Zweibrücken David Bowie im Hier und Jetzt
Sterben Musiker, gehen die Verkaufs- und Downloadzahlen ihrer Titel durch die Decke. „Blackstar“ führte nach David Bowies Tod sogar die deutsche Hitparade an. Jakob Hansonis’ Gruppe, die seit acht Jahren regelmäßig in Köln auftritt, hatte schon zuvor bei Konzerten zahlreiche Bowie-Songs im Programm. Sie widmete ihm zunächst eine Tribute-Show, darauf folgte eine weitere und nun die dritte. Jetzt ist die Band mit einem tollen Programm auf Tournee, das sich Bowie-Fans nicht entgehen lassen sollten.
Die Band des Gitarristen von Herbert Grönemeyer, Jakob Hansonis, spielt unter dem Titel „Space Oddity – A Tribute To David Bowie“ Musik aus fünf Jahrzehnten David Bowie. Das tat sie im Homburger Musikpark am Wochenende leider nur vor 100 Zuhörern. Eine enttäuschende Zahl für den Veranstalter. Denn die Homburger Kulturgesellschaft gab sich dort reichlich Mühe. Licht und Klang im Musikpark sind exquisit. Die Besucher sind hautnah am Konzertgeschehen. Das findet ohne Alan Bangs statt. Der Musikjournalist und Zeitzeuge fehlt schon seit Längerem. „Am Anfang der Konzerte war er noch dabei. Er hat aber gemerkt, dass das Tourleben nicht das Richtige für ihn ist“, erklärt Hansonis. Sei’s drum. Die Musik ist trotzdem toll. Es gibt viel von dem zu hören, was das Fanherz begehrt, „Ashes to Ashes“, „China Girl“, „Heroes“ und „Loving the Alien“. Diesen Song spielt die Band übrigens in einer reduzierten, akustischen Version. Hansonis und seine Jungs trauen sich etwas, und das ist gut so. Zusätzlich präsentieren sie Lieder, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Dazu zählt „I`m Afraid of Americans“ aus der CD „Earthling“. 1997 gelang Bowie mit dem elektronischen Song die letzte Platzierung in den amerikanischen Billboard-Singlecharts zu Lebzeiten. Während von dem Song sogar ein Remix der Nine Inch Nails existiert, werkeln Hansonis und seine Spielgefährten hieraus ein mitreißendes Rockmonster mit heftigen Gitarren. Überhaupt, das Zusammenspiel von Hansonis und Sänger Pit Hupperten ist klasse. Der greift regelmäßig zu diversen Saiteninstrumenten. Das ergibt eine spannende Mixtur aus Krachgitarren und Filigrantönen. Noch mehr Bowie-Songs werden der Rockmusik hinzugefügt. „This is not America“ aus dem Jahr 1985 zum Beispiel. Das entstand während der Synthesizer-Manie Mitte der 80er Jahre, hat aber eine unsterblich schöne Melodie. Eine fantastische Fassung von „Space Oddity“ endet in einem psychedelischen Klanggewitter. Zum Finale kommt der Song, der das Ende eines beeindruckenden Lebenswerkes markiert. „Lazarus“ ist ein ergreifendes Lied, das Bowie angesichts seines bevorstehenden Todes geschrieben haben soll. Zeilen wie „Look up here, I`m in heaven. I`ve got scars that can`t be seen“ sprechen eine deutliche Sprache. Hansonis und seine Musiker gehen auch hier den eigenen Weg. Herrlich, wie Helmuth Fass den Song, der von Bowie niemals live aufgeführt wurde, am Bass ins Finale begleitet. Auch Hupperten, der zwar in Bowies Tonlage singt, ihn während der zwei Stunden aber nie verkrampft kopiert, setzt hier einen nachhallenden Schlusspunkt. Was vor allem gelingt, ist die Transformation von Bowies Musik in die Moderne. Denn schon 2004 war der Rockmusiker zum letzten Mal auf Tournee. Nach einem Herzinfarkt damals knapp dem Tode entronnen, zog er sich in ein fast undurchdringliches Privatleben zurück. Völlig unerwartet veröffentlichte die Musiklegende 2013 mit „The Next Day“ zwar eine damals neue, leider schon vorletzte CD. Auf die Bühne ging der Künstler nie wieder. Bowies Songkatalog hatte deshalb nie die Chance, sich im Wandel der Zeit zu verändern. Kennt man seine letzten beiden CDs, darf man Hansonis und seinen Musikern ein großes Kompliment machen. Denn mit „Space Oddity“ ist die Transformation in ein möglicherweise von Bowie gewolltes Heute sehr gut gelungen. Der setzte zu seinem Lebensabend nämlich auch wieder auf die Kraft der Gitarren.