Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Camp 64: Profitrainer öffnen dem Nachwuchs die Türen zur richtigen Entscheidung

Die Trainer Martin Röhrig (Mitte) und Martin Schwarzwald (rechts) hatten viel Spaß bei den Übungseinheiten mit dem Nachwuchs im
Die Trainer Martin Röhrig (Mitte) und Martin Schwarzwald (rechts) hatten viel Spaß bei den Übungseinheiten mit dem Nachwuchs im Camp 64.

Räume schaffen und Räume nutzen. Tür auf, Tür zu. Nein, in der Zweibrücker Ignaz-Roth-Halle wurden keine Bauarbeiter oder Portiers ausgebildet, wohl aber beim Camp 64 junge Handballer, die von Profitrainern das richtige taktische Verhalten erklärt bekamen. „Hütchentrainer“ Martin Schwarzwald macht das so viel Spaß, dass er sich eine dauerhafte Rückkehr zum Nachwuchs vorstellen kann.

„Wo geht jetzt die Tür auf?“, fragt Martin Röhrig. Die von dem Handballtrainer angesprochene Tür geht auf dem Spielfeld auf, wenn sich für einen Angreifer ein Raum öffnet, ihm die gegnerische Abwehr Platz lässt, um auf das Tor zuzulaufen. Räume zu öffnen, das will Röhrig jungen Handballern im Camp 64 in seinen Trainingseinheiten näherbringen.

Camp 64, das heißt für 32 Jungs und 28 Mädchen im C- und D-Jugend-Alter: drei Tage Handball pur. „Das Camp war rasant schnell ausgebucht“, sagt Stefan Bullacher, Jugend-Koordinator beim ausrichtenden SV 64 Zweibrücken. Es gab sogar eine Warteliste. Schwindendes Interesse am Handball – gerade in den Landesverbänden Pfalz und Saar war der Mitgliederrückgang groß – „nicht in dieser Altersklasse“, sagt Bullacher und ergänzt: „Die Probleme haben wir im Jugendbereich bei den B- und A-Jugendlichen.“ Vor allem im A-Jugendbereich sinken die Mannschaftszahlen. Corona habe diese Entwicklung beschleunigt. „Aber die gab es schon vorher“, sagt der SV-Jugendkoordinator. Gesellschaftliche Entwicklungen, wie der Trend, sich nicht mehr für etwas verpflichten zu wollen, tragen dazu bei. „Wenn der anhält, wird es für den Mannschaftssport insgesamt schwierig“, hofft Bullacher auf eine Trendwende.

Vom Teilnehmer zum Trainer

Die Jüngeren lassen sich auf jeden Fall für den Handball begeistern. „Der Vorteil ist, dass diejenigen, die sich für das Camp anmelden, intensiv Handball spielen wollen“, sagt Martin Schwarzwald. Er und Röhrig teilten sich am ersten Tag die Ignaz-Roth-Halle als Trainingsstätte. Dieses Mal als Trainer. Vor 22 Jahren – beim ersten Camp 64, das Röhrig initiiert und organisiert hat – „war ich als Teilnehmer dabei“, erzählt Schwarzwald in der Trinkpause.

Schwarzwald hat den Handball als Trainer zu seinem Beruf gemacht. Aktuell trainiert er den Frauen-Drittligisten SG Kirchhof. Mit dem klaren Ziel: Aufstieg in die Zweite Bundesliga. „Wir sind ein reiner Frauen-Handballverein. Bei uns spielen über 170 Mädchen und Frauen“, sagt Schwarzwald, während er jubelnd die Arme hebt. Passtäuschung steht gerade bei Röhrigs Trainingseinheit auf dem Plan. Es klappt – „die Vorstufe dazu haben sie gerade bei mir gelernt“, sagt der 36-Jährige lachend.

„Man muss den jungen Menschen etwas bieten“, sind sich die erfahrenen Jugendtrainer Bullacher, Röhrig und Schwarzwald einig. Röhrig hat wie Schwarzwald beim SV Jugendmannschaften trainiert, war dann unter anderem Jugendkoordinator in Friesenheim und Coburg und trainiert nun nach einer Handballpause unter anderem wieder das A-Jugend-Bundesliga-Team des HLZ Friesenheim/Hochdorf. „Sieben Profi-Trainer und weitere sehr gut ausgebildete Trainer sind im Camp“, stellt Bullacher die Qualität im Camp 64 heraus. Die Profi-Trainer Schwarzwald und Röhrig arbeiten im Leistungsbereich. „Da ist der Spielerrückgang nicht das größte Problem“, sagt Schwarzwald. Wichtig sei, und das wirke sicher dem sonst spürbaren Mitgliederrückgang entgegen: „Wir brauchen gerade im Jugendbereich richtig gute Trainer. Die Vereine müssen verstehen, dass es sinnvoller ist, auch hier mal Geld in die Hand zu nehmen und gute Jugendtrainer zu bezahlen“, sind sich die beiden Martins einig, während sie paralleles Stoßen und Kreuzen mit dem Nachwuchs üben.

Komplexe Bewegungen

Der Air-Body dient als zweiter Abwehrspieler. „Du bist wie ich ein Hütchentrainer“, sagt Röhrig lachend. Die farbigen Hütchen markieren für die Nachwuchshandballer, wo sie täuschen müssen und wo, zu den komplexen Bewegungen, das richtige Entscheidungsverhalten kommen muss: Gehe ich selbst auf das Tor oder spiele ich besser ab, weil dem Mitspieler die Tür geöffnet wurde?

„Der Jugendhandball hat sich stark verändert“, sind sich die drei Trainer einig. Vor mehr als zwei Jahrzehnten, beim ersten Camp 64, wurden die Weichen für die spätere Aktivenlaufbahn in der Regel ab der C-Jugend gestellt. „Das fängt jetzt in der D-Jugend an“, sagt Bullacher. Was hier nicht an koordinativen Grundlagen gelegt wird, muss später hart erarbeitet werden oder wird nicht mehr aufgeholt.

Schwarzwald wieder Nachwuchs-Trainer?

Eine Rückkehr als Trainer in den Jugendbereich, „ist immer denkbar“, sagt Schwarzwald. Jugendtrainer zu sein, das bedeute, dass es nach jeder Trainingseinheit sichtbare Fortschritte gibt. „Das motiviert“, unterstreicht Schwarzwald. Auch die Camp-Teilnehmer, die jetzt wissen, wo auf dem Feld die Tür aufgeht.

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