Worms
Schlosspark Herrnsheim: Sumpfkrebs dominiert im Weiher
Das Wasser ist trübe, Pflanzen sind verkümmert. Der Grund dafür ist der Rote Amerikanische Sumpfkrebs, auch Louisianakrebs genannt. Von rund 1000 Exemplaren ist die Rede. Der promovierte Biologe Jürgen Ott soll nun helfen, den Bestand wieder auf Null zu bringen.
Beim Ortstermin am Dienstagmorgen am Ufer des Weihers im Herrnsheimer Schlosspark, gestaltet von Friedrich Ludwig von Sckell, zieht Jürgen Ott drei Reusen heraus – und in jedem Fangkorb hatte der Köder Katzenfutter einen Roten Amerikanischen Sumpfkrebs angelockt. Bis zum Abend will der Biologe und Geschäftsführer der Gesellschaft für angewandte Landschaftsökologie und Umweltplanung alle 20 Reusen im weit verzweigten Weiher entnommen haben. Er hofft auf eine hohe Fangzahl. Zurück bleiben allerdings die Jungtiere, die durch das Reusengitter in die Freiheit schlüpfen könnten. Die sollen laut Erich Kulling von der Abteilung Grünflächen und Gewässer der Stadt Worms mit einem Schleppseil oder beim Entschlammen des künstlichen Gewässers entfernt werden.
Dass auch der letzte der Art aus dem Weiher entfernt wird, ist das große Ziel. Denn die bis zu 15 Zentimeter großen Allesfresser vernichteten Flora und Fauna, von der Seerose bis zum Fisch- oder Amphibienlaich. „Sogar Frösche packen sie an, halten sie fest und fangen an, sie zu fressen“, berichtet Ott. Fressfeinde wie die Alligatoren in seiner ursprünglichen Heimat Louisiana (USA) hat der wehrhafte Krebs hier nicht. Höchstens Reiher und Storch könnten ihn mit ihrem Schnabel packen. Auch an Krebseier kommen andere Tiere wie Fische nicht. Die haften in einer Art Scherenkorb so lange am Körper des Weibchens, bis sie schlüpfen, erläutert Ott.
Bestand von rund 1000 Krebsen
Bereits am Donnerstag vergangene Woche hat Jürgen Ott erste Reusen ausgelegt, und innerhalb von drei Tagen 36 Krebse gefangen, markiert und wieder in den Weiher gesetzt. Aufgrund der jetzt gefangenen Tiere und dem Verhältnis der markierten zu unmarkierten könne er hochrechnen, wie stark die Population im Herrnsheimer Schlossweiher sei, sagt der Experte. „In etwa rund 1000 Exemplare“, schätzt er vorsichtig den Bestand. Damit sei der Weiher vom Krebs dicht besiedelt, fehlende Scheren und Antennen (Tast- und Sinnesorgan der Krebse) zeugten von Kämpfen untereinander. Durchaus bestehe sogar die Gefahr, dass Tiere auf der Suche nach neuen Revieren bis zum nahen Herrnsheimer Badeweiher vordringen könnten.
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs ist nur eine von vielen in einer Liste der Europäischen Union aufgeführten invasiven, also nicht heimischen Arten, die sich fast ungestört ausbreiten können und der biologischen Vielfalt schaden. Dazu gehören etwa der Sonnenbarsch, Kamber-, Caligo- und Signalkrebs oder die Wollhandkrabbe im Rhein. Aber auch Halsbandsittich, Nutria, Waschbär, Wels – der, in der Donau beheimatet, über den Rhein-Donau-Kanal auch in den Rhein gelangte – und die Hauskatze.
Invasive Arten rechtzeitig bekämpfen
Der Stadt Worms war es ein Anliegen, den Rückgang heimischer und den Einfluss eingewanderter oder eingeschleppter Tier- und Pflanzenarten zu untersuchen, berichtet Wolfgang Reich vom Amt für Umweltschutz. Jürgen Ott hatte deshalb 2019 den Auftrag erhalten, eine Bestandsanalyse zu erstellen. Ott betont: „Worms war absolut fortschrittlich und vorausschauend.“
Nach Vorliegen des Gutachtens 2020 seien nun 2021 erste Reaktionen wie das Abfischen des Sumpfkrebses erfolgt. Er nennt als Beispiel auch den Ochsenfrosch, der seit 2017 in Rheinland-Pfalz nachgewiesen sei und dessen Bekämpfung erst jetzt, nachdem er sich schon etabliert habe, starte. „Invasive Arten, die nicht in dieses Umfeld hier passen und keine natürlichen Feinde haben, müssen im Anfangsstadium bekämpft werden“, fügt er hinzu.
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs gelange nur durch Aquarianer in die Freiheit, die möglicherweise seiner überdrüssig werden oder keinen Ausweg wissen ob der schnellen Vermehrung. Und ihn dann aussetzen. Diese Ordnungswidrigkeit werde mit bis zu 50.000 Euro geahndet, sagt Reich. Doch was kann der Halter tun, wenn in seinem Aquarium der Sumpfkrebs ein Problem wird? „Entweder im Kochtopf oder, weil schonender, durch Einfrieren töten“, rät Jürgen Ott. „Oder an einen Zoo geben, der die Tiere verfüttert.“