Handball
Baus rettet Zweibrücker Oberliga-Damen einen Punkt
59:00 Spielminuten steht da auf der Anzeige in der Ignaz-Roth-Halle. Rüdiger Lydorf, Trainer der Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken, gibt die grüne Karte am Zeitnehmertisch ab. Das Signal ertönt, letzte Auszeit. 20:22 liegen die Zweibrückerinnen da zurück. Die Rückkehr in den Oberliga-Spielbetrieb scheint nicht von Erfolg gekrönt. Noch eine Minute. Es ist die Minute der Janine Baus, die ihrem Team das 22:22 (9:9)-Unentschieden rettet.
Zweimal steigt sie in dieser Minute noch hoch, die ehemalige Hochspringerin und Speerwerferin in SV-Diensten. Und trifft. Zum 21:22 unmittelbar nach Wiederanpfiff der Partie. In der Auszeit hat Lydorf die Wurfverantwortung auf die Schultern von Baus gelegt, die sich in den 59 Minuten zuvor schon Bestnoten verdient hatte – und eine offene Deckung angeordnet. Kaum erneut angepfiffen, stoppt Baus den Wellinger Angriffsversuch, klaut mit ihren langen Armen der Gegenspielerin den Ball. Alles nach vorne, Torhüterin Daphne Huber kommt raus. Zweibrücken setzt – im Frauenhandball eher selten zu sehen – auf die siebte Feldspielerin. Marie Kiefer übernimmt die zweite Kreisposition. Links wird die Überzahlposition geschaffen, nach rechts gepasst. Baus steigt hoch, und mit der Schlusssekunde trifft sie zum 22:22-Endstand.
SV-Trainer Lydorf setzt zu einem dicken Aber an
Wäre nicht so laut gejubelt worden in der Halle, man hätte wohl manchen Stein vom Herzen fallen hören. „Wenn man eine Minute vor dem Abpfiff zwei Tore hinten liegt, muss man mit dem Unentschieden wohl zufrieden sein“, meint Lydorf tief durchatmend. Zwei Serien haben gehalten: Er blieb auch in seinem siebten Auftaktspiel als Zweibrücker Oberliga-Trainer ungeschlagen, und seine Mannschaft bleibt im 23. Monat in Folge zu Hause unbesiegt.
Noch mal tiefes Durchatmen. Dann kommt das Aber. „Wenn man ehrlich ist, hätten wir die Partie gewinnen müssen“, findet Lydorf und hat dabei die Phase ab der 41. Minute im Blick. Da egalisierte die neue SV-Spielmacherin Lucy Dzialoszynski, die gut in diese Rolle gewachsen ist, zum 14:14. Die Zweibrückerinnen, denen im ersten Durchgang anzumerken war, dass sie lange nicht gespielt haben, die unsicher wirkten in ihren Entscheidungen, in ihren Abschlüssen, im Aufgaben verteilen in der Defensive, fanden jetzt ins Spiel.
Gäste-Torfrau Wolf die Schienbeine blau geworfen
Baus zum 15:14. Gegenstoß für den SV 64 – vergeben. Antonia Schmitz setzt den Siebenmeter für den körperlich sehr präsenten Aufsteiger aus dem Rheinland an den Pfosten; Annalena Frank, noch gehandicapt durch eine Handverletzung aus der Vorbereitung, erhöht auf 16:14, und per Strafwurf bringt Marie Kiefer die Zweibrückerinnen zu diesem Zeitpunkt längst verdient mit 17:14 in Führung. Wellings Trainer Lukas Hürther nimmt eine Auszeit, fordert von seiner Abwehr, wieder so zuzupacken wie in Durchgang eins. Die SV-Damen erarbeiten sich dennoch Chancen, nutzen sie aber nicht. Gegenstoßchance um Gegenstoßchance bleibt liegen. Welling gleicht aus.
Lydorf nimmt seine erste Auszeit im zweiten Durchgang. „Das gibt es doch nicht, wir werfen der die Schienbeine blau“, moniert er. Wellings eingewechselte Torhüterin Hannah Wolf macht nichts, bewegt sich kaum und wird ein ums andere Mal angeworfen. Die Rheinländerinnen gehen in Führung, aber dann kommt eben noch die besondere Minute von Janine Baus ...
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Zahm, Huber (ab 26.) - Baus (9), Dzialoszynski (4), Kiefer (4/2) - Schlicker (1), Zimmermann - Lauer – Frank (3), Jänicke, Döttling, Müller (1)
TV Welling: Ungefug, Wolf (ab 40.) - Daun (1), Adams (1), Schmitz (10/6) - Laubenthal (1), Bender (1) - Schmitt (1) – Gilgenbach (1), Rickert, Eiffler (4), Müller, Koch (2)
Spielfilm: 4:4 (14.), 4:6 (21.), 7:9 (26.), 9:9 (Halbzeit), 14:14 (42.), 17:14 (46.), 17:17 (50.), 20:22 (59.), 22:22 (Ende) - Zeitstrafen: 2:4 - Rote Karte: Daun (51./dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 4/2 - 9/6 - Beste Spieler: Baus - Schmitz - Zuschauer: 100 - Schiedsrichter: Bentz/Weiler (Pfälzer HV).