Zweibrücken
Andreas Peter und Wolfgang Ohler: Irische CD
Als Wolfgang Ohler in der Geschichte „Knitware“ langsam, fast bedächtig ein Haus beschreibt, in dem Sonderbares vor sich geht, hat man direkt Bilder im Kopf. Das Haus mit blauer Tür und grün gestrichenen Fensterläden beherbergt eine alte Frau. „Sie strickt und häkelt an der Zeit. Strickt feine Maschen aus dem gelben Strang, und deren Zwischenräume sind die Stunden und Minuten. Sind die Zeit“, liest er.
Klingt geheimnisvoll, mystisch, atmosphärisch. Ist es auch. Ohler erzählt von einer Irin, die es schafft, einen einzigen Tag zu Mustern zu verweben, „das ein ganzes Leben zeigt.“ Er säuselt und flüstert. Sein Erzählen zieht einen mit jeder Silbe tiefer in ein Geflecht des Außergewöhnlichen. Schnell erkennt man: Viele Geheimnisse umwabern die Iren.
Rauchig klingend Flöte
Die werden von einer rauchig klingenden Low-D-Whistle weitergetragen. Direkt nach der Erzählung springt die CD zum nächsten Track, „Failture“, der in Verbindung zur Geschichte steht: Einem wunderbaren Flöten-Solo von Andreas Peter, das sich in seiner Kraft und Schönheit nach und nach entfaltet: Da sind kleine Wirbel, immer neue Höhen, die Andreas Peter erklimmt. Das Ganze hört sich wirklich irisch an. Das Besondere: Es ist nicht gekünstelt irisch, sondern authentisch, weil bei Andreas Peter viel aus dem Bauch raus passiert. Die Musik lebt bei ihm – die Flöte ist nur das Ausgabemedium.
Alle Instrumentalstücke hat er selbst geschrieben. Die Liedskizzen hatte er im Kopf – aber letztlich liebt er die Improvisation, und das macht die Stücke auch so frei und lebendig. Gleich das erste Stück entpuppt sich als Ohrwurm. Klar umrissen ist die Grundmelodie, mit kleinen Variationen. Musik und Geschichten gehen Hand in Hand, stützen sich gegenseitig und vermitteln irisches Lebensgefühl.
Ein bisschen frech
Herrlich lyrische Ergüsse über Pubs („Du denkst, ein gemütlicher Ort, trinkst dort wie ein irischer Lord“) folgen auf die über den Tod. Trotz dem beängstigenden Thema hat der pensionierte Richter Wolfgang Ohler die Schwingen des leisen Humors darüber gebreitet. Die Gräber der Iren sollen verwittern, „und wir uns über ihren Schädeln tummeln wie auf einem Markt. Die stört es nicht in ihrer ewigen Ruh. Ein Fußtritt hat in Irland Tradition.“ Der letzte Satz kommt schelmisch daher, nonchalant und sogar ein bisschen frech.
Die Geschichten und Gedichte sind nie lang, sind aber wie die Lieder einprägsam und bedeutsam. Alles scheint seinen Platz zu haben auf der CD. Wem die Texte bekannt vorkommen: Ohler veröffentlichte sie 2012 in „Mein irisches lyrisches Tagebuch“ im Echo-Verlag. Das schmale 32-seitige Heftchen in Spiralbindung ist vergriffen. Und so sind Aussprüche wie „24 Stunden Ewigkeit“ wahre Juwelen, von der Musik geschickt umrankt. Und was ist eigentlich mit der Bank? Vor irischen Pubs steht sie und hat einen ganz bestimmten Zweck.
Mystische Klänge
Nachdem der Geschichtenerzähler dies enthüllt hat, gesellt sich der Musiker dazu. Diesmal sind es mystische Klänge, wieder mit der tiefen Flöte nach außen getragen. Andreas Peter hat in „Dust“ ganz feine, sachte und beschwörende Töne auf die CD gebannt. Man hat Sehnsucht im Sinn, eine Reise. Melancholie schlägt Wellen, wenn sich die Melodie zwei Oktaven höher wiederholt. Das feine Echo lässt einen gedanklich in die Ferne schauen. Ein anderes Mal sind es die Klänge einer Bouzouki (eine Art Laute) die sich melodisch aufbauen und immer schneller werden. Auch Susanne Dahler hat kleine Teile der Texte eingesprochen.
CD
- Wolfgang Ohler/Andreas Peter: „Geschichten von der Roaring Water Bay“, 21 Tracks, 50 Minuten, zehn Euro.
- Erhältlich bei Wolfgang Ohler, Telefon 06332/40225, E-Mail: wolfgang.ohler@t-online.de, Andreas Peter, Telefon 06332/43061, E-Mail: andreaspeter@posteo.de, ab Freitag auch in Zweibrücken bei Büro-Concept, Maxstraße 5, Telefon 06332 16033, und Flower Power, Carl-Pöhlmann-Straße 23, Telefon 06332 43886.