Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Zweibrückens neuer Spielmacherin hat der Trikot-Beflocker aufgeatmet

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SV 64-Spielmacherin Lucy Dzialoszynski (beim Wurf) hat die erzwungene Corona-Pause genutzt, um ihre komplizierte Verletzung an der rechten Wurfhand ganz auszukurieren.

Das Komplizierteste an Lucy Dzialoszynski? Ihr Nachname. Ansonsten ist die Spielmacherin des Handball-Oberligisten SV 64 Zweibrücken ein unkomplizierter Typ. Im Zweibrücker Team ist sie nicht neu. Neu ist aber ihre Spielposition und damit ihre Aufgabe.

Die Aufgabe als Regisseurin der SV-Löwinnen wird sie auch am Samstag wieder einnehmen, wenn die Zweibrückerinnen den Top-Titelkandidaten TSV Kandel erwarten (18 Uhr, Ignaz-Roth-Halle). „Ich weiß auch nicht, warum sich meine Mama bei der Hochzeit für diesen komplizierten Namen entschieden hat“, erzählt die 24-Jährige lachend. Seit 2019 trägt sie das Trikot des SV 64, auf dem – zum Glück, wird sich der Beflocker gedacht haben – keine Spielernamen stehen.

Von Allensbach am Bodensee wechselte Lucy Dzialoszynski damals an den Schwarzbach. Auf das heimatnah absolvierte Bachelor-Studium sattelte sie erfolgreich den Masterstudiengang Freizeit-, Sport- und Tourismus-Management an der HTW in Saarbrücken auf. Das Studentenleben ist vorbei. „Das Berufsleben beginnt“, bestätigt sie. Am kommenden Dienstag hat sie ihren ersten Arbeitstag als Sporttherapeutin in Blieskastel. „Ich bin sehr gespannt“, freut sie sich auf diesen nächsten Lebensabschnitt.

Die Oberliga ist ihre Klasse

Allensbach ist nicht nur in Sachen Demoskopie, sondern auch im Frauen-Handball eine bekannte Größe. Beim dortigen SV begann Dzialoszynski, wie Bruder Tim, mit dem Handball spielen. Mama Claudia ist Jugendtrainerin beim SVA. „Sie kam durch meinen Bruder und mich zum Handball“, erzählt sie. Papa Berti „wird als Zuschauer und Fan gebraucht“, ergänzt sie schmunzelnd. In Allensbach spielte sie in der Oberliga in der zweiten Mannschaft, aber auch im Drittliga-Team. „In der Oberliga fühle ich mich wohl“, bekennt sie. Die Saisonvorbereitung 2019 absolvierte sie noch mit den Allensbacherinnen, auch dem Drittliga-Mannschaft, ehe die Studienplatzzusage aus dem Saarland kam.

Sie zog nach Saarbrücken um und wollte weiter Oberliga-Handball spielen. Also Probetraining in Zweibrücken und Püttlingen. Das Bauchgefühl habe ihr geraten, sich für das Löwinnen-Trikot zu entscheiden. Per Mail hatte sie vorher angefragt, ob sie mal im Training vorbeikommen dürfe. „Ich weiß bis heute nicht, was die bei meinem Nachnamen erwartet haben“, versetzt sie lachend. Wer eine zwei Meter große polnische Handballerin erwartete, sah sich getäuscht. Eine schnelle, 1,65 Meter große, quirlige Spielerin kam, trainierte mit – und blieb.

Allrounderin jetzt Regisseurin

„Die Entscheidung habe ich nicht bereut“, sagt sie. Denn beim SV 64 lernte sie auch Drittliga-Spieler Niklas Bayer kennen. Mittlerweile wohnen die beiden gemeinsam in Zweibrücken. Am Schwarzbach sei es schon schön, sagt Dzialoszynski, aber der Bodensee fehlt ihr trotzdem. „Wasser, Berge, die Möglichkeit, mal eben schnell Skifahren gehen zu können“, schwärmt sie und lässt erahnen, dass Tourismus ein perfekter Studieninhalt für sie war.

Wie schon in Allensbach trainiert sie auch bei den Zweibrückern eine Nachwuchsmannschaft, die weibliche C-Jugend. Bei den SV-Damen passte sie von Anfang an gut ins Team, bewies als Allrounderin tolle Qualitäten. Seit dieser Saison besetzt sie nun die Position, die sie seit der Jugend fast immer spielte: die Rückraum-Mitte. Von dort lenkt sie das SV-Spiel, wird selbst torgefährlich. „Ich freue mich, dass ich die Position spielen kann und darf“, sagt sie.

Bloß keine unnötigen Ballverluste gegen Kandel

Die Corona-Pause kam ihr indes nicht ganz ungelegen: Sie hatte sich nach einer in einem Oberliga-Spiel erlittenen Verletzung einer Diskus-Operation an der rechten Wurfhand unterziehen müssen. „Danach hatte ich erst mal sechs Wochen Gips, einschließlich Oberarm“, erzählt sie. Handball spielen wäre nicht möglich gewesen. „Die Corona-Pause habe ich genutzt, um meine Hand richtig auszukurieren.“ Ihr Trainer Rüdiger Lydorf, von Beruf Physiotherapeut, hat sie in dieser schwierigen Zeit medizinisch gut betreut. „Alles wieder okay“, freut sie sich.

Mit Lydorf ist sie sich einig, dass der Samstaggegner „Kandel ganz sicher den schnellsten Handball in der Liga spielt“. Eines dürfe sie, dürften sich ihre Teamkolleginnen daher nicht erlauben, weiß Dzialoszynski: „Ballverluste. Die bestrafen sie sofort.“ Lydorf bestätigt: „Das schnelle Umschaltspiel hat Kandel nahezu perfektioniert. “

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