Nieder-Wiesen
Ministerpräsident Bodo Ramelow kommt in die Kirche seiner Jugend
Die Tage bis zum großen Jubiläum werden weniger, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Und ganz wichtig: Auch der Ehrengast hält weiter an seiner Zusage fest. In Nieder-Wiesen darf man sich also weiterhin auf den Besuch des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) freuen. Er ist nicht nur ein Kind der Gemeinde, sondern eben vor allem auch eines der evangelischen Kirchengemeinde, die an Christi Himmelfahrt ihr 300-jähriges Bestehen feiern wird.
Es soll ein Fest der Gemeinde sein, dennoch schwebt der Besuch des Spitzenpolitikers natürlich über allem. Zumal sich der eine oder andere Nieder-Wieser fragen dürfte, welche Begleiterscheinungen so ein Besuch haben könnte. „Beim letzten Mal hatte er ein paar Leibwächter dabei, die im Vorfeld die Kirche und Gemeindehalle begutachteten“, erinnert sich Pfarrer Tobias Kraft. Danach hätten die sich im Wesentlichen mit der Polizei verständigt, ein größeres Aufgebot an Beamten, irgendwelche Straßensperrungen oder dergleichen seien nicht nötig gewesen. Ähnlich erwartet es Kraft wieder, auch wenn er dazu noch keine abschließende Information erhalten hat. Das Polizeipräsidium in Mainz hat bislang jedenfalls noch keine Pläne dazu in der Schublade. „Oft werden wir dazu aber auch erst kurzfristig vor der Veranstaltung kontaktiert“, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. Doch auch die Beamten rechnen beim anstehenden Besuch Ramelows nicht mit einem größeren Einsatz. „Denkbar, dass sich dann eine Streife in der Nähe aufhält oder Ähnliches“, heißt es weiter.
Vom Konfirmanden zum Schirmherr
Die Nieder-Wieser und alle Gäste dürfen also mit einem ruhigen, festlichen Ablauf rechnen. Den dürfte auch Ramelow begrüßen. „Mit Nieder-Wiesen verbindet mich eine lange Geschichte“, sagte dieser unlängst. „Hier wurde ich konfirmiert, hier liegt meine Mutter begraben und in der Kirche wird meines Vorfahren Johann Philipp Fresenius gedacht. Allein aus diesen Gründen habe ich mich natürlich sehr gefreut, die Schirmherrschaft für das Kirchenjubiläum angetragen zu bekommen.“
Auch weitere Nachfahren der Fresenius-Familie wurden eingeladen und haben bereits zugesagt. Es war Pfarrer Johann Wilhelm Fresenius, der 1723 die Kirche in Nieder-Wiesen einweihte. Berühmt ist auch dessen Sohn Johann Philipp, der zunächst die Stelle übernahm, dann aber nach Hessen geschickt wurde. Dort taufte und konfirmierte er Johann Wolfgang von Goethe – und Fresenius' Nachfahren sollten später das chemische Institut Fresenius gründen. Einer seiner Brüder, Johann Anton, blieb wiederum in Nieder-Wiesen und aus dessen Familienzweig entstammt letztlich auch Bodo Ramelow. Kein Wunder also, dass der Politiker sich auf seine Heimkehr freut.
Gottesdienst ist fast ausgebucht
Um 10 Uhr soll der Festgottesdienst beginnen, bei dem Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die Predigt halten wird. „Aus Sicherheitsgründen werden wir dort nicht unbegrenzt Leute in die Kirche lassen können“ erklärt Kraft. Unter anderem müssen die Gänge frei bleiben, um Fluchtwege offen zu halten. Aus dem Grund gebe es schon seit einiger Zeit eine Anmeldeliste. „Und das Kontingent ist fast erschöpft“, so Kraft. Auch zum Mittagessen im Gemeindezentrum bittet Kraft um Anmeldung.
Am Nachmittag soll Bodo Ramelow seine Festrede halten, Kinder sollen im Anschluss die Möglichkeit haben, passend zu Himmelfahrt Luftballons mit Grußkarten losfliegen zu lassen. Den Abschluss bilden dann ein Ortshistorischer Rundgang (ab 15.30 Uhr) und ein Orgelkonzert (ab 17 Uhr), bei dem allerdings auch kurzentschlossene Gäste ausdrücklich Willkommen sind. „Die Führung wird auf den Spuren der Hunolsteiner und der Pfarrfamilie Fresenius sein“, erklärt Kraft.
Noch mehr Feste
Die Feierlichkeiten enden mit dem Festtag am 18. Mai keineswegs. Schon am Pfingstmontag lädt die Gemeinde zu einem Konzert mit Musik aus der Erbauungszeit der Kirche. Ab 18 Uhr spielt dann das „Trio flarcont“ mit Flöte, Violinen und Orgel vor. Weitere Veranstaltungen sind für den Herbst geplant.