Zweibrücken
Ausstellung im Mannlich Haus: Vielfältige Kunst
„Mein Fokus liegt auf Druckgrafik und Zeichnen“, sagt die 1966 geborene Engländerin Joanna Whittaker-Simon, die bereits als Kind nach Deutschland gekommen und in Bad Kreuznach aufgewachsen ist. „Ich habe diese Technik bei Exkursionen im Rahmen meines Studiums als 20-Jährige in Lucca kennengelernt, wo ich mit einer selbst geschnitzten Rohrfeder und Tusche gezeichnet habe. Ich bin ihr immer treu geblieben, auch wenn man in der Ausübung der Technik souveräner wird“, sagt Whittaker-Simon. „Ich hab’ einen grafischen Stil, ich brauch’ Linien.“
Gezeichnet hat Whittaker-Simon schon von früher Kindheit an, auch ihr Berufswunsch stand bereits mit sechs Jahren fest: „Ich möchte Kunstlehrerin werden.“ Ihr Kunststudium hat die Lehrerin am Hugo Ball Gymnasium in Pirmasens, wo sie seit 30 Jahren tätig ist, an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz und im walisischen Aberystwyth absolviert. Als künstlerische Vorbilder nennt sie Horst Jansen, Paul Nash, Vincent van Gogh und Paul Slevogt.
Die Farbe kommt am Schluss
Grundlage ihrer Arbeiten sind selbst geschossene Urlaubsfotos. „Ich lade sie auf den Bildschirm hoch. Ich hab’ immer Tusche und Feder parat und dann zeichne ich, was ich sehe“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise. „Sobald es getrocknet ist, kommt die Farbe dazu, immer Aquarell.“ Außerdem arbeitet die Künstlerin immer in Serien. „Zum Beispiel zum Thema Portugal, bis ich das Material ausgereizt habe.“ Zur Veranschaulichung hängen als lange Bahnen zwei Tuschezeichnungen in der Ausstellung, auf denen man erahnen kann, wie ein späteres Bild aussehen würde.
Typische Urlaubslandschaften wie Berge, Meer und blauer Himmel finden sich auf mehreren ihrer Bilder. Zerklüftet ragen dunkle Berge um eine tiefblaue Bucht mit weißen Stränden auf, leuchtendes Rot und Gelb dazwischen könnte vulkanische Aktivitäten erahnen lassen.
Szenerie von Wolken und Meer
Ein anderes Bild zeigt weiß aufragende Felsen, die sich aus heller Gischt und Wolken hervorheben; tiefblaues Meer und Äther ergänzen die Szenerie. Ein beschauliches Idyll hält Whittaker-Simon in einer weiteren Arbeit fest, in der Küstenpflanzen sich detailgetreu vor einem Meerhintergrund abheben. Bedrohlich wirkt dagegen ein Bild, in dem düstere Gewitterwolken über Stadt und Meer dräuen.
„Ich habe einen Männerberuf gelernt“, sagt die 1963 geborene Zweibrückerin Ute Neumüller, die eine Ausbildung als Steinmetz und Steinbildhauer an der Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern absolviert. Dann aber hat sie den Beruf nicht ausgeübt, sondern noch ein Fachhochschulstudium Design in Saarbrücken drangehängt. Beruflich schlug sie danach einen völlig anderen Weg ein und arbeitete 38 Jahre in der JVA in Zweibrücken, 20 Jahre davon in der Arbeitstherapie. „Das ist eine Welt für sich“, erinnert sich die Künstlerin. „Dort hab’ ich zwei Ausstellungen organisiert, mit Arbeiten von Gefangenen und von örtlichen Künstlern.“
Vorbild Niki de Saint-Phalle
Neumüllers Arbeiten sind in warmen, dunklen Erdtönen gehalten. „Stein hat mich schon immer fasziniert, aber seit Mitte der 1980er Jahre sind eher Ton, Beton und Porzellan meine Materialien“, sagt die Bildhauerin.
Die Skulptur „Madame 2 – Ton liebt Beton“ erinnert sofort an ein großes Vorbild von Neumüller, die Künstlerin Niki de Saint-Phalle. Die üppigen fraulichen Formen mit dem breiten Becken und den schwellenden Hüften sind in dunklen, warmen Tönen gehalten; helle Striche deuten ein Korsett an, das eine „Wespentaille“ betont, aber auch auf eine Stütze hinweist. Die weit geöffneten erhobenen Arme erinnern an eine umfassende Umarmung. „Diese Nanas, das sind absolute Lieblingsmotive von mir“, schwärmt Neumüller. Ebenfalls den „Nanas“ verpflichtet, wenn auch weniger deutlich, ist die Figur einer „Tänzerin“. Gefertigt ist sie aus Ton, an der Scheibe gedreht. Danach erst modelliert Ute Neumüller sie zu Frauenfiguren aus. „Ich krieg’ da mehr Schwung rein in die Figur und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen“, begründet Neumüller ihre Vorliebe für dieses Vorgehen.
Inspiration von Giacometti
Das genaue Gegenteil davon sind hochragende, fast stelenartige überschlanke Figuren, inspiriert von Arbeiten von Giuseppe Giacometti. Aber auch hier handelt es sich ausschließlich um Frauenfiguren. Exemplarisch für diesen Stil ist Neumüllers Tonplastik „Natur“. Die Skulpturen von „Holz liebt Ton 1 - 3“ gehören ebenfalls zu dieser Werkgruppe und versinnbildlichen ein weiteres Gestaltungsprinzip von Neumüller. „Ich kombiniere auch mal gern Ton und Beton zu Skulpturen und verwende auch Fundstücke, zum Beispiel aus Holz, die ich mit Ton verarbeite.“ Einen auffallenden Gegensatz dazu bilden hell leuchtende Frauengestalten aus Porzellan, die das breite Spektrum von Ute Neumüllers Skulpturen abrunden.
Info
Mannlich Haus Zweibrücken, bis 27. Juni immer samstags von 15 bis 18 Uhr.