Zweibrücken Bloß nicht den Helden spielen

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„Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit ist der Kampf gegen die Wohnungseinbrüche“, sagte am Donnerstag im „Roten Ochsen“ in Ixheim Dietmar Bayer vom Polizeipräsidium Westpfalz bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Einbruchsprävention. Die Beratung der Polizei sei ein kostenloser Service. Bereits einfache technische Maßnahmen könnten das Einbruchsrisiko deutlich senken.

Bundesweit sei die Zahl der Einbrüche in Wohnungen 2015 gestiegen, berichtete Bayer vom Team des Beratungszentrums des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern (wir berichteten am Dienstag). Die Kriminalstatistik von Rheinland-Pfalz weise für 2015 7125 Einbrüche auf. Dies bedeute eine Zunahme um 22,4 Prozent. Davon seien 2739 sogenannte Tageswohnungseinbrüche (Zunahme 13,7 Prozent). Auch der Anteil der 3414 Einbruchsversuche habe erneut zugenommen. Er betrage nunmehr 47,9 Prozent. Der Kriminalhauptkommissar: „Beim Präsidium Westpfalz haben wir eine Zunahme von 7,8 Prozent bei den Wohnungseinbrüchen. In Mainz stieg die Zahl um 44 Prozent und in Ludwigshafen um 30 Prozent.“ Landesweit werde der Schaden auf rund 18 Millionen Euro geschätzt, bundesweit auf 500 Millionen. Die durchschnittliche Aufklärungsquote liege bei 15 Prozent. Einbrüche zwischen 8 und 20 Uhr, die Tageswohnungseinbrüche, würden in 20 Prozent der Fälle aufgeklärt. Der Grund für die niedrige Quote sei, dass oft professionelle Banden am Werk seien. Ihre Mitglieder seien gut geschult, gingen arbeitsteilig vor und hinterließen keine Spuren. „Ein Einbruch kann jeden treffen“, berichtete Bayer aus seiner langjährigen Erfahrung. „Die Aussage, ,Bei mir gibt es nichts zu holen, deshalb wird bei mir nicht eingebrochen’, sei ein Irrtum. Ein Gelegenheitseinbrecher, das ist ein Einbrecher, dem man die Gelegenheit bietet, sei in zehn bis 20 Sekunden in einer Wohnung. Durch technische und verhaltensorientierte Prävention könnten die Hausbewohner ihm aber die Arbeit erschweren oder sogar unmöglich machen. Vandalismus in der Wohnung durch die ungebetenen Gäste komme eher selten vor. In erster Linie seien diese auf Schmuck und Geld aus. Bei Einfamilienhäusern kämen die Einbrecher in den allermeisten Fällen durch Fenster oder Fenstertüren in die Räume. Bayer: „Die meisten herkömmlichen Fenster und Türen bieten keinen ausreichenden Schutz vor Einbruch.“ Mit einfachen Schraubendrehern könnten diese leicht aufgehebelt werden. Daher empfehle die Polizei geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Fenster und Türen ab der Widerstandsklasse RC 2. Diese seien „aus einem Guss“. Ein Nachrüsten könne den Schutz immer noch deutlich verbessern. Eine Überfall- und Einbruchmeldeanlage sei keine Alternative zu einer mechanischen Sicherung. Sie verhinderten keinen Einbruch, sondern meldeten ihn nur. Daher sollte sie nur zusätzlich zur Anwendung kommen. Zwei Überwachungsarten würden unterschieden: die Außenhautüberwachung mittels Kontakten und die Fallenüberwachung durch Bewegungsmelder. Der Polizist: „Denken Sie daran, dass bei einem unnötigen Polizeieinsatz durch eine Fehlalarm 120 Euro fällig werden.“ „Da die Polizei neutral ist, empfiehlt sie keine bestimmten Produkte oder Firmen“, erklärte Bayer. Sie führe eine Adressenliste von sogenannten Errichterunternehmen, und zwar eine für mechanische Sicherungsmaßnahmen und eine für elektrische Anlagen. Der Präventionsberater: „Jede Firma in Deutschland hat die Möglichkeit auf die Liste zu kommen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllt.“ Seine technische Beratung am Telefon oder vor Ort koste einen Ratsuchenden nichts. Durch das Einhalten bestimmter Verhaltensregeln erschwere man den Einbrechern die Arbeit. So sollte der Schlüssel nicht außerhalb des Hauses versteckt oder bei einer Glastür der Schlüssel innen nicht stecken gelassen werden. Ein gekipptes Fenster sei ein offenes Fenster. Der Kriminalbeamte riet: „Erwecken Sie bei Abwesenheit den Eindruck, dass jemand zu Hause ist. Und lassen sie den Nachbarn den Briefkasten leeren.“ Bayer warnte davor, den Helden zu spielen: „Stellen Sie sich dem Einbrecher nicht in den Weg, schon gar nicht mit einer Gaspistole, einem Wasserrohr oder einer Axt.“ Im Stress und Kampf sei schon manchmal die Waffe umgedreht worden. Und am Ende entscheide der Richter, ob es Notwehr war. Ein Einbrecher wolle erfahrungsgemäß keine Konfrontation. „Er will nach dem Klauen schnell weg“, so Bayer. Die Veranstaltung in Ixheim war eine Premiere. Erstmals hatten die Interessengemeinschaft (IG) Beckerswäldchen und der Verein Haus und Grund gemeinsam eingeladen. Es war der zweite Termin zum Thema Einbruchsprävention. Anfang März organisierte die IG wegen der gehäuften Zahl an Einbrüchen im Wohngebiet Beckerswäldchen speziell für die Einwohner eine Versammlung. Das Interesse war damals so groß, dass der Platz in dem kleinen Saal nicht ausreichte. Am Donnerstagabend nun ließen sich knapp 50 Interessierte aufklären.

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