Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel 800 Besucher feiern die Band Münchener Freiheit

Die Münchener Freiheit verpackte in Zweibrücken einige ihrer alten Lieder in fetzigere Gewänder. So boten die fünf Musiker (link
Die Münchener Freiheit verpackte in Zweibrücken einige ihrer alten Lieder in fetzigere Gewänder. So boten die fünf Musiker (links Frontsänger Tim Wilhelm und Gitarrist Aron Strobel, das einzig verbleibende Gründungsmitglied) eine gute Mischung aus Kuschelatmosphäre und Rock.

Headbangen auf dem Konzert der Münchener Freiheit? Krachende E-Gitarren-Soli? Das geht. Die Münchener Freiheit machte 800 Fans in Zweibrücken ein Riesengeschenk.

Das Gute bei alternden Musikern ist: ihre Anhänger altern meistens mit. Und so sieht man in der Zweibrücker Festhalle viele Gesichter, von denen man denken könnte, dass sie 1986 im Jugendalter waren, als die Münchener Freiheit mit „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ ihren Durchbruch hatte.

Na ja, ein paar Jüngere haben sich auch unter die 800 Besucher gemischt. Das könnte auch daran liegen, dass Bandgründer Stefan Zauner vor 13 Jahren aus der Band ausstieg – und er durch einen neuen, weitaus jüngeren Sänger ersetzt wurde: Tim Wilhelm. Der 46-Jährige ist der Jungbrunnen inmitten der alten Haudegen Aron Strobel, Michael Kunzi, Alex Grünwald und Rennie Hatzke, die alle zwischen 66 und 70 sind. Tim Wilhelm brennt. Er hat eine schier grenzenlose Energie, er springt, tanzt, klettert auf eine Lautsprecher-Box, wirbelt förmlich über die Bühne, als wolle er sich durch den Auftritt den Fitnessstudio-Beitrag sparen.

Viele ihrer Lieder hat die Band moderner, rockiger, mitreißender arrangiert.
Viele ihrer Lieder hat die Band moderner, rockiger, mitreißender arrangiert.

Diese Verjüngungskur hat der Band, die es seit 44 Jahren gibt, außerordentlich gut getan. Viele überraschte, freudige oder gar euphorische Besucher trifft man nach dem zweistündigen Konzert. Der Tenor: Viele hätten nicht gedacht, dass die Jungs der Münchener Freiheit derart abgehen. Sind viele Lieder der Band, die rund fünf Millionen Platten verkauft haben, als Schlager oder sogar Volksmusik deklariert, spürt man das am Freitagabend nur bei ein paar Liedern.

In dem kitschigen Titel „Tausendmal du“ ist trotzdem noch Platz für eine krachige E-Gitarre. Viele ihrer Lieder haben die Münchener Freiheit moderner, rockiger, mitreißender arrangiert. Das Nostalgie-Gefühl geht trotzdem nicht verloren. Denn Songs wie „Tausendmal du“, „Herz aus Glas“ oder das mit dem neuen Sänger im Jahr 2013 aufgenommene Lied „Magnet“ sind da schon ruhiger und kuschliger. Nach einer Dreiviertelstunde flacht die Stimmung ein bisschen ab, und noch mehr ruhigere Songs sind dran. Das stört aber niemanden. Denn das ist es, weshalb viele gekommen sind: Sie wollen die Helden ihrer Jugend zurück – und in live.

Zwischen Lagerfeuer-Stimmung und Party

Und man muss sagen: Das Livespielen haben sie immer noch drauf. Tim Wilhelm verpackt auch die alten Balladen neu und gibt ihnen mehr Energie. Seine Stimme ist treibend, mitreißend, und wird bei den Balladen ganz weich. Bei den Liedern, die sie rockiger interpretieren, kann er aber auch richtig rausfeuern. Plötzlich ist da etwas Raues, Wildes in seinem Gesang. Es geht aber auch beides: Nämlich Kuscheltext mit rockröhriger Stimme und einem wahren E-Gitarren-Feuerwerk beim Lied „Ich brenne für dich“ (2018). An diesem Abend beherrscht die Münchener Freiheit das Spiel zwischen laut und leise, zwischen Lagerfeuer-Stimmung und Party.

Das Nostalgie-Gefühl geht bei dem Konzert trotzdem nicht verloren.
Das Nostalgie-Gefühl geht bei dem Konzert trotzdem nicht verloren.

Hatte man sich vielleicht noch darüber gewundert, dass es hauptsächlich Stehplätze gibt, ist das nach den ersten paar Liedern sonnenklar. Fast alle klatschen und tanzen mit – jedenfalls soweit das geht, ohne den Nachbarn auszuknocken. Tim Wilhelm hat eine grandiose Ausstrahlung. Wenn er seine lange Mähne zurückwirft, ist ihm die Hälfte der Frauen verfallen. Der Sänger trinkt einen kräftigen Schluck Bier („Auf das Wohl des Publikums kann man das!“), wirft seine Haare zurück – und dann knallt die E-Gitarre, und seine Stimme röhrt bei „Es gibt kein nächstes Mal“. Manchmal deutet er auch Headbangen an.

Man sieht die Freude in vielen Gesichtern der Fans und das Glitzern in ihren Augen. Die Besucher sind beschenkt worden an diesem Abend. Die Zweibrücker können sich übrigens gleich doppelt freuen: Denn dank des Festivals Euroclassic ist es die einzige rheinland-pfälzische Stadt, in der die Band dieses Jahr spielt. Sonst geben sie sich nur in Großstädten wie München oder Berlin, die Ehre.

Ein Jubel geht durch die Halle

Nach Liedern wie „S.O.S.“ oder „Ich will dich nochmal“ steuert alles auf ihren größten Hit „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ zu. Als die ersten Töne erklingen, geht ein gewaltiger Jubel durch die Halle. Und auch dieses Lied spielen sie fetziger, als man es von der CD her kennt. Manche liegen sich in den Armen, ein Pärchen hat die Hände verschränkt und reckt sie nach oben.

Das Fazit des Abends: Lange Haare machen noch keine Rockstars. Aber Sänger, die 65 aufwärts sind, sind auch längst noch keine alten Kuschelknacker.

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