Zweibrücken / Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Bau statt Krankenhaus: Eine junge Frau sattelt von der Pflegerin zur Maurerin um

Anerkennend schaut Andreas Schaffrick, wie geschickt seine junge Kollegin Celine Bauer bereits den Split verteilt.
Anerkennend schaut Andreas Schaffrick, wie geschickt seine junge Kollegin Celine Bauer bereits den Split verteilt.

Statt ihre Ausbildung zur Kinderkrankenschwester abzuschließen, ist sie zum Zweibrücker Bauunternehmen Scharding gewechselt: Die Pirmasenserin Celine Bauer will das Maurerhandwerk lernen.

Es staubt mächtig: Vor dem Einfamilienhaus am Fasanerieberg steht ein kleiner Laster, von der Ladefläche herab schaufelt ein Mann schwarzen Split auf den unbefestigten Gehweg. Am Boden zieht eine junge Frau mit einem Richtholz, ruhigen Händen und konzentriertem Blick das Ausgleichsmaterial zu einer akkuraten Ebene, auf der später dann Pflastersteine verlegt werden sollen.

Celine Bauer ist 17 Jahre alt und als junge Frau eine echte Ausnahme in der Branche: Gerade hat sie den ersten Teil ihrer Ausbildung zum Maurer – „Maurerin sage ich eigentlich nie“, erwähnt sie lächelnd – begonnen: Zwei Jahre lang wird sie zunächst die Ausbildung zur Hochbaufacharbeiterin machen, an die sich dann noch ein drittes Ausbildungsjahr zum Maurer anschließen soll. „Das ist bei uns im Unternehmen grundsätzlich so“, erklärt Gabriele Leiser, rechte Hand der Geschäftsführung, warum die junge Dame nicht direkt in die dreijährige Ausbildung zum Maurer- und Betonarbeiter startete. Celine Bauer ist die einzige Frau im Kammerbezirk Pfalz, die derzeit für diesen zweijährigen Lehrberuf in der Rolle eingetragen ist. Zwei weitere Damen aus dem Kreis Kaiserslautern beziehungsweise dem Kreis Kusel haben aktuell die dreijährige Ausbildung begonnen. Zur Relation: Außer ihnen lernen derzeit 125 Männer im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer Pfalz diesen Beruf.

Mittlere Reife mit einer glatten Zwei

Dass Celine Bauer eines Tages im Bauhandwerk glücklich werden würde, war eher nicht abzusehen: „Anfang der zehnten Klasse habe ich sogar noch überlegt, ob ich überhaupt schon eine Ausbildung machen soll oder lieber etwas studiere. Da dachte ich schon an einen sozialen Studiengang. Mitte des Schuljahres war mir dann klar, dass ich keine Lust mehr auf Schule habe.“ Also hat sie sich nach ihrer Mittleren Reife mit dem respektablen Notenschnitt von 2,0 um eine Ausbildung zur Pflegekraft beworben.

Erfolgreich: „Ich hatte vor, Kinderkrankenschwester zu werden, wollte den Kleinen einfach gerne helfen“, erzählt sie. Schnell hat sie ihre Entscheidung bedauert: „Man sollte unbedingt immer erst ein Praktikum machen“, ist ihr Tipp an Altersgenossen. Denn erst während der Ausbildung hat sie erkannt, dass ihr der Beruf nicht wirklich liege, weil es ihr schwergefallen sei, auf die Patienten zuzugehen, sich mit ihnen zu unterhalten.

„Keine Ausbildung ohne Praktikum“

Also hat sie konsequenterweise die Ausbildung abgebrochen, um einen Beruf zu finden, der wirklich zu ihr passt. Bei der Berufsberatung habe der Test am Rechner dann neben „Bestatter“ auch etliche Bauberufe ausgespuckt. Daraufhin hat sie sich mit diesen Berufsfeldern näher auseinandergesetzt und ist beim Maurer hängengeblieben. „Aber diesmal wollte ich unbedingt zuerst ein Praktikum machen.“ Bei der Zweibrücker Bauunternehmung Scharding hat man sich über ihre Bewerbung gefreut: „Sie ist schulisch den jungen Herren weit voraus“, sagt Bauleiter Gerhard Adam über die junge Mitarbeiterin. Es gebe immer so viele Bewerbungen von jungen Männern mit derart schlechten Hauptschulabschlüssen, dass man da eigentlich gar nicht draufschauen müsse.

Welche Voraussetzungen müssen Bewerber mitbringen? „Eine Drei in Mathe und eine Vier in Deutsch sind das Mindeste. Schließlich sollte man den Dreisatz beherrschen, mit ein paar Zahlen umgehen und etwas lesen und schreiben können. Schließlich muss man ja auch Baupläne verstehen. Und kommunikativ sollten sie sein“, formuliert Gabriele Leiser die Anforderungen an die Bewerber und Bewerberinnen.

Für den Betrieb keine extra Aufwendungen

Aber Celine Bauer habe eben nicht nur eine gute schulische Basis mitgebracht: Sie beweise sich auch in der Praxis auf dem Bau, wie Gerhard Adam betont. Und zwar nicht erst seit dem 1. August: Im März hat sie die ersten zwei Wochen Praktikum gemacht, dann erst um drei Wochen verlängert und dann gefragt, ob sie die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn ebenfalls im Unternehmen überbrücken könne.

„Für uns war es sehr außergewöhnlich, dass sich ein Mädchen für diesen Beruf interessiert. Also haben wir zunächst bei der Kammer angefragt, ob wir besondere Vorkehrungen treffen müssen: Eine extra Toilette oder Dusche hätten wir nicht einrichten können. Aber wir waren überrascht: Es ist nur notwendig, dass die Sanitärräume abschließbar sind. Wir mussten also gar nichts extra vorbereiten“, schildert Gabriele Leiser, dass es gar keine Hürden für das Unternehmen gab.

„Mehr Muskeln und Ausdauer“

Und wie reagieren andere? „Meine Familie war erst skeptisch“, erzählt Celine Bauer. Aber mit den Kollegen gebe es überhaupt keine Probleme, was auch Andreas Schaffrick, als Landschaftsgärtner ihr heutiger Teamkollege beim Wegpflastern, sofort bestätigt: „Der einzige Unterschied ist, dass wir vielleicht gerade am Anfang ein bisschen mehr darauf achten, dass sie nicht so schwere Sachen heben muss. Aber auch junge Männer, die gerade von der Schule kommen, sind meist froh, wenn sich die acht Stunden im Stehen hinter sich bringen.“

„Ich merke schon, dass sich in den letzten Monaten mehr Muskeln aufgebaut haben und ich auch schon mehr Ausdauer habe“, sagt Celine Bauer, und fügt hinzu: „Wir arbeiten aber ohnehin schon möglichst körperschonend.“ Das bestätigt auch Bauleiter Adam: „Anders als früher laden wir normalerweise keine LKW mit 50-Kilo-Säcken mehr mit der Hand ab.“ „Und wenn wir mal einen 120 Kilogramm schweren Stahlträger haben, dann darf ich meistens noch in die Mitte“, ist Celine Bauer dann dankbar, dass ihr die Kollegen zugestehen, dass es etwas Zeit braucht, bis sie auch richtig stark ist. „Ich merke aber schon, dass ich viele Dinge, die ich anfangs nur mit zwei Händen anheben konnte, inzwischen mit einer Hand packe.“

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