Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Deckarm-Festival: Spieser Werkstatt für Behinderte spielt gegen TVD-Veteranen

Engagiert und mit viel Spaß am Spiel beim Deckarm-Festival: Die Mannschaft des Werkstattzentrums für behinderte Menschen der Leb
Engagiert und mit viel Spaß am Spiel beim Deckarm-Festival: Die Mannschaft des Werkstattzentrums für behinderte Menschen der Lebenshilfe in Spiesen-Elversberg (in Rot) spielte am Tag des Handballs als »Wilde Kerle« gegen die »Veteranen« des TV Dirmingen (in Schwarz).

Hier zählt vor allem der Spaß: Seit über 25 Jahren engagieren sich Dirminger Ex-Spieler, indem sie mit Menschen mit Behinderungen zusammen Handball spielen.

Das hat Joachim Deckarm bestimmt noch besser gefallen als die zahlreichen Ehrungen dieser Tage: dass beim Deckarm-Festival in der nach benannten Sporthalle in Saarbrücken am Donnerstag von morgens bis abends Jung und Alt seinem geliebten Handballsport nachgehen.

Neben einem Grundschulsportfest am frühen Morgen und dem Kräftemessen männlicher und weiblicher Saarauswahlmannschaften gegen Teams aus Lothringen gibt es dabei vor dem Höhepunkt mit dem Prominentenspiel der All Stars noch eine ganz besondere Partie: Da tritt um die Mittagszeit die Mannschaft des Werkstattzentrums für behinderte Menschen der Lebenshilfe in Spiesen-Elversberg (WZB) gegen ältere Herrschaften des TV Dirmingen an.

Erfolgserlebnisse und Freude vermitteln

Die WZB-Aufstellung spielt in gemischt-geschlechtlicher Aufstellung, elf Spielerinnen und Spieler stehen in roten Trikots auf die Parkett. Großer Aufdruck auf der Rückseite: „Die wilden Kerle“. Die neun älteren Dirminger Herren machen es ein bisschen dezenter: Da prangt „Die TVD Veteranen“ vorne ganz klein auf der Brust.

„So spielt man in der Abwehr, das sinn alles große Buwe“, ruft WZB-Trainer Jörg Bastuck während der zweimal 20 Minuten seine Spieler schon mal zu engagierterem Einschreiten in der Abwehr auf. Der 70-Jährige trainiert die WZB-Mannschaft seit etwa einem Jahr. Wie die Jungfrau zum Kinde sei er zu der Stelle gekommen. „Deren Trainerin ist in Ruhestand gegangen, da wurde ich gefragt“, erzählt er. Bastuck, früher 30 Jahre lang Vorsitzender beim TV Dirmingen, wähnt sich ohnehin im Unruhestand – und nimmt die neue Herausforderung an. „Ich wollte was Gutes tun und Menschen Freude und Erfolgserlebnisse vermitteln, die das vielleicht nicht so oft haben“, sagt er.

Einmal pro Woche Training, einmal im Monat Spiel

Seitdem trainiert einmal pro Woche mit der Gruppe aus zehn bis 15 Sportlern in Spiesen. „Wir machen vor allem Grundlagentraining. Viel werfen, fangen und dorthin passen, wo der Mitspieler steht“, verdeutlicht er. Denn seine Schützlinge haben mit diversen Beeinträchtigungen geistiger oder motorischer Art zu kämpfen.

Wie jetzt auf dem Spielfeld: „Jürgen, du musst lauter pfeifen. Der kann dich nicht hören“, ruft Bastuck dem Schiedsrichter zu. Der gehört zur Dirminger Truppe, die es schon über 25 Jahre gibt. Walter Kümmel hatte den Austausch damals ins Leben gerufen. Einmal im Monat besuchen die TVD-Veteranen das WZB-Team zu einem Spiel in Spiesen, im Sommer folgt beim Dirminger Fest „Unser Dorf spielt Handball“ immer der Gegenbesuch. Der jüngste Veteran ist der 66-jährige Hans-Peter Hoffmann, die beiden Schiris gehören mit 85 und 87 Jahren zu den Ältesten.

Dass die WZB-Truppe 14:13 gewinnt – geschenkt. Viel wichtiger sind hier der Spaß am Spiel und der fehlende Erfolgsdruck, die auch Jörg Bastuck zum Weitermachen bewegen. Wie jetzt: „Katharina“, ruft nach dem Schlusspfiff ein Veteran und umarmt herzlich eine WZB-Spielerin, die ihm lachend in die Arme fällt.

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