ZWEIBRÜCKEN
Bis 19. April fliegt kein Handball mehr
Wenn es kommt, wie erwartet – Großveranstaltungen darf es in der Region bis Juli nicht mehr geben – „sind wir emotional gesehen der traurigste Meister aller Zeiten“, sagt Stefan Bullacher, Trainer der Zweibrücker Löwen. Aber, betont er, bevor er die emotionale Seite betrachtet: „Es gibt eine Ebene der Vernunft, und auf dieser Ebene ist es richtig, den Spiel- und Trainingsbetrieb jetzt einzustellen.“ Dem pflichten Philip Wiese, Trainer des Oberligisten VTZ Saarpfalz, und Rüdiger Lydorf, Coach der Oberliga-Handballerinnen des SV 64, uneingeschränkt bei. Alle drei sind sich einig: lieber ein vorzeitiges Saisonende als Geisterspiele. „Der Handball lebt von Emotionen“, sagt Lydorf. Das unterstreicht Wiese: „Geisterspiele gehen gar nicht.“
Vorerst kein Pokal-Final-Four
Bei den Handballern änderte sich die Lage zuletzt gefühlt im Stundentakt. Der SV 64 Zweibrücken, der am Samstag Heimrecht gehabt hätte, stand die ganze Zeit in Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Bis Mittwoch hatte es noch so ausgesehen, als könne gespielt werden. Am Donnerstag wurde der kommende RPS-Oberliga-Spieltag abgesetzt. „Da wir aktuell viele Kranke haben, uns schon um eine Spielverlegung bemüht hatten, wäre uns das sogar noch entgegengekommen“, sagt Lydorf mit Galgenhumor.
Dann setzte der Saarländische Handball-Verband am Donnerstag alle Spiele bis 19. April aus. Betroffen ist auch das Final-Four-Turnier im Saar-Pokal. „Das macht uns schon traurig“, bekennt Lydorf, dessen Frauen-Team Favorit war. Hier steht eine Entscheidung – bei den Frauen geht es um einen Platz im DHB-Pokal – noch aus.
Wie bereits überregional berichtet, ist der Jugendspielbetrieb im Saarland für diese Saison beendet. Auf RPS-Ebene wurde diese Entscheidung am Freitagmorgen auch für die Jugend-Oberligen, in denen SV- und VTZ-Nachwuchs spielt, getroffen. „Richtig“, urteilen Bullacher und Wiese, beide auch bei der Jugend engagiert.
Spiele nachholen kaum möglich
Bei den Aktiven wurde auf RPS-Ebene die Entscheidung des Deutschen Handball-Bundes abgewartet. Die war keine Überraschung: „Der gesamte Spielbetrieb des deutschen Handballs soll bis mindestens zum 19. April auf allen Ebenen ausgesetzt werden.“ Beim DHB befasst sich eine Arbeitsgruppe mit spieltechnischen Konsequenzen. „Wir hätten noch acht Spiele zu absolvieren. Theoretisch wäre es möglich, nach dem 19. April in vier englischen Wochen acht Spiele zu absolvieren. Aber wir sind Handballer im Amateurbereich, keine Profis. Jeder weiß, das ist Theorie. Praktisch ist das nicht machbar“, findet Wiese.
Trainingsbetrieb ausgesetzt
Die VTZ hatte vorsorglich schon bis kommende Woche den Trainingsbetrieb ausgesetzt. Beim SV 64 hieß es abwarten, jetzt ist auch hier das Training beendet. Gestern sperrte die Stadt alle Zweibrücker Hallen bis 19. April. Sollten sie danach wieder geöffnet werden, wollen alle – unabhängig davon, ob die Saison fortgesetzt wird oder nicht – sowohl bei Jugend als auch Aktiven wieder trainieren. Beim SV 64 Zweibrücken ist zudem das Jugend-Handball-Camp 64 in den Osterferien passé. Nach einem Ausweichtermin wird gesucht, die bereits bezahlten Gebühren werden zurückerstattet.
SV 64-Herren sind ein trauriger Meister
Auf Vernunftebene halten die drei Trainer die Entscheidung für richtig, emotional ist es schwieriger. „Uns verlassen zum Rundenende viele Spieler. Für sie war das vergangene Spiel dann möglicherweise schon das letzte im VTZ-Trikot“, bemerkt Wiese.
In Sachen Auf- und Abstieg können die VTZ und die SV-Damen die Situation gelassen sehen, sie haben mit beidem nichts zu tun. Die SV-Herren schon. „Wir sind auf der sicheren Seite“, weiß Bullacher. Laut Paragraf 52 der Spielordnung entscheidet die spielleitende Stelle über die Meisterschaft, falls die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. „Da gibt es bei unserem Vorsprung keine Diskussion. Aber das emotionale Erlebnis einer Meisterschaftsfeier, eines Saisonabschlusses als Meister werden unsere Spieler leider nicht haben“, bedauert Bullacher. Und sollte wider Erwarten doch weitergespielt werden, dann wohl kaum vor großem Publikum.