Zweibrücken Arbeiten im Paradies

Zweibrücken. Beim diesjährigen Ironman auf Hawaii, der Weltmeisterschaft der Triathleten, am Samstag, 10. Oktober, ist neben dem deutschen Top-Favorit Jan Frodeno auch Zweibrücken wieder vertreten: Oliver Spurzem, Hauptfeldwebel des Zweibrücker Fallschirmregiments 26, nimmt den anstrengenden Wettbewerb der Triathleten bereits zum achten Mal auf sich.
Wie berichtet, qualifizierte sich Spurzem Anfang August bei der Mitteldistanz-Europameisterschaft in Wiesbaden für den Ironman auf Hawaii. Bereits seit Dienstag, 29. September, ist er auf der Insel, um sich vorzubereiten. Man müsse sich sowohl auf das Klima auf der Insel Kona einstellen als auch die Zeitumstellung verkraften, erklärte er im Vorfeld den frühen Abflug. Auf Hawaii sei es jetzt schwül-heiß, und tagsüber habe es mindestens 26 Grad. Dazu trage die Lava bei, die es überall auf der Insel gibt. „Die schwarze Lava saugt praktisch die Sonnenwärme an“, berichtet der 38-Jährige. Auch heiße Winde würden sportliche Aktivitäten erschweren. „Man muss sich mit dem Wetter gut stellen“, sagte er und lacht. 3,9 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, danach ein Marathon mit 42,195 Kilometern – das ist es, was Spurzem am Samstag erwartet. Sein Ziel ist es, den Wettkampf in einer Zeit unter zehn Stunden zu beenden. Er möchte zu den sogenannten „Daylight-Finishern“ gehören. Also zu denjenigen Athleten, die den Wettkampf noch bei Tageslicht beenden. „Wenn es läuft wie im letzten Jahr, dann könnte das schon klappen.“ 2014 war er bei Tageslicht nach 10:07,21 Stunden ins Ziel gelaufen, hatte für die Streckenabschnitte 1:05,01 Stunden (Schwimmen), 5:30,47 Stunden (Rad) und 3:23,23 Stunden (Laufen) gebraucht. Am Ende war er damit 96. seiner Altersgruppe der 37- bis 39-Jährigen gewesen und 465. im Gesamtklassement. Dabei sei ihm auf der Radstrecke ein Reifen geplatzt, das habe viel Zeit gekostet, erzählt er. Geflickt hat er den Schlauchreifen selbst, Hilfe von außen sei nicht erwünscht. Es gebe zwar einige technische Hilfsstationen für den Notfall, die seien aber nur sporadisch auf der Strecke verteilt. Alle 30 bis 40 Kilometer gebe es aber Versorgungsstationen, wo sich die Sportler mit Getränken und Energieriegeln eindecken können. „Es ist wichtig, dass ich auf dem Fahrrad so viel wie möglich esse, damit ich Kraft für den Marathon danach habe“, berichtet Spurzem von seinen Erfahrungen. Urlaubstage werde er auf Hawaii nicht verbringen. „Es bedeutet Arbeiten im Paradies, aber es ist trotzdem Arbeit.“ Trotz seiner großen Erfahrung und seiner Erfolge habe er wenige Sponsoren. „Ich bin halt kein Fußballer“, meint er. Unterstützung bei der Ausrüstung und gelegentliche Finanzspritzen für die teuren Reisen zu den Wettkampforten helfen, das Extremsport-Hobby zu finanzieren. Eine ganz gewöhnliche Trainingswoche Spurzems könnte einen Normalsterblichen zur Verzweiflung treiben. Mehrere Ausdauer- und schnellere Kerneinheiten, sechs Kilometer Schwimmen, 200 bis 300 Kilometer Radfahren und 50 bis 60 Kilometer Laufen absolviert er wöchentlich, um sich auf die legendäre Ironman-Weltmeisterschaft vorzubereiten. Muskelkater bekomme er aber wie jeder andere auch: „Natürlich ist man trainiert, aber der Ironman ist noch mal eine Sache für sich. Da bin auch ich nicht vor Muskelkater gefeit.“ Außer der Einzelwertung treten auf Hawaii auch Militärangehörige als Dreier-Teams an. Da außer Spurzem noch zwei andere deutsche Militärangehörige an dem Wettbewerb teilnehmen, könne auch Deutschland in diesem Jahr an der Teamwertung teilnehmen. „Deutschland hat diesen Titel oft errungen“, unterstreicht er. Mit der Extra-Wertung für Militärangehörige hat sich der Wettbewerb laut Spurzem auf seine Wurzeln zurückbesonnen. „Angefangen hat der Ironman mit drei Militärangehörigen, die in einer Bierlaune auf Hawaii zusammensaßen und darüber stritten, wer der Härteste von ihnen war“, erzählt der Soldat lachend. Um das herauszufinden, ist der Wettbewerb ersonnen worden, der 1978 erstmals über die Bühne ging und seit 1981 als offizielle Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Warum nehmen heutige Athleten diese Strapazen auf sich? „Zum Teil ist es das Abenteuer. Und für jeden Triathleten ist der Ironman auf Hawaii eben der ganz große Traum.“ Oliver Spurzems Lieblingsdisziplin: der Marathon. „Da kann man sich am Schluss noch mal richtig verausgaben.“