Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Amelie Berger: „Die Fans werden mir bei der EM unglaublich fehlen“

Anfang Oktober absolvierten Amelie Berger (beim Wurf) und die deutschen Frauen noch Tests gegen Weltmeister Niederlande (Larissa
Anfang Oktober absolvierten Amelie Berger (beim Wurf) und die deutschen Frauen noch Tests gegen Weltmeister Niederlande (Larissa Nusser, links). Ein Vorbereitungsturnier in Norwegen fiel aber aus.

Zum zweiten Mal in ihrer jungen Karriere spielt Amelie Berger aus Zweibrücken im Trikot des deutschen Nationalteams eine Europameisterschaft. 2018 hatte sie in Frankreich ihre erfolgreiche EM-Premiere gefeiert. Die EM, die am Donnerstag für das deutsche Team mit dem Spiel gegen Rumänien beginnt, wird aber ganz anders.

Mittlerweile sind sie in ihrem dänischen Spielort Kolding angekommen, die deutschen Nationalspielerinnen. An Kolding wird sich mancher Spieler des TV Thaleischweiler erinnern, der dort schon beim großen Jugendturnier auf Torejagd ging. Dänemark statt Norwegen, Kolding statt Trondheim, heißt es für das deutsche Team. Nachdem Norwegen, ursprünglich als Co-Gastgeber eingeplant, erklärt hatte, dass es die EM aufgrund der Corona-Pandemie nicht austragen will, „haben wir natürlich schon mit Spannung gewartet, ob Dänemark die Europameisterschaft alleine austrägt“, erzählt Amelie Berger von der Hängepartie vor dem Turnier. „Wir sind uns bewusst, dass es eine ganz schwierige Situation ist, aber wir freuen uns auch auf die EM“, bekennt die 21-Jährige, dass sie selbst froh ist über die Entscheidung Dänemarks, das Ja zur Austragung sagte.

Viele Tests und Einzelzimmer

Auch für die deutsche Mannschaft war die Situation zuletzt schwierig. Dass Bundestrainer Henk Groener beim letzten Schliff der kompletten Mannschaft in Frankfurt wegen einer Corona-Infektion fehlte und vorerst auch nicht in Dänemark dabei sein kann, ist ein Beweis dafür. Das Team habe sich vorgenommen: „Wir wollen uns jetzt auf das Sportliche fokussieren.“ Unter den gegebenen Bedingungen. Die Diskussion um die Männer-Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten „verfolgen wir natürlich auch“, betont sie. Ganz vergleichbar sei es nicht. Die Herren-WM ist ein Mammut-Turnier mit 32 Teams, die Handballblase deutlich größer als bei den Frauen in Dänemark.

Aber auch in Dänemark gibt das Coronavirus die Bedingungen für den Sport vor. „Das ist in jeder Situation allgegenwärtig“, sagt Berger. Was sie selbst vielen Menschen voraus hat: eine Vielzahl an Corona-Tests. Vor jedem Spiel, zuletzt bei der Ankunft in Frankfurt, jetzt wieder bei der Ankunft in Kolding. „Ganz ehrlich, man gewöhnt sich nicht daran“, berichtet sie, dass sie die Prozedur des Abstrichs nach wie vor als sehr unangenehm empfindet. Aber die ständige Testung ermöglicht es, dass wieder Handball gespielt wird, auch international.

Handball im Ausland unter Corona-Bedingungen spielen, „das kennen wir ja schon“, sagt die Linkshänderin. Dabei habe sich manches verändert. „Wir fahren zum Beispiel mit dem Bus zu den Champions-League-Auswärtsspielen, fliegen nicht mehr“, berichtet die Bundesliga-Spielerin der SG BBM Bietigheim. Übernachtet wird, auch bei der EM, in Einzelzimmern. „Außerhalb des Spielfeldes wird versucht, die Kontakte so weit wie möglich zu beschränken“, verdeutlicht sie. Gilt in der Bundesliga, gilt bei der Europameisterschaft.

