Zweibrücken Bei der Passage wird mit den Fingern geschnipst

Bunt, vielseitig, beschwingt: Die Stadtkapelle Zweibrücken spielte abwechslungsreich und bekam lang anhaltenden Applaus,
Bunt, vielseitig, beschwingt: Die Stadtkapelle Zweibrücken spielte abwechslungsreich und bekam lang anhaltenden Applaus,

„The Rhythm of America“ konnten die etwa 550 Besucher in der fast ausverkauften Festhalle am Samstagabend beim Jahreskonzert der Stadtkapelle erleben, zum fünften Mal unter Leitung von Björn Weinmann.

Ausgangspunkt der Reise ist New York. In Kees Vlaks „New York Ouverture“ konnten die Zuhörer das Panorama New Yorks in der zupackenden Interpretation der Stadtkapelle miterleben. Eine Landung auf dem Kennedy-Flughafen, das geschäftige Treiben auf der 5th Avenue, Harlem, der Central Park als Ruhepunkt und das quirlig-umtriebige Nachtleben auf dem Broadway kamen in diesem tönenden Stadtführer zu Wort. Western- und Rockrhythmen setzte Akzente in Jacob de Haans „Oregon“, einer Filmmusik zu einem Film, der allerdings nie geschrieben wurde, wie Björn Weinmann in seiner unterhaltsamen Moderation erzählte. Programmatischer Ausgangspunkt ist eine Zugfahrt durch den nordwestlichen US-Staat. In perfekter Einstimmigkeit und glasklarer Intonation setzte ein malerisches, breit flutendes Thema ein. Die dunklen, warme Klangfarben werden vor allem durch Flöten, Oboen, Saxofon und Klarinette bestimmt. Und sie gehen nahezu unmerklich in einen Marsch über. Auch Western- und Rockrhythmen wurden in diesem Stimmungsbild hörbar. Das die Stadtkapelle hat das Stück in ihrer fesselnden Interpretation mit Schwung, aber auch viel Liebe zum Detail gestaltet. Abwechslungsreiche Panoramabilder waren die „Songs from the States“: Bekannte amerikanische Lieder in einem Arrangement von Nachiro Iwai für Blasorchester. Wie aus der Ferne schien eine Musiktruppe näherzukommen, verkörpert von einem verhaltenen Flötenthema. Das Klangbild wurde zunehmend voller, peppig und schwungvoll. Die Reise führte von einem Bayou am Mississippi weiter nach Tennessee und an das Ende der Welt. Einen ungewöhnlichen Akzent setzte dabei eine Passage, in der das Orchester sich selbst mit Fingerschnipsen begleitete. Auch das traditionelle Spiritual „Oh When the Saints“ arrangierte Iwai für Blasorchester. Dabei stellte er dem Spiritual einen munteren, flott-beschwingten Dixieland voran, den die Stadtkapelle mit unüberhörbarer Begeisterung und absolut sicheren Rhythmen spielte. Unmerklich glitt er unter der zügigen Stabführung von Weinmann in das mitreißend gestaltete Hauptthema des Spirituals über. Zu dem Rhythmus wippten viele Besucher auf ihren Plätzen mit den Beinen mit. Der für Gospel und Spiritual typische Wechsel zwischen Vorsänger und Chor spiegelte sich in der Instrumentierung von Iwai wieder, im Dialog der Instrumentalgruppen. Die Stadtkapelle konnte an diesem Beispiel auch ihre eigene Entwicklung hin zu einem sinfonischen Blasorchester eindrucksvoll dokumentieren. Viel stärker durch Tanzmusik bestimmt waren dagegen die Stücke, die unterschiedliche Länder Lateinamerikas repräsentierten. Sie zeichneten sich durch die pulsierende Vitalität der Rhythmen aus und sprühten geradezu vor Lebensfreude in der temperamentvollen Interpretation der Stadtkapelle. „Las Playas de Rio“ von Kees Vlak entführte die Zuhörer an die Strände von Rio mit ihren vielfältigen Einflüssen. Prägnante Motive in dunklen Farben und federnde Spannung fanden sich im ersten Satz, nach dem Trocadero-Strand benannt. Danach leiteten groovende dunkle Bläser in den nächsten Satz ein. Charakteristisch war hier der Wechsel zwischen Spannung und Ruhe, aus der dann sofort wieder neue Spannung erwuchs. Er wurde subtil eingeleitet durch ein helles Querflötenthema über einem durchlaufenden rhythmischen Modell der Trommeln. Bossa nova-Zitate waren kennzeichnend für diesen „Ipanema“ genannten Satz. Packende Rhythmen voller Schwung ließen die Zuhörer in die Partyszene von Copacabana eintauchen, zu den Klängen verschiedener lateinamerikanischer Tänze. Unüberhörbare Spielfreude klang auch aus der Leben sprühenden Musik von „Y ahora la conga“, einem Tanz, der in den 1920er und 1930er Jahren in New York populär wurde. Mit einer Blues-Brothers-Revue bedankte sich die Stadtkapelle für den lang anhaltenden Applaus des Publikums.

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