Handball
20:31 – Zweibrücker können Homburger Präzision wenig entgegensetzen
Es war eine Szene in der 24. Minute, die am Samstagabend in der mit 950 Fans prima gefüllten Westpfalzhalle die Qualitätsunterschiede zwischen dem SV 64 Zweibrücken und dem TV Homburg deutlich machte: Ex-Bundesliga-Spieler Yves Kunkel eroberte vorgezogen deckend den Ball, kam ins Straucheln und rutschte mit dem Ball in der Hand auf dem Hosenboden Richtung Mittellinie. Homburgs Linksaußen Richard Wilga war im Moment der Balleroberung im Vollsprint losgelaufen. Im Sitzen passte Kunkel den Ball perfekt getimt zu Wilga, der ihn sicher aufnahm, nicht abbremsen musste und den Angriff mit höchster Geschwindigkeit und Präzision zur 12:7-Führung für Homburg verwertete. Am Ende siegte der Spitzenreiter deutlich mit 31:20 (16:8).
„Ich wusste, dass das Zuspiel kommt“, sagte Wilga, der sich in der Westpfalzhalle, die für den früheren VTZ-Spieler „noch immer meine Heimat ist“ sichtlich wohl fühlte. Die linke Angriffsseite mit Kunkel und Wilga steuerte 18 der 31 Homburger Tore bei. Schon vor dem Spiel hatte SV-Trainer Stefan Bullacher Kunkel als den Unterschiedsspieler bezeichnet. Der bestätigte das Qualitätsmerkmal. „Er macht kaum Fehler“, unterstrich Bullacher, und Kunkel warf, wie in der 26. Minute, auch schöne Tore. Der Schlagwurf zum 14:8 begeisterte alle Handball-Fans in der Halle.
Zweibrücker Benny Berz stark im Homburger Tor
Dass Homburg zur Halbzeit bereits deutlich mit 16:8 führte, war auch einem anderen Spieler geschuldet: TVH-Torwart Benny Berz. „Das Verhältnis gehaltener Bälle in Halbzeit eins lautete 8:1. Benny hat die entscheidenden Bälle weggenommen“, sagte Bullacher, der sonst mit der Leistung seines Teams vor der Pause zufrieden war. Gegen Top-Favorit Homburg präsentierte sich das dezimierte SV-Team deutlich engagierter als zuletzt gegen Dansenbergs Zweite. Nur das Manko zu vieler nicht genutzter Chancen bleibt.
„Als der erste Wurf von Tom Grieser aufs Tor kam und ich den gehalten habe, wusste ich, dass das heute ganz gut wird“, freute sich Berz. In einer vollen Westpfalzhalle zu spielen, „macht einfach immer wieder Spaß“, bekannte der 25-Jährige, der in Zweibrücken wohnt. Dass er beim SV 64 eine „sehr, sehr gute Ausbildung bekommen hat, weiß ich absolut zu schätzen“, sagte Berz.
TVH-Coach Ecker freut sich über gute Leistung seines Teams
Bis zum 4:4 hatte Zweibrücken die Partie offen gehalten. Dann musste Fabian Naumann, der mit seiner körperlich robusten Spielweise die meisten Akzente im SV-Spiel setzte, für zwei Minuten auf die Bank. Die Überzahl nutzte Wilga, um die Gäste mit zwei Treffern zum 6:4 in Führung zu werfen. Diesen Rückstand konnten die Gastgeber nicht mehr egalisieren. Max Kroner verkürzte auf 7:10 und bekam ein Extra-Lob von Berz: „Wenn ein 17-Jähriger schon so werfen kann, extrem stark.“ Auch Kroner gehörte zu den Spielern im SV-Trikot, die viel probierten. „Ich hatte ja nichts zu verlieren“, sagte der Linksaußen, der im Spielverlauf auch mal die Spielmacherposition übernahm.
„Wir hatten uns auf ein enges Spiel vorbereitet, waren sehr klar im Kopf. In der ersten Halbzeit lassen wir fünf Tore aus dem Spiel heraus zu, der Rest Siebenmeter, das war schon stark. Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber wir kamen dann in unser Tempospiel“, freute sich Homburgs Trainer Steffen Ecker über die gute Vorstellung seines Teams, für das seit Wochen der Fokus auf dieser Partie lag.
Griesers Verlust in Hälfte zwei schmerzt
Nach dem Seitenwechsel baute Homburg den Vorsprung kontinuierlich weiter aus. Das hatte viel damit zu tun, dass die SV-Abwehr phasenweise gar keinen Zugriff mehr bekam. Vor allem, weil Tom Grieser verletzt vom Platz musste. „Es ging nichts mehr. Das Bein macht komplett zu“, beschrieb der Abwehrchef seinen Zustand. Ein schmerzhaftes Eisbein war ihm verpasst worden. Als Grieser raus musste, Naumann einige Minuten zum Durchatmen benötigte, offenbarte sich ein weiterer großer Unterschied zwischen den beiden Teams: die Bank. „Ja, wir können wechseln, aber nicht ohne Qualitätsverlust“, wusste Bullacher. Das ist bei Homburg – mit Ausnahme des schwer zu ersetzenden Unterschiedsspielers Yves Kunkel – anders.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Foluszny, Zayac (18. - 60.) - Naumann (4), Soos (5/1), Grieser - Hammann (1), Kroner (3) - Meister – Zellmer (3), Finck (3/3), Schimmel, Eberhard (1)
TV Homburg: Berz, Huber (41. - 60.) - Magalhaes (1), Talevski (1), Kunkel (10/3) - Alt (2), Wilga (8) - Durmishi (2) – Glück (1), Mebus (1), Bach (3), Josic (2), Szilagy, Schneider
Spielfilm: 4:4 (12.), 4:7 (15.), 8:12 (25.), 8:16 (Halbzeit), 11:21 (39.), 14:25 (44.), 20:31 (Ende) - Zeitstrafen: 4:6 - Siebenmeter: 5/4 - 3/3 - Beste Spieler: Naumann, Zellmer - Kunkel, Wilga, Berz - Zuschauer: 950 - Schiedsrichter: Meyer/Hemmer (KL-Dansenberg).