In der Blase, ohne Familie

Die findet in einer Handball-Blase statt. Die teilnehmenden Mannschaften werden abgeschottet. Spazierengehen vor einem Spiel – eher nicht möglich. „Die Mannschaften sind in den Unterkünften zum Beispiel strikt getrennt“, erzählt Berger. Sich beim gemeinsamen Essen mal mit Spielerinnen aus anderen Nationen zu unterhalten, „ist diesmal leider nicht drin“, bedauert sie. Und es werden keine Fans vor Ort sein. „Das ist für mich natürlich ganz ungewohnt und wird mir unglaublich fehlen“, bestätigt sie. Gerade in Dänemark und Norwegen, wo der Frauenhandball sehr geschätzt wird, „hatten wir uns natürlich auf Super-Stimmung gefreut“, sagt die 21-Jährige.

Auch ihre handballverrückte Familie, die schon bei der EM in Frankreich und der WM in Japan vor Ort war, muss nun zu Hause die Daumen drücken. 2018 in Frankreich waren auch frühere Teamkolleginnen vom SV 64 Zweibrücken vor Ort gewesen, hatten sie lautstark unterstützt. Beim SV 64 hatte Berger mit dem Handballspielen begonnen. Trainiert wurde sie unter anderem von Martin Schwarzwald (heute Trainer bei Bundesligist TSV Bayer 04 Leverkusen), der vom TV Thaleischweiler nach Zweibrücken gewechselt war. Platz drei bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften war 2014 das Top-Resultat dieser Zusammenarbeit, die in der Frauen-Oberliga ihre Fortsetzung fand. An eine schmerzliche 18:47-Niederlage im Jahr 2014 in Zweibrücken wird sich manche Hauensteiner Handballerin wohl heute noch ungern erinnern.

In Zweibrücken hatte Berger vor dem Bundesliga-Re-Start einige Monate verbringen können. „Auch bei mir hat Corona etwas Positives: Ich konnte wirklich mal wieder sehr lange zu Hause sein“, sagt die Flügelflitzerin, die als 15-Jährige nach Leverkusen gewechselt war. Und sie konnte in dieser Zeit – beim LAZ Zweibrücken hatte sie Top-Trainingsmöglichkeiten – „mal ein paar andere Sachen trainieren. Zum Beispiel den Muskelaufbau“, erzählt sie und freut sich, dass sie richtig fit in die Runde starten konnte.

Vorerst ohne Bundestrainer Henk Groener

Die Bundesliga-Saison hatte noch mit Zuschauern begonnen, längst spielt aber auch die Bundesliga der Frauen ohne Fans. Als die Bietigheimerinnen nach ihrem letzten Champions-League-Spiel aus Budapest zurückkehrten, hieß es dann erstmals auch Handballpause. Quarantäne statt Training und Spiel, da eine der ungarischen Spielerinnen positiv getestet worden war. „Aber mit solchen Umständen müssen alle klarkommen. Auch alle Teams, die jetzt bei der EM spielen“, sagt Berger, die mit den Bietigheimer Nationalspielerinnen durch die Quarantäne etwas verspätet zur Vorbereitung nach Frankfurt reiste. Das in Norwegen geplante Vorbereitungsturnier fiel aus.

Bundestrainer Groener, bekanntermaßen ein Förderer der deutschen Rechtsaußen, muss derzeit coronabedingt zwar passen, was die persönliche Präsenz anbelangt. „Aber über Videoschalten haben wir schon Kontakt“, erzählt Berger. Taktische Besprechungen funktionieren auch so, daneben sorgt Co-Trainer Axel Koke dafür, dass die Spielerinnen fit sind zum EM-Auftakt. Ziel eins heißt laut Berger erstmal: „Hauptrunde.“

Spielplan der Deutschen

- Donnerstag, 3. Dezember, 18 Uhr: Rumänien - Deutschland; Samstag, 5. Dezember, 18.15 Uhr: Deutschland - Norwegen; Montag, 7. Dezember, 18.15 Uhr: Deutschland - Polen.

- alle Spiele im Internet: www.sportdeutschland.tv.

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