Turnen
Das Mammutprogramm der Emma Wasmundt
Als sich Emma Wasmundt am Samstag kurz nach Mittag auf der Bodenfläche der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Contwig auf ihren Einzel-Wettkampf bei den Westpfalzturngau-Meisterschaften vorbereitet, hat sie bereits ein Mammutprogramm hinter sich. Mit gleich mehreren Stunden Konfirmandenunterricht ist sie am Vormittag gestartet. Dazu kommt der ausgedehnte Frisiereinsatz ihrer Mama für die aufwendig geflochtene Wettkampffrisur. Die Rettungsschwimmerin der Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken steckt dies aber gut weg.
Turnen ist seit vielen Jahren ihre Leidenschaft, für die sie dreimal unter der Woche zum Training geht. Beim Wettkampf um die Gau-Titel zeigt die 13-jährige Zweibrückerin, die für die VT Contwig sozusagen im Heim-Event startet, erstmals Elemente für die Leistungsklasse (LK) 2.
Zweitschwierigstes Level
Das bedeutet: Bei den Leistungsklassen im Gerätturnen (von 1 bis 4) sind die Teilnehmer freier in der Gestaltung der Elemente als bei den Pflichtübungen (P-Stufen). Die Übungen werden aus verschiedenen Elementen selbst zusammengestellt, müssen aber dennoch eine bestimmte Anforderung erfüllen. LK 2 ist dabei die zweitschwierigste Form.
Für Wasmundt startet der Wettkampf ausgerechnet noch mit dem Balken. „Den mag ich am wenigsten“, verrät die Achtklässlerin des Hofenfels-Gymnasiums. Auch wenn ihre 60 Sekunden Einturnzeit auf der zehn Zentimeter schmalen Lauffläche am Hochgerät noch nicht begonnen haben, übt Emma Wasmundt ihre Raddrehung auf den farblichen Strichen als Orientierung für eine gerade Ausführung auf dem Hallenboden. Ganz zufrieden, diesen Rückschluss lässt ihr Gesichtsausdruck zu, ist sie dabei nicht. Konkurrentin Romy Wüst (TV Lemberg) ist vor ihr dran, Casey Gaiger von den VT Zweibrücken nach der Contwiger Turnerin.
Am Balken immer nervös
Es dauert lange, bis die Kampfrichter die Übung der Lembergerin bewertet haben; Zeit, die Emma Wasmundt nutzt, um ihre Übung im Kopf durchzuspielen. „Am Balken ist man immer nervös. Ich mache mir wegen des Wartens aber keinen Kopf, sondern versuche, den Fokus zu behalten, indem ich alles durchgehe.“ Ausgerechnet bei ihrem neuen Element, dem „Rad-Rad“, steigt sie vom Balken ab. „Ich habe gezittert, das war ein Fehler, der mich ärgert.“ Kurzes Durchatmen, dann wieder hoch. Danach kommt sie konzentriert durch ihren Pferdchensprung, Hocksprung, Bogengang und den Vorwärtssalto als Abgangselement. Die Wackler kosten sie Punkte. Nach dem ersten Gerät liegt sie mit ihren 10,95 Punkten 1,55 Zähler hinter der Erstplatzierten Wüst und 1,5 Punkte vor Gaiger.
Für den Boden rechnet sie sich mehr aus, es ist auch ihr Lieblingsteil von den insgesamt vier Geräten. Zu den Klängen der typischen James-Bond-Melodie packt sie symbolisch als Schlussaktion immer wieder nach den Elementen eine Pistole im Anschlag aus. Sie kommt sehr gut durch die Kür. Auch den neuen Strecksalto rückwärts, den sie mit ihren Trainerinnen Karin Reinshagen und Meike Sefrin eingebaut hat, zeigt sie. Nach der Boden-Kür ist sie zufriedener als nach dem Schwebebalken. „Es war ganz gut“, sagt sie dazu, wie sich die Vorstellung für sie angefühlt hat.
Nie zu hundert Prozent zufrieden
Wer im Turnsport unterwegs ist, der weiß: Diese Aussage ist positiver einzuordnen, als sie sich vielleicht anhört, denn Turner sind prinzipiell nie zu hundert Prozent zufrieden und finden immer etwas, was sie hätten besser machen können. Am Boden fehlen ihr am Ende nur 0,5 Punkte, um im besagten Trio vorne zu liegen. Insgesamt hält sie ihren zweiten Platz. Abzüge am Sprung für krumme Beine und Füße muss sie hinnehmen. Am abschließenden Stufenbarren kann sie ihre Platzierung verteidigen und holt sich den Vizetitel hinter Romy Wüst und vor Casey Gaiger.
Insgesamt waren die Verantwortlichen des Ausrichters VT Contwig mit ihren Turnerinnen übers Wochenende bei der Heimveranstaltung sehr zufrieden. Johanna Maurer (Jahrgang 2007; LK 2), Lia Doniat (2015; LK 4), sowie in den P-Übungen Magdalena Koch (2016), Toni Mauß (2018), Antonia Hüther (2019), Elena Brill (2012), Emma Rubly (2013), Daria Ginder (2015), Isabella Bolies (2016) und Sophia Sak (2017) holten Gaumeister-Titel für die VTC.