Zweibrücken
Auch ohne Straußjugend: In Niederauerbach wird geknibbelt
Zur Vorbereitung der Niederauerbacher Kerwe treffen sich mehr als 30 Helfer, um die bunten Papierbänder für den Kerwestrauß zu knibbeln, der am Samstag vor der Kerwerede am Vereinslokal, der alten Brauerei Grund, aufgehängt wird.
„Wir wollen klarstellen, dass es in diesem Jahr zwar seit Langem keine Straußbuben mehr gibt, aber trotzdem eine Auerbacher Kerb“, sagt Nadine Sefrin. Die Pressewartin des Musikvereins hat früher selbst die Kerwerede verlesen. Sie ist mit ihrem Baby ins protestantische Gemeindehaus nach Niederauerbach gekommen, um mitzuknibbeln. Viele junge Niederauerbacher, die früher in der Straußjugend aktiv waren, sind mittlerweile Eltern oder aus beruflichen Gründen nicht mehr in der Lage, sich in der Straußjugend zu engagieren. Einige sind auch aus Niederauerbach weggezogen. Es fehlt der Nachwuchs, der in diesem Herbst den Umzug und die Kerwerede gestalten könnte – und den Strauß knibbelt.
Keine 16-Jährigen bei Straußjugend zugelassen
Und noch ein wichtiges Detail, warum Nachwuchs fehlt, erklärt Musikvereinsvorstand Thomas Ewert: „Bei uns in Niederauerbach wurden und werden nur Volljährige in die Straußjugend aufgenommen.“ Anstatt also beispielsweise 16-Jährige aufzunehmen und einige Jahre an die Straußjugend zu binden, hat man sich nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen – Nadine Sefrin: „Die sind dann für alles selbst verantwortlich“ – dazu entschieden, lieber auf Nummer sicherzugehen. „Das unterscheidet uns auch von anderen Dörfern“, meint sie.
Dass es 2025 keine Straußbuben mehr geben werde, habe sich laut Sefrin und Ewert seit Jahren abgezeichnet. „Wir haben immer wieder jemanden gefunden, den wir überreden konnten, beispielsweise die Rede zu halten“, sagt Nadine Sefrin. Jahrelang tat dies unter anderem Marcel Hoffmann, aber auch Patrick Ebert. Ob die Niederauerbacher es schaffen, einen der beiden oder gar beide noch einmal zu überreden, in diesem Jahr die Kerwerede aus dem Fenster der Brauerei Grund zu lesen, steht in den Sternen. Aber egal, wie es ausgeht: Auch ohne Straußjugend wird es sowohl einen kleinen Umzug am Samstagabend als auch eine Kerwerede geben, verspricht Sefrin.
Das Programm am Samstag und Sonntag
Was es außerdem geben wird bei der Kerwe vom 6. bis 8. September: Das bekannte Zelt hinter der ehemaligen Sparkasse Auf dem Kissel. Dort spielen am Samstagabend die B-Town Boogie Boys aus Bechhofen ab 20 Uhr. Dort findet am Samstagmorgen auch der Gottesdienst um 10 Uhr statt und der Frühschoppen ab 11 Uhr, der zum ersten Mal musikalisch vom Orchester des Musikvereins begleitet wird. Der Musikverein organisiert dann einen Kaffee- und Kuchenverkauf.
Ebenfalls zum ersten Mal ist am Sonntag ein Second-Hand-Basar für Baby- und Kinderkleidung sowie -spielzeug im Zelt. Von 14 bis 16.30 Uhr können auch Besucher dort ihre Sachen verkaufen. „Viele von uns, unter anderem ehemalige Straußbuben, haben jetzt Kinder. Da hat sich das angeboten“, erklärt Sefrin. Am Nachmittag spielen die Schwarzen Husaren aus Kleinsteinhausen Blasmusik, am Sonntagabend tritt die Combo Red Couch auf.
Seit 1970 organisiert der Musikverein die Niederauerbacher Kerb. Zuerst im Hof des Gasthauses Sutter, seit 1988 hinter der ehemaligen Sparkasse Auf dem Kissel. Seit zwei Jahren ist die Gastronomie im Zelt für Samstag und Sonntag ausgelagert an einen externen Anbieter, weil der Verein nicht mehr genügend eigene Helfer findet. Die Leberknödel und Würste, die es am Montagmittag im Zelt gibt, bietet der Verein aber wieder selbst an. Dann spielt auch das Niederauerbacher Urgestein „de Auerbacher Bernd“.