Zweibrücken Als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her

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Präzision, Eleganz und Spielfreude, dargeboten in einem oft irrwitzigen Tempo und eingebettet in eine perfekte Ton- und Lichtshow. The National Dance Company of Ireland versteht es, ihr Publikum zu begeistern. Am Sonntagabend waren die Iren mit ihrer Show „Rhythm of the Dance“ zu Gast in der Festhalle in Zweibrücken. Gut 450 Besucher spendeten nach jedem Akt sowie am Ende frenetisch Applaus.

Musik und Tanz aus Irland rangieren schon seit Jahren ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Kein Wunder, geht doch der Rhythmus ins Blut, steckt der Beat zum Mitklatschen und Mitstampfen an. Und das haben die Gäste in der Festhalle in Zweibrücken am Sonntagabend ausgiebig getan. Sie haben sich mitreißen lassen von diesem bezaubernden Ensemble, das so leidenschaftlich die Kultur seiner Heimat wiedergibt. Unterstrichen wird das Ganze durch Bilder – manchmal realistisch, manchmal leicht verfremdet – aus Irland, Abend- oder Morgenstimmungen, die zum Träumen einladen. „Rhythm of the Dance“ ist eine Art Musical, das in groben Zügen auf die irische Geschichte eingeht. Es gibt zwei große Akte mit Szenen, in denen gesungen, musiziert und vor allem getanzt wird. Doch im Grunde spielt es keine große Rolle, was die Akteure darstellen, welche Inhalte sie transportieren wollen, es ist ihre Performance, die beeindruckt. Zum Auftakt ist eine Impression von Newgrange, ein Hügelgrab etwas nördlich von Dublin, im Morgengrauen zu sehen. Acht Frauen und vier Männer betreten die Bühne, gehen auf in dem Rhythmus, den ihnen die Musik vorgibt. Hier wie in anderen Szenen, die noch folgen, fallen die Tänzerinnen und Tänzer in den typischen irischen Stepp. Mit meist kerzengeraden Oberkörpern, den Blick stets nach vorn gerichtet und mit schwachen Armbewegungen lassen die Akteure ihre Füße wie aufgedrehte Kreisel sausen. Das Auge kann den irrsinnig raschen Schritten kaum folgen – ständige Kreuzschritte, Unterschenkel im Knie abgewinkelt hochgedroschen und wieder auf den Boden gestellt, stampfen, springen, hüpfen. Das Ganze passiert meist auf der Stelle oder in Rückwärts- und Vorwärtsbewegungen. Abgelöst wird das Bild von Tänzerinnen in längeren rot-weißen Röcken und roten Oberteilen. Die Primaballerina, die an den Bühnenrand eilt, trägt das irische Landesgrün. Alle lassen die schwingenden Röcke in Offenbachscher Manier wallen – und tanzen immer perfekten Stepp. Weitere Tänzer strömen herbei, manche von ihnen tragen einen Besen, der nachher zum akrobatischen Utensil werden wird. Männlich, kräftig, hart – so kommt die Szene daher, die mit „Der Wettkampf“ überschrieben ist. Die ausschließlich männlichen Akteure tanzen, als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her. Die mal simplen, mal hochkomplizierten Schrittfolgen bringen sie in atemberaubendem Tempo dar. Im Gegensatz zu den Männern, die nur die „heavy shoes“ tragen, also die, die Stampfgeräusche erzeugen, erscheinen die Frauen auch in „soft shoes“, in leichten Ballettschuhen, in denen sie auch elfengleich übers Parkett gleiten können. Unter dem Motto „Die Not der Iren“ erinnern die fast schwebenden Bewegungen an klassisches Ballett. Nur hin und wieder scheinen die irischen Fußstellungen durch. Kommt bei den irischen Darbietungen kaum Paartanz vor, ändert sich die Haltung schlagartig beim Swing. „Die Iren in Amerika“ heißt der Part, in der der Stepp Amerikanisch lernt. Plötzlich biegen sich die Oberkörper nach vorn und zurück, gehen die Arme im Takt mit. Und Männer und Frauen fassen sich an den Händen. Aber nicht nur die Tänzer wissen zu faszinieren. Auch die Musiker zeigen mehrfach, gemeinsam und in Soli, dass sie ihr Fach verstehen. Da ist die Bodhran, eine Rahmentrommel, auf der der Spieler einen Schlegel derwischhaft tanzen lässt. Er scheint fast aufzugehen in seinem Instrument, das den Zuhörer so richtig aufpeitscht. Ob Banjo, Gitarre, irische Flöte oder das kleine Akkordeon, sie reißen in ihren leidenschaftlich interpretierten Melodien einfach mit. Mal melancholisch, mal fröhlich sind die Lieder, die eine Sängerin und ein männliches Duo gekonnt intonieren. Die Texte handeln von der Heimat, von Dublin und natürlich von Liebe und Sehnsucht. In einem furiosen Finale präsentieren sich nochmals Musiker, Sänger und Tänzer. Und ohne eine Zugabe darf das fantastische Ensemble nicht die Bühne verlassen.

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