Zweibrücken Auf Beschaffungstour

Fünf Monate lang zogen ein 38-jähriger Mann aus der Vorderpfalz und eine 30-jährige Frau aus Zweibrücken über die Jahreswende 2016/2017 durch die Region. Sie nächtigten, ohne zu bezahlen, und beschafften sich Geld durch Einbrüche. Vor dem Landgericht Landau begann am Dienstag der Prozess gegen das Drogen-Pärchen.
Die Staatsanwaltschaft legt den beiden 14 Taten zur Last. Gleich zu Prozessbeginn räumten ihre Verteidiger die Vorwürfe ein. Kennengelernt hatten sie sich 2016 in einer Südpfälzer Entzugsklinik. Weil sie rückfällig waren, wurden sie aus der Therapie geworfen und taten sich zusammen. In der Familie des 38-Jährigen lief es gut – bis der Vater Anfang der 1990er-Jahre wegen Steuerhinterziehung eingesperrt wurde. „Das hat mich heruntergerissen“, sagte der Angeklagte. Bis heute zahle er Schulden seines Vaters ab. Er habe die Schule geschwänzt, geklaut und mit elf Jahren begonnen, Cannabis zu konsumieren. Als er 15 war, kamen Heroin und Kokain hinzu. In einer ersten Haft Ende der 1990er-Jahre habe er einen Entzug geschafft. Wenig später sei er wieder auf Drogen gewesen. Anfang der 2000er-Jahre habe er während einer Entzugstherapie die Mutter seiner Tochter kennengelernt. Doch beide seien rückfällig geworden. 2011 geriet er in Ermittlungen wegen eines Doppelmordes und erlebte einen SEK-Einsatz. „Das hat mich wieder auf den Weg gebracht.“ Umso mehr, als seine Tochter geboren wurde. Doch er habe die Finger nicht von den Drogen lassen können. Das Geld dafür habe er sich aus Straftaten beschafft. Wieder in Haft, habe ihm 2016 seine damalige Lebensgefährtin „das Kind in die Hand gedrückt“ und sich davon gemacht. Jetzt lebt die Kleine bei der Oma. Die 30-jährige Zweibrückerin war 2001 mit ihrer Familie aus Sachsen-Anhalt in die Südwestpfalz gezogen. Eine Lehre ging schief. Den Realschulabschluss konnte sie nicht nachholen, weil sie ein Kind bekam. 2008 habe sie begonnen, Heroin zu konsumieren. Seither lebe ihre Tochter bei der Großmutter. Mit elf Jahren konsumierte sie das erste Mal Cannabis. Später habe sie Amphetamine eingeworfen, mit 16 kamen Kokain und Heroin dazu. „Von meinem Taschengeld konnte ich die Drogen bezahlen“, berichtete sie. Seit anderthalb Jahren sitze sie in Untersuchungshaft. Derzeit gebe es keine Pläne für eine Drogentherapie. In drei Gemeinden im Kreis Südliche Weinstraße und im Kreis Bad Dürkheim sollen die Angeklagten Zimmer gemietet haben. Die Quartiere hätten sie von dem durch Einbrüche erbeuteten Geld bezahlen wollen. Das sei aber schon für Drogennachschub ausgegeben gewesen. Sie hätten sich, ohne zu zahlen, aus dem Staub gemacht. Verantworten muss sich die 30-Jährige außerdem noch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Körperverletzung. Bei einer Verkehrskontrolle im Saarland soll sie den Zündschlüssel des Streifenwagens gestohlen und sich heftig gewehrt haben, als sie gefasst wurde.