Zweibrücken
Arundosquintett: Die Melodien fließen wie Honig
Spontane Sachen sind manchmal die besten. Das können die fünf Musiker des nordrhein-westfälischen Arundos-Bläserquintetts sicher unterschreiben. Sie lernten sich zufällig während ihres Studiums an der Musikhochschule Köln und an der Deutschen Oper am Rhein kennen. Sie merkten, dass sie dieselben musikalischen Ideale und Werte haben.
Wie sonst ließe sich ihr akkurat-virtuoses Zusammenspiel erklären, mit dem sie den rund 80 Zuhörern immer neue Klangwelten öffnen? Mozarts Ouvertüre aus der Oper „Die Zauberflöte“ ist leicht, fließend und flink. Das schaffen die fünf Musiker vor allem dank ihrer Instrumente – und natürlich dank ihres Könnens. Oft halten sie Blickkontakt, oft wäre es nur ein Hauch, auf den es ankommt. Ein Wimpernschlag kann weltbekannten Stücken wie diesem das Rückgrat brechen.
Bienenschwarm vor Augen
Vorausgesetzt, es wäre ein falscher Ton dabei. Aber die sucht man vergebens. Anna Saha (Querflöte) schafft klangliche Momente des Taumelns, fast des Fallens, wenn sie sich mit vielen Schnörkeln immer weiter nach oben schraubt. Für Anna Saha, die vor der Querflöte zuerst Geige und Klavier lernte, ist das Konzert auch wegen des Ortes interessant. „Wir haben mit dem Quintett noch nie so nah am Saarland gespielt“, freut sie sich. „Das ist für mich besonders, weil ich Saarländerin bin“!, sagte die geborene Saarbrückerin.
Jacques Iberts „Trois pièces brèves“ (drei kurze Stücke) bringen mannigfaltige Klangströmungen zu den Zuhörern. Der zweite Satz entfesselt einen wilden Klang, und wird dann sogar noch ausgelassener. Man hat das Bild von einem Bienenschwarm vor Augen. Die Oboe von Yoshihiko Shimo wirbelt und speit Töne mit einer solchen Geschwindigkeit aus, dass einem schwindlig wird.
Wie in Trance
Christine Stemmler an der Klarinette, Lisa Rogers (Horn), die in Denver aufgewachsen ist, und Yuka Kamo am Fagott lassen das Ensemble ihrem Namen gerecht werden. Die fünf Musiker, die seit neun Jahren zusammen spielen, verstehen es, die unterschiedlichsten Atmosphären zu den Leuten zu transportieren. Manchmal, wie im Quintett op. 91 Nr. 3 in D-Dur von Anton Reicha, sind ihre Instrumente wie ein zarter Windhauch. Sie scheinen sich zu liebkosen, scheinen in einer sanften Berührung zu verharren. Besonders Oboe und Querflöte malen sanft-verspielte Farben des Klangs.
Es ist erstaunlich, wie wandelbar das Quintett ist. Die Instrumente bäumen sich auf, der Klang wird wilder, scheint in einer Trance zu verharren. Dann sind da leichte, ausgeformte Momente, in die man sich fallen lassen kann.
Mystisches Klangbild
Einige Zuhörer haben die Augen geschlossen und lassen sich treiben von diesen Strömungen. Manchmal hat man auch gar keine Wahl, denn man weiß oft sowieso nicht, wo man landet. Carl Nielsens Quintett op. 43 vereint in der Interpretation des Arundosquintetts zunächst klangliche Süße. Die Melodie ist leicht und fließend wie Honig. Nach ein paar Augenblicken verwirbeln sich die Klangarme, alles wird zu einem abstrakten Sandsturm. Der dritte Satz zieht einen in eine Welt voller Geheimnisse, voller Ahnungen, aber keinerlei Sicherheiten. Ein mystisches Klangbild erhebt sich. Man fragt sich: Was kommt als nächstes?
Denn eine Stärke der Musiker liegt darin, immer wieder zu überraschen. Auch wenn man die Lieder kennt – in ihrer Interpretation hört man selbst die „Zauberflöte“ noch mal neu.
Filmreifes Drama
Die „sechs Bagatelle“ von Ligeti manifestieren ein helles Ziepen, so effektvoll wie in einem filmischen Drama. Die bedrohliche Grundstimmung könnte auch aus der Filmmusik zu einem Thriller stammen. Dann sausen auf einmal abwechselnd pfeilschnell helle und tiefe Töne durch den Wintergarten. Sie muten fast psychedelisch an.
Die Musiker haben gezeigt, dass Blasinstrumente oft zu Unrecht unterschätzt werden. Sie boten ein vielseitiges, überraschendes und mitreißendes Programm.