Zweibrücken Zweibrücker Terex-Werke werden verkauft
Der Chef aus den USA hatte wiederholt versichert: Die Zweibrücker Kranwerke seien unverkäuflich. Doch es kommt nun anders.
Der US-Baumaschinenproduzent Terex gab am frühen Samstagmorgen den Verkauf der beiden Zweibrücker Werke für die Demag-Auto- und Raupenkrane an den japanischen Mitbwerber Tadano bekannt. Terex beschäftigt in Zweibrücken im Werk in der Stadt und auf dem Wallerscheid rund 1600 Mitarbeitern. Die Werke gehörten 17 Jahre der US-Firma Terex. Nun ist der Verkauf an den japanischen Baumaschinenkonzern Tadano beschlossene Sache.
Japanische Gäste wurden durchs Werk geführt
Der Terex-Vorstandsvorsitzende John Garrison hatte die für diese Woche geplante Analysten-Konferenz zu den Konzern-Jahreszahlen für 2018 kurzfristig abgesagt. Seither mehrten sich Spekulationen über die Hintergründe. Offiziell war weder aus dem Firmensitz in Westport im US-Bundesstaat Connecticut noch von der Standortleitung Zweibrücken etwas zu erfahren. Mitarbeiter berichteten der RHEINPFALZ, dass auffällig viele japanische Gäste in den vergangenen Wochen durchs Werk geführt wurden. Dabei blieb nicht verborgen, dass es sich um Mitarbeiter des Konkurrenten Tadano handelte. Tadano baut seit 1955 Hydraulikkrane. Den richtigen Schub erhielt das Geschäftsfeld Hebetechnik aber erst 1990 mit der Übernahme des deutschen Herstellers Faun. Die auf eine 1845 gegründete Gießerei zurückgehende Fahrzeugfabrik Ansbach und Nürnberg (Faun) firmiert seitdem als Tadano Faun GmbH und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter im fränkischen Lauf an der Pegnitz. Der Umsatz lag im Jahr 2017 bei 287 Millionen Euro.
190 Millionen Euro
Terex Cranes Germany (Zweibrücken) brachte es 2017 auf 420 Millionen Euro, 2009 hatte er allerdings noch bei 779 Millionen gelegen. Die Mutter Tadano, mit Sitz im japanischen Takamatsu, beschäftigt insgesamt gut 3300 Mitarbeiter und wies für 2017 (jüngste Zahlen) einen Umsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar aus. Tadano kündigte vor einiger Zeit strategische Zukäufe an. In Zweibrücken ist man nun fündig geworden. Der Verkaufspreis wurde mit 215 Millionen US-Dollar (190 Millionen Euro) angegeben. Der Kauf ermögliche große Wachstumsmöglichkeiten, sagte der Vorstandsvorsitzende, Koichi Tadano, in einer ersten Reaktion. Bis Mitte 2019 soll der Deal abgewickelt sein.
Standort wird gestärkt, sagen Kenner
Tadanos Mobilkran-Geschäft wächst mit dem Deal enorm. Krantypen, wie sie bislang gar nicht von Tadano Faun angeboten werden, kommen ins Programm. Bei den Autokranen endet das Tadano-Angebot derzeit bei 600 Tonnen Tragfähigkeit. Demag hat den Neunachser AC 1000 mit 1200 Tonnen Tragfähigkeit im Programm. Raupenkrane bietet Tadano-Faun nur mit Teleskop-Ausleger und geringer Tragfähigkeit an. Beim Gittermastkran CC 8800 Twin von Demag können 3200 Tonnen an den Haken kommen. Der Zukauf der Terex Cranes Germany GmbH, der Zweibrücker Werke also, ist ein echtes Mehrgeschäft für die Japaner. Kenner der Kranszene gehen davon aus, dass ein Neu-Eigentümer Tadano den Standort eher stärken wird. Es wird voraussichtlich kein Personal abgebaut. Eine Zusammenlegung der Werke Zweibrücken und Lauf scheint allein schon wegen der Distanz von rund 340 Kilometern unmöglich. Zudem sprechen die besseren Ausbaumöglichkeiten für Zweibrücken.
Bisherige Führungswechsel zwischen Terex und Tadano
Personell gab es immer mal wieder namhafte Wechsel von Demag/Terex zu Tadano Faun und zurück. So wurde Alexander Knecht nach seinem Ausscheiden bei Terex 2009 Vorstandsvorsitzender von Tadano Faun. 2017 schied der langjährige Demag-Chef als CEO in Lauf aus. Den Weg von Demag zu Tadano und zurück fand 2017 Thomas Schramm. Nach dem Ausscheiden von Klaus Beulker im vergangenen Jahr war Schramm bis zur Bestellung des neuen Standort-Leiters Ulrich Strieder im Dezember neben seiner Tätigkeit als Demag-Vertriebschef auch Gesamtverantwortlicher der Zweibrücker Werke.