsteine erhalten“. Die Frage, von wem und wann die Grabsteine beseitigt wurden, blieb bislang unbeantwortet. Fotos gibt es nicht. Auch die Stadtverwaltung Zweibrücken konnte auf Anfrage keine Angaben machen.
Der Gedenkstein mit der Aufschrift „Mögen die hier Bestatteten für alle Zeiten ungestört ruhen“ geht auf die Initiative eines Presbyters der protestantischen Kirchengemeinde Ernstweiler-Bubenhausen zurück. Otto Mörz war es ein Anliegen, „einen Ort der Ruhe und Besinnung zu schaffen“, wie es in einem RHEINPFALZ-Artikel von 1992 heißt. In Absprache mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, die Eigentümerin des Friedhofsgeländes ist, räumte er den Friedhof stellenweise frei und stellte eine Sitzbank auf. Geblieben ist davon nur der Gedenkstein mit der hebräischen und deutschen Inschrift.
Ein Teil liegt im Neubaugebiet
Erwähnung fand der Friedhof im Jahr 1993, als das Neubaugebiet Beckerswäldchen am Ölkorb entstehen sollte. In der Begründung zum Bebauungsplan teilte die Stadtverwaltung Zweibrücken am 20. August 1993 mit: „Im Nordosten liegt ein kleiner jüdischer Friedhof, der jedoch seit 1870 nicht mehr belegt wird. Der Friedhof soll in seinem jetzigen Zustand erhalten werden und durch die Festsetzung als öffentliche Grünfläche gesichert werden. Der Friedhof wird durch die vorgesehene Bebauung nicht gefährdet.“
Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz hatte nichts dagegen, dass die Stadt Zweibrücken einen Teil des alten Friedhofs in das Neubaugebiet Beckerswäldchen mit einbezieht. In der Antwort an einen Bauamtsmitarbeiter vom 8. Oktober 1993 ist zu lesen: „… teilen wir Ihnen mit, dass wir keine Einwände gegen die Benutzung einer ca. 6 - 7 qm großen Fläche unseres obigen Friedhofes haben.“ Der einzige Vorbehalt für diese südwestliche Ecke des alten Friedhofes sei, „dass unter dem neu herzustellenden Feldweg (für den diese Fläche benötigt wird) keine Grabungen tiefer als 70 cm unter der jetzigen Oberfläche vorgenommen werden“.
Keine Unterlagen zu den Gräbern
Dies begründete die Jüdische Kultusgemeinde folgendermaßen: „Wir müssen darauf hinweisen, dass wir keine Unterlagen mehr über die Lage der Gräber unseres Friedhofes haben und nicht die Gefahr bestehen darf, dass das den Toten zustehende ewige Ruherecht angetastet wird“. Behandelt wurde das Thema laut städtischem Pressesprecher Jens John, der die Dokumente zur Verfügung stellte, auch in der Stadtratssitzung am 19. Oktober 1993.
Dass es keine Unterlagen mehr zu den Gräbern gibt, bestätigt Heiko Wunderberg. Er ist beim Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) zuständig für die Zweibrücker Friedhöfe. Einzig ein Plan mit der Teil-Belegung des Areals mit Kriegstoten während des Zweiten Weltkriegs – 42 Russen und Polen, sechs Deutsche und vier Franzosen – ist laut Wunderberg vorhanden. Die Toten wurden 1942 auf den jüdischen Gräbern beigesetzt – was einer Schändung gleichkomme. Wunderberg: „Die Kriegstoten wurden 1956 umgebettet auf den Hauptfriedhof, auf ein Gräberfeld hinter dem Ehrenfriedhof 1914/18.“
Rund 50 Jahre lang genutzt
Die Bezirksregierung der Pfalz schrieb im Zusammenhang mit den geplanten Umbettungen am 10. September 1956 an das Innenministerium in Mainz: „Der Friedhof Ölkorb ist ein jüdischer Friedhof im Eigentum der israelitischen Kultusgemeinde Landau/Pfalz. Er wurde im Jahre 1942 ohne Einwilligung der Eigentümerin mit Ausländer-Gräbern belegt. Dass diese hiergegen bisher noch keine Einwendung erhoben hat, ist vermutlich nur darauf zurückzuführen, dass ihr die Tatsache der Belegung mit Ausländer-Gräbern nicht bekannt ist.“
Der jüdische Friedhof am Ölkorb wurde rund 50 Jahre belegt – von 1821 bis 1870. Zuvor bestatteten die Zweibrücker Juden ihre Toten auf dem Begräbnisplatz in Blieskastel. Anfang 1821 beklagte sich das dortige Bürgermeisteramt, der Judenfriedhof habe nur eine begrenzte Kapazität. Daraufhin bemühten sich die Zweibrücker Juden um die Errichtung eines eigenen Friedhofs. Man entschied sich für „ein Areal in der Gewanne Am Ölkorb, weit vor den Toren der Stadt auf Bubenhauser Gemarkung“, ist in „Zweibrücken 1793 bis 1918: Ein langes Jahrhundert“ nachzulesen.
Abteilung auf dem Hauptfriedhof
Schon im Jahr 1847 wurde der Friedhof geschändet – Steine aus der Umfassungsmauer entwendet, das Eingangstor und mehrere Grabsteine beschädigt. Ende 1858 wurde die Friedhofsmauer erneuert. Im Jahr 1870 beschloss der Stadtrat, der israelitischen Kultusgemeinde, die sich um einen neuen Friedhof bemühte, für die Anlegung eines Begräbnisplatzes eine entsprechende Grünanlage auf dem Hauptfriedhof zu überlassen. Diese Abteilung auf dem Hauptfriedhof besteht bis zum heutigen Tag.
Alle 80 jüdischen Friedhöfe in der Pfalz fährt Eberhard Dittus jedes Jahr an – auch den jüdischen Friedhof innerhalb des Zweibrücker Hauptfriedhofs. Dittus ist Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz für den Erhalt der jüdischen Friedhöfe in der Pfalz. Den alten jüdischen Friedhof am Ölkorb kennt der evangelische Theologe bis dato nicht. Er wird sich diesen demnächst anschauen – zusammen mit Vertretern der Jüdischen Kultusgemeinde, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier und Heiko Wunderberg vom Friedhofsamt. Dabei wird es auch darum gehen, ob und wie das Areal in Zukunft gepflegt werden soll und wer die Kosten dafür trägt.
Gugenheim-Stammvater wahrscheinlich auf altem Friedhof begraben
Auf dem neuen jüdischen Friedhof ruhen unter anderem mehrere Angehörige der Familie Gugenheim – auch die Brüder Leopold und Luzian. Deren Vater jedoch, Michael Moses Gugenheim, starb 1842 in Zweibrücken und wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem alten Friedhof auf dem Ölkorb beerdigt. Während das Grab des Stammvaters der Gugenheims mit der Vernachlässigung des Friedhofs am Ölkorb als Gedenkstätte verloren ging, ist inmitten der Stadt Zweibrücken ein Denkmal geblieben, das an diese Familie erinnert: Es ist der vor 110 Jahren [nicht vor genau 100, wie in der ersten Version des Artikels stand] eingeweihte achteckige Brunnen auf dem Hallpatz. Diesen schenkte der in Berlin tätige königlich-preußische Kommerzienrat Fritz Gugenheim seiner Vaterstadt und übernahm die Kosten für die Aufstellung. Er erhielt den Namen „König-Ludwig-Brunnen“ und wurde im Mai 1914 feierlich eingeweiht.