Zweibrücken
AOK-Imbiss: Ruth Sprunck hört auf – Was mit dem geheimen Currysoßen-Rezept passiert
Frau Sprunck, 36 Jahre haben Sie den Imbiss betrieben. Wie ist es dazu eigentlich gekommen?
Ich habe die Schule mit dem Hauptschulabschluss beendet. Schon damals wollte ich unbedingt Verkäuferin werden. Mit 15 Jahren habe ich dann bei der Metzgerei Besenbruch in der Oselbachstraße gelernt. Es waren harte Jahre, aber es hat mir etwas gebracht. Auch mein Berufsschulabschluss in Kaiserslautern war gut. Dann wollte ich Geld verdienen. Zunächst habe ich sieben Jahre lang in einer Fabrik gearbeitet. Dann haben wir mitbekommen, dass der Imbiss hier zum Verkauf steht und letztlich zugeschlagen.
Den Imbiss gab es also schon vor Ihnen?
Ja. Ganz früher war das der Feix. Der hatte 17 Jahre lang so einen alten Wagen hier stehen – ohne Scheiben. Der hat da drin mit der Zipfelkappe und Handschuhen am Grill gestanden. Das war 1988. Damals waren noch die ganzen Amerikaner da, in der Stadt gab es drei Imbisse und noch keinen Kebab-Laden. Ich habe hier klein angefangen, von morgens um 8 bis abends um 20 Uhr gearbeitet. Durch das Gesparte konnten wir dann irgendwann etwas Neues bauen. Man musste aber immer auf die Stadt wegen der Verträge hoffen.
So wie der Imbiss jetzt aussieht, gibt es ihn also nicht schon seit 36 Jahren.
Nein. So wie er jetzt ist, steht er seit 25 Jahren. Vorher war es ein Verkaufswägelchen.
Sind Ihnen die Stammkunden in den 36 Jahren treu geblieben?
Wir haben viele Stammkunden, die sind auch immer noch da. Mal mehr, mal weniger. Es kommt immer darauf an, wo die Leute gerade arbeiten.
Haben sich die Geschmäcker der Leute geändert?
Ich würde sagen, dass Currywurst noch immer der Renner ist. Wir haben auch einen guten Metzger. Den braucht man, sonst kann man sich gegenüber der Konkurrenz nicht durchsetzen. Gute Produkte und gute Qualität sind unsere Grundlagen.
Um bei der Currywurst zu bleiben: Haben Sie für die Soße ein Geheimrezept?
Das haben wir. Das Rezept verkaufe ich zusammen mit dem Imbiss (lacht). Das gibt es auf einem goldenen Zettel im Briefkuvert beim Notar. Für den Imbiss muss ich aber den Richtigen finden, der das macht.
Sie bekommen jeden Tag das Stadtgeschehen mit. Kommt man da oft mit den Leuten ins Gespräch?
Wir haben meist für solche Gespräche gar keine Zeit. Wir haben hier so viel Arbeit. Ich höre mir die Probleme der Leute gerne an, ab und zu gebe ich dann auch meinen Kommentar ab. Aber nur, wenn ich auch etwas dazu sagen kann und ich mich damit auskenne.
Sie kennen aber Ihre Stammkunden und wissen auch ihre typischen Bestellungen.
Das schon. Ich habe manchmal schon Leute an der Ampel stehen sehen und wusste sofort, dass ich gleich eine Weiße fertig machen und ein Glas Cola einschenken kann. Das weiß man dann. Es gibt Leute, die essen immer das Gleiche. Einer will immer Schnitzel mit Ketchup, der andere eine weiße Bratwurst mit Senf, der nächste holt immer drei Portionen gut gebackene Pommes mit zwei Bratwürsten, Cola und Sprite. Weil wir die Leute kennen, geht es bei uns auch immer schnell.
Welche Geschichte bleibt Ihnen aus 36 Jahren am ehesten in Erinnerung?
Oh weh! Das war ganz am Anfang. Da hatten wir hier noch eine kleine Herdplatte stehen, auf der wir immer die Soßen heiß gemacht haben. Es war kurz vor zwölf und ich bin übers Kabel gefallen. Da sind die ganzen Soßen runtergefallen. Damals waren noch die Amerikaner da, die haben hier die ganze Mauer besetzt. Die Soße ist mir ins Kreuz gefallen, ich habe ausgesehen, das können Sie mir glauben. Gott sei dank ist dann die Kollegin gekommen, ich habe mich schnell noch mal sauber gemacht und neue Soße aufgestellt. Am Ende hat es noch geklappt. Dann hat mal der Grill gebrannt. Damals war ich 25 Jahre alt, hier war noch ein Grill ohne Platte und das Fett ist runter in die Flammen getropft und hat Feuer gefangen. Aber ich habe es hinbekommen und das Feuer gelöscht – und die Würste waren noch gut.
Blicken wir mal auf Ihren anstehenden Ruhestand. Haben Sie schon etwas geplant?
Ich hatte fast noch nie Urlaub. Ich muss jetzt erst mal schauen. Vielleicht miete ich mir einen Caravan und erkunde die Welt. Ich bin ja noch nirgends gewesen.
Freuen Sie sich also auf die Rente?
Ich bin etwas ängstlich. Ich habe ja immer irgendetwas gearbeitet. Im Moment hätte ich daheim noch genug Arbeit, aber wenn das erledigt ist, könnte ich in eine Art Loch fallen. Ich lasse das auf mich zukommen, vielleicht brauchen Sie mich hier ja noch mal (lacht).
Wie ist denn jetzt der Plan für den Imbiss?
Das Konzept und der Laden sollen weiterlaufen. Ich habe mir jetzt den 1. Januar 2025 als Termin gesetzt. Aber wir müssen ja gucken, ob die Leute auch das Geld haben – und ob das mit der Stadt klappt. Der Vertrag wird dann überschrieben. Zuerst muss sich ein geeigneter Interessent finden. Gemeldet haben sich schon etliche, aber wir müssen uns einig werden. Der Imbiss muss auch noch gestrichen werden, vielleicht mache ich das noch selbst.
Sie wollen Ihren Imbiss in guten Händen wissen...
... Ja. Es soll so sein wie jetzt auch. Wenn noch etwas dazukommt, Pizza oder Kebab, ist mir egal. Aber Würstchen, Currywurst und Pommes sollen bleiben.